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Alle neun Sekunden eine Tür

Alle neun Sekunden eine Tür

TRIERWEILER-SIRZENICH. Was aus Pioniergeist und Weitsicht entstehen kann, zeigt die Geschichte der Firmengruppe Klaus Borne. Von einer Schreinerei im Hinterhof-Schuppen zum deutschen Marktführer bei Türen: So entwickelte sich das Unternehmen in 50 Jahren.

Wer regelmäßig im schwedischen Möbelhaus Ikea einkauft, hat unter Umständen ein Produkt der Firma Borne aus Trierweiler-Sirzenich im Wohn- oder Arbeitszimmer stehen, ohne es zu wissen. Denn das Unternehmen fertigt über seine rund 220 Mitarbeiter im polnischen Tochterunternehmen Leichtbau-Möbel, was Borne zusammen mit Ikea zu den derzeit einzigen Herstellern dieser Möbel-Art weltweit macht. Pionierarbeit hat Tradition bei Borne. Als Klaus Borne 1956 seine Bau- und Möbelschreinerei gründet, steckt dahinter sein Traum von der Selbstständigkeit. Heute, 50 Jahre später, ist aus dem Ein-Mann-Betrieb mit Moped-Motorisierung eine Firmengruppe mit 650 Mitarbeitern in Deutschland und Polen geworden, die einem treu geblieben ist: Borne ist weiterhin ein Familienunternehmen. "Mein Vater hat immer antizyklisch und mit Pioniergeist gehandelt", sagt Frank Borne, Geschäftsführer der Borne-Gruppe. Schon 1964 setzt Klaus Borne ausschließlich auf Türen in maschineller Fertigung, 1975 führt er Computer in der Produktion ein, baut 1983 das erste Hochregallager der Region Trier, erweitert seine Hallen im Ort mehrfach. Der Lohn: Borne hat in den 60ern große Aufträge etwa im neuen Wirtschaftsministerium in Bonn, setzt seine Türen in ganz West-Deutschland ab, und mit der Belieferung der Baumärkte in den 70er- Jahren steigt die Produktion auf 1000 Türen pro Tag - automatisch produziert, lackiert und verpackt. 1988 der wichtigste Schritt: Der damals 58-jährige Firmengründer baut für umgerechnet 14 Millionen Euro ein weiteres Werk im Industriegebiet Trierweiler-Sirzenich. "Ein riskantes Unterfangen in diesem Alter. Aber er musste sich auf die große Lösung konzentrieren, denn im Ort wurde die Fläche knapp", sagt Margret Borne-Müllerklein, die mit ihrem Bruder die Firmengruppe leitet. Zumal der Markt damals schlecht gewesen sei. Zuwächse im schrumpfenden Markt

Doch mit der Deutschen Einheit öffneten sich neue Absatzkanäle. "Wir hatten Steigerungsraten von bis zu 40 Prozent im Jahr, bis wir 1993 mit unseren Kapazitäten am Ende angelangt waren", sagt die Firmenchefin, die 1990 in den elterlichen Betrieb gewechselt ist. So steht erneut eine Expansion an: Das neue Mosel-Türenwerk wird gebaut - Investitionen von umgerechnet 35 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl steigt auf rund 400, weil mit der neuen Tochterfirma seit 1996 die Vertriebsschiene für den Fach- und Baustoffhandel wiederbelebt wird. Zusätzlich beliefert Borne alle großen Baumärkte über die Borne Türelemente. Heute werden pro Tag bis zu 6000 Türen produziert, alle neun Sekunden eine; das Unternehmen ist mit einem Anteil von 15 Prozent Marktführer für Türen in Deutschland. Doch der Wettbewerb ist hart: Seit zehn Jahren sinkt der Absatz von Türen von 14 Millionen Einheiten laut Schätzungen in Deutschland auf wohl rund sechs Millionen in diesem Jahr. "Noch haben wir immerhin zweistellige Zuwächse", sagt Frank Borne und stellt eine schnellere Auftragsverarbeitung in Aussicht. Eine Expansion ins Ausland ist aber nicht so leicht. "Jedes Land hat eigene Normen für Türen und andere Geschmäcker", sagt Margret Borne-Müllerklein. Ob es um Holzfarben, Schlösser oder Schlosshöhe gehe, es gebe große Unterschiede, was den Export behindere. Nichtsdestotrotz beliefert Borne inzwischen etwa 20 Länder. Und der Export soll künftig noch ausgebaut werden. Ein Großauftrag in China über 4000 Einheiten hat der Firma bereits neue Türen geöffnet. Ein Markt, den die beiden Borne-Geschwister allmählich erschließen wollen - eine Methode, die bereits der Vater erfolgreich umgesetzt hat.