Parkende Autos statt heißer Rhythmen

Parkende Autos statt heißer Rhythmen

Ein echtes Schmuckstück ist mit dem Laurentiusplatz vor sechs Jahren im Herzen Dauns entstanden. Viel Leben herrscht dort aber nicht. Stattdessen nutzen Falschparker den Platz als Abstellmöglichkeit.

Daun. Es ist fast 500 Jahre her, dass die Pfarrei Dockweiler sich zum Protestantismus bekennen musste. Alle Heiligenfiguren wurden damals aus der Kirche des Dauner Nachbarorts entfernt, auch die des Patrons der Pfarrei, des Heiligen St. Laurentius. Die katholischen Dauner zogen damals in einer langen Prozession nach Dockweiler und trugen die Statue von dort in ihre Stadt. Seitdem ist der Märtyrer der zweite Stadtpatron. Und die Dauner würdigen ihren Laurentius. So feiern sie beispielsweise die Laurentiuskirmes. Und deshalb haben sie auch den schönen Platz in ihrer Stadtmitte auf seinen Namen getauft: den Laurentiusplatz.
500 000 Euro hat die Stadt für die Umgestaltung der Fläche bezahlt, unterstützt von Fördermitteln des Landes. Das Areal ist terrassenartig angelegt, Flaneure können auf Sitzreihen Platz nehmen, schmucke Laternen beleuchten das steinerne Halbrund - und über alledem wacht eine grimmig dreinblickende Statue des Laurentius.
Grimmig deshalb, weil St. Laurentius immer weniger Feste, Konzerte und fröhliche Menschen auf seinem Platz sieht. Stattdessen muss er den lieben langen Tag auf Autos schauen. Denn mehrere Vehikel parken Tag und Nacht auf dem Laurentiusplatz, obwohl dort - außer auf Sonderparkflächen für Patienten der Physiotherapiepraxis und einem Parkplatz für das Hotel Stadt Daun - absolutes Halteverbot herrscht.
Als Parkplatz missbraucht


Dieses Problem ist auch der Dauner Stadtverwaltung bekannt. "Der Platz wird derzeit als Parkplatz missbraucht", sagt Dauns Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen. Die Stadt habe leider keine Handhabe, dem entgegenzuwirken. Denn Ordnungsbehörde für Daun ist die Verbandsgemeindeverwaltung. Dort teilt man mit, dass der Platz mehrmals täglich kontrolliert werde - und die Falschparker konsequent verwarnt würden. Jenssen überlegt trotzdem, die Begrenzungssteine so zu verlegen, dass nicht mehr einfach geparkt werden kann. "Diese Autos sollten da nicht stehen", sagt der Bürgermeister.
Für mehr Leben würde aber auch ein restriktiveres Parkverbot nicht sorgen. Als der Platz im Jahr 2007 umgebaut wurde, wollte Jenssen einen Ort schaffen, "an dem man gerne verweilt und sich trifft, an dem Veranstaltungen gefeiert werden, an dem Leben ist." Heute sieht der Bürgermeister ein: "Das Angebot ist ein bisschen dünn." Der Platz sei aber nicht nur umgestaltet worden, damit es einen neuen Ort für Veranstaltungen gibt: "Es ging auch darum, die Stadt an sich attraktiver zu machen." Dennoch: Neben der Rallye-Eröffnung und der Kirmes gab es im vergangenen Jahr keine Veranstaltung auf dem Laurentiusplatz. Auch Jenssens Kollegen im Stadtrat sind deshalb der Meinung: Es müssen neue Ideen her (siehe Extra).
Für Ingrid Wesseler von den Kur- und Freizeitbetrieben Daun ist dabei aber nicht nur die Stadt in der Pflicht. "Die Stadt ist nicht der einzige Kulturveranstalter in Daun. Es wäre auch möglich, dass andere dort etwas organisieren."
Wesseler sieht jedoch ein, dass es Einschränkungen gibt: "Konzerte mit Eintritt kann man auf dem Laurentiusplatz nicht realisieren." Neben Musikveranstaltungen kann sich Wesseler aber auch eine ganz andere Nutzung vorstellen: "Wenn sich jemand findet, könnte der Platz hin und wieder als Biergarten genutzt werden. Wegen der Anwohner und des Hotels natürlich nur bis 22 Uhr." Bürgermeister Jenssen hat damit kein Problem. "Sämtliche Anschlüsse für Strom und Wasser sind vorhanden", sagt Jenssen. "Man muss nur auf uns zukommen."Meinung

Verpasste Chance
500 000 Euro - so viel hat den Steuerzahler der Laurentiusplatz gekostet. Angekündigt wurde neues Leben im Herzen Dauns. Doch statt mit Musik und feiernden Menschen ist der Platz in der Regel nur mit parkenden Autos gefüllt. Die Dauner - und damit sind nicht nur die Stadtgremien gemeint - verpassen hier eine große Chance. Vereine, Veranstalter, Gastronomie, sie alle könnten von dem Platz profitieren und dabei gleichzeitig ihre Stadt attraktiver machen. Der nächste Sommer kommt bestimmt - vielleicht bringt er in diesem Jahr neues Leben ins Dauner Herz? t.senzig@volksfreund.deExtra

Sollen mehr Veranstaltungen an den Laurentiusplatz? Der TV fragte die Vorsitzenden der Dauner Stadtratsfraktionen. Friedhelm Haep (CDU): "Der Platz ist exzellent hergerichtet worden. Ich wäre sehr dafür, ihn auch für andere Veranstaltungen zu nutzen. Es würde sich natürlich auf Veranstaltungen im Sommer beschränken." Ulrich Domenghino (SPD): "Es ist natürlich schade, dass da so wenig stattfindet. Wenn man sieht, dass die Bühne wochenlang zwischen Rallye und Kirmeseröffnung leer steht, könnte man die Zeit auch nutzen, um etwas dort zu veranstalten. Man könnte im Sommer auch die Abendkonzerte auf den Platz verlegen." Stefan Minninger (GVV): "Ich bin dafür, dass es mehr Veranstaltungen gibt. Der Platz sollte zum Leben erweckt werden - deshalb wurde er gebaut. Man könnte die Thematik fest in einem Ausschuss ansiedeln, mit einer festen Anlaufstelle für diejenigen, die den Platz nutzen möchten." Alfred Lorenz (Dr. Reineke): "Platz und Umgebung eigen sich hervorragend für kulturelle Veranstaltungen. Es könnten mehr sein - aber man muss das wegen der Anwohner auch im Rahmen halten." Mariette Geisen (FDP): "Das ist ein schöner Platz, der mehr genutzt werden könnte. Ich werde mich dafür einsetzen, dass im Sommer mehr Konzerte dorthin verlegt werden. Es wäre auch zu überlegen, eine feste Bühne zu installieren - aber der Stadtsäckel ist klamm." sen