1. Serien und Specials

Rock am Ring beendet Nazi-Diskussion: Pantera aus Programm​ geworfen

Nach vielen Protesten : Rock am Ring beendet die Nazi-Diskussion: Pantera fliegt aus dem Programm

Kann eine Punkband mit klarer Haltung wie die Toten Hosen auf dem gleichen Festival spielen wie eine US-Band, deren Sänger bei einem Konzert den Hitlergruß zeigte? Die Macher von Rock am Ring am Nürburgring wollen diese immer lauter werdende Diskussion beenden - indem sie Pantera ausgeladen haben.

Die Mitteilung am Montagabend auf den Social-Media-Kanälen von Rock am Ring ist kurz – aber sie hat es in sich: „Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei Rock am Ring und Rock im Park 2023 auftreten“, heißt es dort. „In den letzten Wochen haben wir viele intensive Gespräche mit Künstler*innen, unseren Partner*innen und euch, den Festivalfans, geführt, uns mit der Kritik weiter gemeinsam auseinandergesetzt und uns dazu entschlossen, die Band aus dem Programm zu nehmen.“

Die einflussreiche US-Metalband hatte erst 2022 wieder zusammengefunden - jedenfalls die überlebenden Bandmitglieder Phil Anselmo und Bassist Rex Brown – Gitarrist Dimebag Darrell und Schlagzeuger Vinnie Paul sind bereits 2004 bzw. 2018 verstorben. Die Reunion steht bisher unter keinem guten Stern – weil Sänger Anselmo bei einem Konzert 2016 den Hitlergruß zeigte und „White Power“ skandiert hatte, gab es mehrfach Kritik daran, die Band auf Festivals spielen zu lassen. Beim Parallelfestival Rock im Park in Nürnberg verlangte die Stadtratsfraktion der Grünen, die Band aus dem Programm zu streichen. Die Debatte zog auch weitere Kreise - auch Bands, die ebenfalls beim Festival spielen sollten, äußerten sich zur Kritik.

Rock am Ring 2023: Die Toten Hosen empfinden die „Situation als kompliziert und unglücklich“

Darunter auch der Headliner Die Toten Hosen. Die Rockband um Frontmann Campino soll ebenfalls bei den Zwillingsfestivals in Nürnberg und am Nürburgring in der Eifel Anfang Juni auftreten. Die Musiker bezeichneten ein Video, in dem sich Pantera-Sänger Phil Anselmo 2016 auf einer Bühne rassistisch geäußert und den Hitlergruß gezeigt haben soll, als „abstoßend und widerlich“. Auch wenn er sich danach entschuldigt habe und seitdem beteuere, dass er kein Rassist sei, bleibe die Frage, wie glaubwürdig seine Entschuldigung sei, schrieb die Band auf ihrer Facebook-Seite.

Die Toten Hosen seien Phil Anselmo nie begegnet und könnten nicht beurteilen, wie es um seine wahre Gesinnung stehe. „Die ganze Situation empfinden wir als kompliziert und unglücklich.“ Zugleich verweist die deutsche Rockband darauf, dass Pantera in diesem Jahr auf zahlreichen Festivals zusammen mit Bands auftrete, die „schwerlich in die rechte Ecke zu stellen sind“. Die Mehrheit der Rockmusikwelt scheine dem Sänger seine Läuterung abzunehmen, schrieben die Musiker. Pantera reagierte zunächst nicht auf Anfragen.

Sie müssten darauf vertrauen, dass bei jedem Künstler eingehend geprüft werde, ob dieser zum Umfeld des Festivals passe und mit seinem „Spirit“ vereinbar sei, schrieben Die Toten Hosen. „Das hat in der Vergangenheit gut geklappt und wir gehen davon aus, dass auch dieser spezielle Fall noch einmal genau durchleuchtet wird und gegebenenfalls die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.“

Zuvor hatten sich bereits zahlreiche Nutzer etwa bei Instagram kritisch über den geplanten Auftritt der US-Band bei „Rock im Park“ und „Rock am Ring“ geäußert.

(mit dpa)