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Powerfarbe an der Wand und Ruhe im Raum

Powerfarbe an der Wand und Ruhe im Raum

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In einer neuen Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Unternehmen der Region Trier in ihrem Büro - und lässt sie erzählen, warum sie ihren Arbeitsplatz so und nicht anders eingerichtet haben. Den Auftakt macht Karin Kaltenkirchen, geschäftsführende Mitinhaberin des Modehauses Marx in Trier.

M ein Büro befindet sich ganz oben unter dem Dach des Turms, der 1988 nachträglich an den Gebäudekomplex des Modehauses angebaut wurde. Hier arbeite ich, seitdem ich 1998 wieder nach Trier gekommen bin. Ich hatte mir gar keine Gedanken über die vorhandene Büroeinrichtung gemacht, bis meine Freundin vor knapp drei Jahren sagte: ,Du verbringstdoch so viel Zeit hier, mach\' es dir doch schön.\' Die tolle Idee habe ich dann sofort umgesetzt. Im Verkaufsraum modernisiert man ja ständig, ans eigene Büro hatte ich nie gedacht. Die Schrägen und die Höhe geben dem Büro zwar eine ganz besondere Atmosphäre, es ist dadurch aber auch schwierig, es ebenso funktional wie schön einzurichten. Gemeinsam mit einer Inneneinrichterin haben wir viele gute Lösungen umgesetzt.
Ein Teil der Fensterwand, die Gauben und die Heizkörper sind apfelgrün gestrichen, eine meiner Lieblingsfarben; eine Powerfarbe, die gute Laune weckt. Ganz wichtig ist der Schallschutz aus Filz an der Wand hinter meinem Schreibtisch. Männer denken dabei oft an aufgeschnittene Fußbälle; ich finde, die Halbkugeln sind eine richtig pfiffige Idee für optisch schönen Schallschutz. Fürs tägliche Arbeiten und bei Besprechungen ist es eine große Erleichterung, dass es in diesem hohen Raum nun viel weniger hallt.
Ich habe es beim Arbeiten gerne still. In einem ruhigen Umfeld kann ich mich besser konzentrieren. Durch die vielen Themen und Projekte, die mitunter parallel bearbeitet werden müssen, ist dann schon automatisch für viel Abwechslung gesorgt.
Wie lange ich arbeite, hängt ganz von den Terminen ab, die oft auch abends sind. Kaffee trinke ich nur zu Hause, im Büro gibt\'s Tee. Mittags gehe ich, wenn immer möglich, fünf Minuten zu Fuß in die Gartenfeldstraße zu meinen Eltern, dort ist glücklicherweise immer noch der Treffpunkt unserer Familie. Meine Mutter Ursula Hauser kocht dann für alle, die Zeit haben. Meistens ist auch meine Schwester mit ihren beiden kleinen Mädchen dabei. Für diesen Luxus bin ich sehr dankbar.
Insgesamt mischen sich in meinem Büro Moderne und Tradition. An der Schräge gegenüber meinem Schreibtisch hängen sechs gezeichnete Porträts der früheren Inhaber des Modehauses. Es gibt diesen schönen Spruch: ,Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.\' Ich sammle diese Weisheiten sehr gerne. Auf meinem Computer liegt eine Datei, in der ich die Sprüche notiere, die mich in besonderer Weise berührt haben. Deswegen mag ich auch den Tages-Kalender des ehemaligen Handball-Nationalspielers Jörg Löhr. Er hat eine ganz besonders interessante Auswahl davon.
Immer mit dabei ist meine viereinhalbjährige Spinone-Hündin Emma. Im Büro ist sie hochgradig entspannt und in dem ,Fachgebiet\' wirklich ein Vorbild. Meist liegt sie in ihrem großen Korb oder auf der Matte unter meinem Schreibtisch. Wenn ich Besuch habe, kommt sie oft dazu und legt sich unter den großen runden Besprechungstisch. Und sobald sie hört, dass ich den Computer runterfahre, steht sie auf und freut sich. Sie weiß dann: Jetzt ist Feierabend." Aufgezeichnet von Ariane ArndtExtra

Karin Kaltenkirchen wurde 1969 in Trier geboren. Bevor die gelernte Textilkauffrau 1998 in sechster Generation geschäftsführende Mitinhaberin des Modehauses Marx wurde, arbeitete sie unter anderem als Bezirks- und später als Verkaufsleiterin von Lidl in Dresden und Heilbronn. Von 2006 bis 2012 war sie erste Vorsitzende der Trierer City-Initiative. Kaltenkirchen ist ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht und Mitglied der Vollversammlung sowie des Handelsausschusses der Industrie- und Handelskammer Trier. Außerdem ist Karin Kaltenkirchen Mitinitiatorin der Elephant-Parade: Im Oktober werden 85 von Künstlern gestaltete Elefanten-Figuren in Trier und Luxemburg ausgestellt. Das Modehaus Marx, gegründet 1835, beschäftigt 69 Mitarbeiter, davon 92 Prozent Frauen. Auf einer Verkaufsfläche von 3200 Quadratmetern über drei Etagen gegenüber der Konstantin-Basilka wird Damen- und Herrenoberbekleidung angeboten. www.modehaus-marx.de arn