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Fußballplatz zwischen Kunst und Natur

Wallenborn. Die Unternehmensgruppe Cordel aus Wallenborn (Vulkaneifelkreis) baut Sportstätten. Nach jahrelangen Tests und Laborversuchen hat Jan Cordel das Patent für einen Hybridrasen erhalten, eine Mischung aus Natur- und Kunstrasen. Drei Anlagen sind in Betrieb. Vladi Nowakowski

Wallenborn. Die Idee ist einfach, aber effektiv: In die Rasentragschicht des Sportplatzes, die Cordel im firmeneigenen Werk herstellt, werden 18 Zentimeter lange Fasern aus Polyethylen beigemischt. Die Kunststofffasern verteilen sich nach Zufallsprinzip - 45 Millionen stecken in einer fertigen Mischung für einen Fußballplatz - und richten sich vertikal und horizontal aus. "Dadurch entsteht ein Verkettungseffekt der Fasern und der Graswurzeln", erklärt Jan Cordel, Geschäftsführer des Familienbetriebs. Die Schicht, in der das Gras wächst, werde auf diese Weise stabilisiert und die Spielfläche besitze die für Fußballer unschlagbaren Eigenschaften eines herkömmlichen Naturrasens.
Lange Tradition


"Bei intensiven Zweikämpfen wird der Rasen durch den Verkettungs- und Stabilisierungseffekt der Kunstrasenfasern geschützt. Es ist praktisch unmöglich den Belag aufzuspielen", sagt Cordel. Damit erledige sich auch das leidige Problem der ausgetretenen Flächen vor den Fußballtoren auf Rasenplätzen. Der Familienbetrieb, der seit rund 30 Jahren Sportstätten baut, hat Erfahrung mit den Schwachstellen herkömmlicher Naturrasenplätze, aber auch die Minuspunkte der Kunstrasen-Anlagen werden seit langem analysiert. 350 Naturrasen- und 150 Kunstrasenplätze in Deutschland und im benachbarten Ausland zählt die Referenzliste von Cordel-Bau auf.
Seit 1986 produziert Cordel im firmeneigenen Lava- und Substratewerk eine Tragschicht für Naturrasensportplätze. 2006 wurde Terrasoil Advance, der Hybridrasen, als Patent ange-meldet.
"Das System wurde in der Fachhochschule Osnabrück positiv auf seine mechanischen Eigen-schaften und auf sein Vegetationsverhalten getestet", sagt der Geschäftsführer. "Dann begannen die Feldversuche durch die Fachhochschule Erfurt, in der zwei Jahre lang die Be-lastbarkeit erforscht wurde." 24 Monate widerstand der Hybridrasen den Versuchen, ihn mit Stollenwalzen und anderen Geräten, die Bewegungen von Fußballspielern simulieren, zu schädigen.
"Bei jedem Wetter", ergänzt Cordel. Das Ergebnis des Feldversuches: Hybridrasen verträgt, amtlich besiegelt, 900 bis 1100 Stunden Spielzeit pro Jahr. "Beim Naturrasen sind es rund 600 bis 700 Stunden, während der Kunstrasen nahezu unbegrenzt bespielbar ist - unter Vorbehalt", sagt Cordel. Denn nach etwa zwölf Jahren sei die Oberfläche des Kunstrasens verschlissen und müsse ausgetauscht werden. Kostenpunkt dabei: 150 000 bis 200 000 Euro.
Damit sei man bei einem weiteren Vorteil des Hybridrasens, erklärt Jan Cordel: "Der Bau einer Kunstrasenanlage schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche, der Hybridrasenplatz kostet etwa die Hälfte. Und wenn nach zwölf Jahren die Spielfläche des Kunstrasens ersetzt wird, wächst auf der Hybridfläche immer noch das Gras." Drei Sportanlagen mit dem Faserverstärkten Untergrund hat Cordel-Bau in den vergangenen zwei Jahren errichtet: "Meudt, Winningen und Elkenroth haben den Hybridrasen bereits", erzählt Cordel. "Die Vereine sind hochzufrieden und das Ergebnis in punkto Belastbarkeit übertrifft selbst unsere Erwartungen." Eine weitere Sportstätte in Meisenheim ist in Auftrag und vielleicht gehöre dem Hybridrasen sogar die Zukunft, meint Jan Cordel: "Seit Beginn dieses Jahres erhalten die Gemeinden als Zuschuss für den Bau eines Kunstrasenplatzes lediglich eine Pauschale von 100 000 Euro - bis Ende 2012 betrug die Förderung rund 160 000 Euro." Außerdem müssten die Kommunen nachweisen, dass der Platz mehr als 1800 Stunden im Jahr bespielt werde. "Der Hybridrasen stellt eine kostengünstige und belastbare Alternative dar", sagt Cordel.
Einziges Problem: es gibt noch keinen Förderrichtwert, an dem sich die Zuschüsse ausrichten könnten.Extra

Cordel-Bau in Wallenborn zählt zur Unternehmensgruppe Cordel, die seit rund 30 Jahren Sportstättenbau und Sportplatzpflege, aber auch Rohrleitungsbau und Kanal-sanierung betreibt. Zum Betrieb gehört außerdem ein Lava- und Substrate-Werk in Gerolstein-Gees. Die Firma mit ihren 40 Mitarbeitern baut rund 15 Sportanlagen pro Jahr. Darunter sind so namhafte Stadien wie Letzigrund Zürich, Rheinstadion Düsseldorf, Zentralstadion Luxemburg und Lukas Podolski Sportpark Bergheim. Jan Cordel ist einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter des Familienunternehmens. now