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Treue und Tristesse

Über allem weht die Hoffnung: Auch die Eintracht-Fans leiden unter der prekären Situation beim Zweitligisten.Foto: Hans Krämer
Über allem weht die Hoffnung: Auch die Eintracht-Fans leiden unter der prekären Situation beim Zweitligisten.Foto: Hans Krämer
TRIER. Wie geht's weiter mit Eintracht Trier? Ist Ruhe bewahren jetzt das Richtige oder eher "Feuer machen"? Die Fans sind da unterschiedlicher Auffassung. Der TV hat sich bei denen umgehört, die immer dabei sind, wenn die Eintracht spielt: bei Fanclub-Mitgliedern. Von unserem Redakteur <br>ANDREAS FEICHTNER

Christoph Berger und Michael Marx vom Fanclub OSTKURV' appellieren an den Zusammenhalt unter den Eintracht-Fans. Szenen wie nach der Oberhausen-Partie, als Spieler und Trainer "aufs Übelste beschimpft wurden", seien inakzeptabel. "Mehrere griffen sogar auf den wohl abgedroschensten Modesong zurück und skandierten laut: 'Wir hab'n die Schnauze voll !' Da können wir nur dagegen halten: noch lange nicht!" Für Marx und Berger ist klar: "Wer seinen Klub so schnell aufgibt, hat im Stadion nichts mehr zu suchen, da für ihn der Abstiegskampf schon so gut wie verloren ist." Trainer und Mannschaft bräuchten gerade jetzt die absolute Unterstützung des Publikums. "Wer den Ur-Trierer Linz kennt, weiß, dass er alles tun wird, um den Abstieg seines Heimatvereins zu verhindern." Bastian Lütge von den MAD DOGS räumt dagegen ein: "Ich habe bei den 'Schnauze voll"-Gesängen mitgemacht. Aus einem verständlichen Grund: Wenn man für das Team, den Verein, alles in Kauf nehmen würde und dann in den vergangenen Spielen so im Stich gelassen wird, dann wird der Unmut größer. Tausende von Kilometern im Jahr, Schnee in Burghausen, Stau in Lübeck - es gibt Fans, die immer dabei sind, und für diese tut es mir leid, dass sie so viel durchmachen müssen. Keiner hat damit gerechnet, dass es in diesem Jahr leichter wird, doch ohne Kampf ist die Klasse nicht zu halten." Lütges Motto: "Auch bei schlechten Spielen - 101 Prozent pro Trier." Florian Schenk vom Fanclub DIE MOSELGÖTTER setzt sich kritisch mit der Lage der Eintracht auseinander. Die "Wir woll'n euch kämpfen sehen"-Gesänge am vergangenen Sonntag beim 0:3 gegen Oberhausen kann Schenk aber nicht verstehen. "Der Tiefpunkt war Osnabrück. Gegen Oberhausen war mehr Wille und Einsatz zu spüren." Dennoch müsse bald gehandelt werden. Schenks Vorschlag: Man solle Linz bis zur Winterpause Zeit geben, die als Ziel gesetzten 20 Punkte zu erreichen. "Schafft er das nicht, muss er gehen", fordert Schenk, der betont, dass Linz sehr viel für den Verein getan habe. Das "Linz'sche Modell" habe aber wohl ausgedient: "Irgendwann treten eben Abnutzungserscheinungen zwischen Mannschaft und Trainer auf." Christian Roth von den SÜDEIFEL-GLADIATOREN hält es bei den Fangesängen für entscheidend, dass man differenziert: "Schon in Osnabrück gab es die ersten 'Schnauze voll'-Rufe, es kam daraufhin zu kleineren Handgreiflichkeiten innerhalb der 80 mitgereisten Fans - weil es viele und vor allem mich unglaublich traurig stimmt, so etwas zu hören." Wichtig ist für Roth, wer singt: "Wenn Modefans, Fußballtouristen oder Berufsnörgler, die sich je nach Lust und Laune ein Spiel anschauen, so etwas rufen, platzt mir die Hutschnur. Wenn Paul Linz dann an mir vorbeigeht und mich verhöhnt, dann frage ich mich, warum ich inmitten solcher Idioten stehe." WEITERE MEINUNGEN S. 19