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Sein Motto: Lieber Beinschuss als Torschuss

Wiedersehen im Moselstadion. Die Eintracht-Vorstandsmitglieder Ernst Wilhelmi (Zweiter von rechts) und Roman Gottschalk (rechts) überreichten Juan-Carlos Borteiro (Dritter von rechts) und dessen Frau (Mitte) ein SVE-Trikot. Mit auf dem Foto: Borteiros ehemalige Weggefährten Günter Geulich, Horst Brand und Hans Redwanz (von links). TV-Foto: Mirko Blahak
Wiedersehen im Moselstadion. Die Eintracht-Vorstandsmitglieder Ernst Wilhelmi (Zweiter von rechts) und Roman Gottschalk (rechts) überreichten Juan-Carlos Borteiro (Dritter von rechts) und dessen Frau (Mitte) ein SVE-Trikot. Mit auf dem Foto: Borteiros ehemalige Weggefährten Günter Geulich, Horst Brand und Hans Redwanz (von links). TV-Foto: Mirko Blahak
Trier. Er war ein Exot in Diensten von Eintracht Trier. Offensivspieler Juan-Carlos Borteiro trug nach einem kurzen Gastspiel in Aachen zwischen 1968 und 1972 das Trikot des SVE. Während einer Europareise schaute er nun erstmals wieder im Moselstadion vorbei.

Trier. Für Juan-Carlos Borteiro war es damals ein Riesen-Schritt. Als 24-Jähriger ging er aus Montevideo ins gut 11 000 Kilometer Luftlinie entfernte Aachen. Entdeckt und für die deutsche erste Liga für gut befunden wurde er bei einem Freundschaftsspiel zwischen Cerro Montevideo und der bolivianischen Nationalmannschaft. Im Blick eines Spähers aus Deutschland stand eigentlich Borteiros Landsmann Horacio Troche. Ein Innenverteidiger, der bei der WM 1966 unrühmliche Bekanntheit erlangte, als er im Viertelfinalspiel zwischen Uruguay und Deutschland (0:4) Uwe Seeler eine Ohrfeige verpasste. Der geplante Transfer-Coup mit Troche klappte. In seinem Schlepptau wechselte auch Borteiro zur Alemannia. Für ein Jahr - dann zog es den Stürmer zur Trierer Eintracht.
"Er war natürlich für uns ein Exot", erinnert sich Ex-SVE-Mitspieler Hans Redwanz. Seinerzeit waren internationale Wechsel nicht an der Tagesordnung. Borteiro, der vor seinem Engagement in Deutschland auch schon in Ecuador spielte, war technisch beschlagen. "Er freute sich fast mehr über einen Beinschuss als über einen Torschuss", sagt Ex-Mitspieler Horst Brand. Für die ganz jungen Akteure wie den damals 18-jährigen Redwanz war der Südamerikaner ein Vorbild: "Er hat mich immer angetrieben."
Nach den Trainingseinheiten legte Borteiro gerne noch Zusatzschichten ein - an der Tischtennisplatte, bei heißen Duellen gegen Mitspieler Elmar Frank. Während seiner Zeit in Trier ist dem früheren uruguayischen Jugendnationalspieler vor allem eine Fußball-Partie im Gedächtnis geblieben: das DFB-Pokal-Spiel bei widrigen Bedingungen am 5. Januar 1969 gegen den 1. FC Nürnberg (1:3).
Trier spielte damals in der Regionalliga Südwest, sie war die zweithöchste Klasse in Deutschland. Borteiro war Vertragsspieler, er verdiente inklusive Prämien pro Monat wenige Hundert deutsche Mark. Parallel arbeitete er zunächst bei Frisco-Kältetechnik und später bei den Romika-Schuhwerken. In Aachen zuvor waren für Borteiro bis zu 2500 Mark drin - bei diesem Betrag lag damals die Gehaltsobergrenze.
1972 ging Borteiro zurück in seine Heimat zum Club Rampla Juniors FC aus Montevideo, den er später auch mehrfach trainierte. Für ein paar Monate coachte er zudem die uruguayische Frauen-Nationalmannschaft.
Nun, als 69-Jähriger, nimmt er sich Zeit für andere Dinge. Mit seiner Frau Maria-Christina ist er seit dem 1. Mai auf Europareise - oder wie er es nennt "Nostalgiefahrt". St. Petersburg, Moskau, Berlin, Aachen, Köln, Koblenz, Trier, München - das sind nur einige Stationen, die auf ihrer Reiseroute bis zum 5. Juli liegen.
Nach Trier kam er jetzt erstmals seit seinem Engagement vor mehr als 40 Jahren. "Die Stadt ist schöner geworden, auch das Stadion-Areal", sagt Borteiro. Auf dem Programm in der Römerstadt standen unter anderem ein Empfang im SVE-Clubheim "Nullfünf" sowie ein Essen mit ehemaligen Weggefährten. Von der Eintracht gab es als Geschenk ein SVE-Trikot, beflockt mit seinem Namen und der Nummer 8, die Borteiro früher oftmals trug. Helmut Bergfelder überreichte dem Gast im Namen des Stadtsportverbands ein Gemälde des in Trier beheimateten argentinischen Künstlers Mario Diaz Suarez, das die Porta Nigra zeigt. Selber zum Malwerkzeug wird Borteiro nicht greifen, auch wenn er beim Anblick der Porta während eines Stadtrundgangs süffisant bemerkte: "Es wäre mal an der Zeit, sie neu zu streichen." bl