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Sonderfunktion dank der Nähe zu Luxemburg

Sonderfunktion dank der Nähe zu Luxemburg

Primus unter 82 Gleichgesinnten: Das Briefzentrum der Deutschen Post in Trier hat eine Sonderfunktion mit Auslandsaustausch: Es bearbeitet täglich alle rund 30 000 Sendungen aus Luxemburg für das gesamte Bundesgebiet.

Trier. Am späten Nachmittag laufen die Maschinen im Briefzentrum der Deutschen Post in Trier auf Hochtouren. Dann bringen Fahrer aus dem Zuständigkeitsgebiet der gesamten Region Trier mit den ersten beiden Postleitzahlen 5 und 4 Briefe aus Briefkästen, Postfilialen und von Großkunden in die Halle am Hafen - knapp 180 000 sind es jeden Tag. Maschinen rattern, trennen Briefe nach Formaten, tasten Briefmarken ab, drehen und wenden Umschläge, stempeln und kodieren sie. Mitarbeiter sortieren Umschläge vor, verteilen den Ausschuss von täglich rund 1000 Briefen von Hand und stapeln Kisten mit fertig bearbeiteten Sendungen.
Hightech und Sütterlin


"Wer die Post ärgern möchte, der schreibt in Sütterlin und klebt die Briefmarke unten hin", sagt Martin Wolf scherzhaft. Er ist von der Niederlassung Brief Koblenz und damit auch zuständig für das Briefzentrum Trier. Dank der Investition von rund zwei Millionen Euro in Hightech-Lesemaschinen sei die Technik zwar immer besser geworden, bestimmte "Fehler" könne man jedoch kaum ausschalten. Damit die Sendungen ihr Zielgebiet auch erreichen, werden sie auf die übrigen 81 Briefzentren in Deutschland sortiert. Für die Briefe jeder Region gibt es Kästen, für jede Charge einen Code.
Über Trier in die ganze Welt


Nur ein Viertel aller eingehenden Sendungen bleibt bei Empfängern in der Region Trier, der Rest verlässt die Mosel Richtung Bundesgebiet oder Ausland. "Die Hauptzielgebiete von Trier aus sind Koblenz, Saarbrücken, Köln, Bonn und Luxemburg", sagt Wolfgang Tabellion, Leiter des Briefzentrums der Deutschen Post in Trier. Gerade dank der Nähe zu Luxemburg habe die Trie rer Brieffabrik eine Sonderstellung innerhalb des Post-Konzerns: Als einziges der 82 deutschen Briefzentren hat das Trie rer neben der Hauptstelle in Frankfurt einen Auslandsaustausch - nämlich mit Luxemburg. Schickt also ein Luxemburger seinen Freunden in Berlin eine Postkarte, so läuft diese in jedem Fall über die Trierer Sortier- und Verteilmaschinen. Denn alle 30 000 Sendungen pro Tag aus dem Großherzogtum passieren den Moselstandort auf dem Weg zu ihrem Zielort.
Besonders viele Briefe treffen während der Weihnachtszeit im Briefzentrum ein, viele davon an den "Nikolaus" adressiert, sagt Tabellion: "Die werden dann aussortiert und ans Weihnachtspostamt im saarländischen St. Nikolaus weitergeleitet." Aber auch in den Sommermonaten gebe es ein um 40 Prozent erhöhtes Postkartenvolumen, die die zahlreichen Trier-Touristen abschickten - bevorzugt in die Benelux-Staaten und in die USA.
Ein "Retro-Comback", ist Post-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek überzeugt: "Der gewachsene E-Mail-Verkehr hat den Anteil der Privat-Post am Gesamtmarkt zwar stark getroffen. Aber wir stellen einen Trend zurück zur Postkarte fest." Auch habe der starke Anstieg von Geschäftspost wie Info- und Werbesendungen den Rückgang bei der privaten Korrespondenz nahezu aufgefangen.
Briefe für 300 Briefträger


Während die einkommenden Briefe aus der Region und aus Luxemburg ihren mehr als 100 Meter langen Weg durch die Halle bis zum Ausgang wandern und dann vom Trierer Briefzentrum weitertransportiert werden, treffen in der Nacht weitere 300 000 Sendungen aus dem ganzen Bundesgebiet ein - die Post für Empfänger, die in der Region Trier wohnen (siehe Extra). Auch dann ist Höchstleistung von den insgesamt 139 Mitarbeitern im Briefzentrum gefordert, das seinen Betrieb täglich über 24 Stunden offen hält. Bis in die frühen Morgenstunden hinein erhalten alle rund 300 Briefträger in der Region nach einem ausgeklügelten System die Briefe für ihren optimalen Zustellweg. So könnten gut 95 Prozent aller Briefsendungen ihren Empfänger schon innerhalb eines Tages erreichen, sagt Martin Wolf.Extra

Maximal 500 000 Sendungen können täglich im Briefzentrum der Post in Trier bearbeitet werden - derzeit kommen 180 000 aus der Region an, 300 000 aus dem Bundesgebiet. Jährlich werden so 125 Millionen Briefe gestempelt, sortiert und weiterverschickt. Seit der Gründung des Briefzentrums vor 15 Jahren hat die Postfabrik somit knapp 1,9 Milliarden Sendungen bearbeitet. Alle Briefe aneinandergereiht würden die Erde etwa zwölf Mal umrunden. 120 Beschäftigte hat das Trie rer Briefzentrum der Post sowie 19 Azubis. Die meisten Sendungen gehen nach Koblenz, Saarbrücken, Köln, Bonn und Luxemburg. Eine Trierer Besonderheit ist die "Sonderfunktion Auswechselstelle für Luxemburg". Das heißt, an der Mosel werden alle Sendungen aus Luxemburg für das gesamte Bundesgebiet verarbeitet. sas