Wenn Maulwürfe trösten müssen

Wenn Maulwürfe trösten müssen

TRIER. Wer nur vier Tore in einer Halbzeit erzielt, kann nicht gewinnen: Die Trierer "Miezen" unterlagen 17:25 (4:13) gegen Borussia Dortmund, bleiben aber aufgrund der gleichzeitigen Patzer der Konkurrenz weiter Tabellenführer.

Es wardie Zeit des Tröstens: Dortmunds Trainer Thomas Happe nahm einige"Miezen" in den Arm, Svetlana Minewskaja kümmerte sich um die amBoden zerstörte Marielle Bohm, und drei als Maulwürfe verkleidetejunge Damen trösteten den Rest der Mannschaft. Die von der KölnerBand "Brings" intonierte "Superjeile Zick" (Supergeile Zeit)hatten nur die Gäste-Spielerinnen, die wild durch die Halletanzten, während bei allen Trierer Beteiligten die Gesichterimmer länger wurden. Dass die Fastnachtsfete auf dem Wolfsbergnicht unter den richtigen Vorzeichen beginnen konnte, das hattensich die Triererinnen selbst zuzuschreiben - was sie in derersten Halbzeit boten, war ein einziges Debakel. Kaum ein Pass kam an, beste Chancen wurden ausgelassen, die bärenstarke Dortmunder Deckung stand wie eine Eins, während Trier vor allem BVB-Nationalspielerin Michaela Seiffert nie in den Griff bekam. Die Zahlen sagen alles: 17 Mal warf Trier vor der Pause aufs Tor, erzielte dabei gerade einmal zwei Treffer aus dem Feld heraus, hinzu kamen zwei verwandelte Siebenmeter von Svetlana Minewskaja, die daneben aber drei Mal per Strafwurf scheiterte - von den technischen Fehlern und Ballverlusten ganz zu schweigen. Die Mannschaft war, wie Trainer Dago Leukefeld später sagte, "überhaupt nicht auf dem Feld". 4:13 stand es zur Pause, es wäre noch deutlicher gewesen, hätte nicht Alexandra Gräfer noch einige Bälle abgewehrt. Die "Miezen" waren völlig von der Rolle. Dabei hätten sie es in der Hand gehabt, einen wichtige Schritt in Richtung Meisterschaft zu machen. Schon vor dem Anpfiff brandete Riesenjubel auf dem Wolfsberg auf, als bekannt wurde, dass sowohl Buxtehude, als auch Leipzig und Lützellinden verloren hatten. Vielleicht verkrampften sie angesichts dieser Resultate zu sehr. Svetlana Mozgowaia, die wie Elena Verechtchako verletzt fehlte, hat ihre eigene Interpretation: "Der Handball-Gott hat sich gedacht, dass wir auch verlieren müssen, so einfach darf Trier nicht Meister werden." Gerade das Fehlen von Mozgowaia machte sich enorm bemerkbar, keine Spielerin übernahm vor der Pause Verantwortung.

Dass die "Miezen" sich aber in der zweiten Hälfte ins Zeug legten, spricht für ihre Moral. Angepeitscht von den Fans, die nach dem Abpfiff und der Leverkusener Niederlage zumindest noch einmal jubeln durften, starteten sie ihre Aufholjagd, wohl wissend, dass nur noch ein Wunder ihnen einen Punkt oder noch mehr bescheren könnte. Doch der Faktor Zeit sprach gegen Trier. Die MJC kam zwar näher, doch beim Abstand von fünf Toren (17:22) war Schluss. "Ich werde jetzt nicht rumtoben, das ist nicht meine Art", sagte Leukefeld. Dortmunds Trainer Happe brachte es auch auf den Punkt: "Der Titelkampf ist noch nicht entschieden. Ich glaube weiter, dass Trier Meister wird." Seltsam mutet indes die noch nicht vollzogene Vertragsverlängerung mit Leukefeld an. Trainer und Vorstand betonen, dass "noch nichts entschieden" sei.

DJK/MJC Trier: Gräfer (bis 31.), Vogt (ab 31.) - Reckenthäler (4), Minewskaja (3/2), Gläsener (2), Scholl, Bohm (3), Meier (1), Baumbach (3), Althaus (1)Dortmund: Kudrucova - Brandt (5), Pusic (5), Daniela Held (1), Erler (3), Härdter (1), Ilka Held, Grunow (2), Seifert (8/1), TeschSchiedsrichter: Caris/Foerster (Viersen), Zuschauer: 750, Beste Spielerinnen: Reckenthäler/Seifert, Brandt