1. Meinung

Ein Winzerpaar auf Abwegen

Ein Winzerpaar auf Abwegen

Manchmal wundere ich mich, wer mich alles über neue Trends in der Weinwirtschaft, über Rebensäfte und über Veranstaltungen rund um den Wein informiert. Aber es ist wohl so: Wenn die E-Mail-Adresse einmal auftaucht und die Funktion ihres Nutzers bekannt ist, kommen die Mails mit schöner Regelmäßigkeit.

So gut wie jede Nachricht hat einen positiven Inhalt.

Letzte Woche kam allerdings eine Mail, die manche Leute lieber nicht lesen wollen. Und die sagen einem dann auch, dass solche Meldungen nicht in die Zeitung gehören, weil sie ein schlechtes Licht auf die Szene werfen und weil es sich sicher um einen Einzelfall handelt.

Doch das muss die Szene aushalten, auch das ist das Leben: Das Landgericht in Bad Kreuznach hat ein Winzerpaar aus Rheinhessen wegen Urkundenfälschung zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren beziehungsweise zehn Monaten verurteilt. Die beiden hatten gestanden, Wein unter falschen Angaben nach Russland ausgeführt zu haben. Sie hatten Reinheits- und Analysezertifikate gefälscht und auch Papiere für Weingüter erstellt, die es gar nicht gab.
Außerdem hatten sie falsche Rebsorten angegeben und beispielsweise Rebensaft ohne amtliche Prüfnummer als Qualitätswein deklariert.

Geschockt hat mich aber vor allem die finanzielle Dimension. Laut Gericht hat das Paar Wein im Wert von mehr als zehn Millionen Euro nach Russland geliefert. Da kann man nur von hoher krimineller Energie sprechen. Der Mann darf übrigens fünf Jahre seinen Beruf nicht ausüben. Hoffentlich hält er sich dran!