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Keine Angst vor hohen Zinsen

Keine Angst vor hohen Zinsen

Die Zinsnormalität kehrt zurück. Noch vor zwölf Jahren hat Deutschland für lang laufende Bundesanleihen mehr als fünf Prozent Rendite gezahlt. 1981 waren es in der Spitze sogar deutlich mehr als zehn Prozent.

Zu dieser Zeit sprach kein Politiker davon, dass die Bundesrepublik vor dem Zusammenbruch stehe. Vielmehr dienten die hohen Zinsen dazu, Inflationsraten von mehr als sechs Prozent auszugleichen.

Heute jammern Politiker vor allem in südeuropäischen Staaten der Euro-Zone, weil sie wie Spanien sieben Prozent Zinsen für eine zehnjährige Staatsanleihe zahlen müssen. Italiens Regierungschef Mario Monti sieht sein Land deswegen am Rande des Bankrotts. Gerade als Ökonom müsste er aber wissen, dass wir durch die Einführung des Euro in eine Ausnahmesituation geraten sind. Seit einiger Zeit liegt die Rendite von Staatsanleihen nicht nur in Deutschland deutlich unter der Inflationsrate. Noch nie konnten sich die Finanzminister der Euro-Zone so günstig Geld leihen wie in den vergangenen zehn Jahren.

Diese Ausnahmephase hätten die Länder nutzen können, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, etwa in Bildung zu investieren oder in zukunftsfähige Wirtschaftszweige. Getan haben die meisten Staaten aber wenig, stattdessen wurde das Geld in den Konsum gesteckt, wurden Milliarden in jetzt kollabierte Immobilienmärkte gepumpt oder Beamtenapparate aufgebläht.

Jetzt wird es Zeit, dass die Euro-Zone wieder zur Normalität zurückkehrt. Die Zinsen für Staatsanleihen müssen wieder den Risiken entsprechen. Übrigens: Selbst mit einer Rendite von sieben Prozent sind lang laufende spanische Anleihen noch deutlich günstiger für den Staat als 1995. t.zeller@volksfreund.de