Katholische Kirche

Zum Artikel "Erst Missbrauch, dann Vertuschung: Vorwürfe halten Pfarreien in Atem" (TV vom 6. Dezember) diese Meinung:

"Einer muss sich Mühe geben - der Leser oder der Redakteur. Der Leser will aber nicht." Das hat Wolf Schneider, der wohl bekannteste Ausbilder von Journalisten in Deutschland und Autor des Standardwerks "Die Überschrift", in seinen Seminaren immer wieder betont. Und zur Überschrift journalistischer Texte sagt er: "Sie ist die freundliche Botschaft: ‚Hier teile ich dir mal mit, was du lesen könntest.\'" Der Volksfreund teilt dem Leser mit, dass er in der Folge erfahren wird, dass es erst Missbrauch und dann Vertuschung gegeben hat und dass dies Pfarreien in Atem hält. Der Artikel von Katja Bernardy hält dann aber nicht, was er dem Leser in der Überschrift verspricht: Schon im Vorspann ist nur noch von "Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfen" die Rede, im weiteren Verlauf wird von "Beschuldigungen" und "Verdachtsfällen" gesprochen. Die "Vertuschung" entpuppt sich als Vorwurf und Zitat zweier Personen. Die Überschrift des Artikels bedient alle Klischees, die der katholischen Kirche gerade in den letzten beiden Jahren immer wieder übergestülpt wurden. Sicher gab es Fälle sexualisierter Gewalt durch Priester, und es gab in der Vergangenheit Vertuschung. Doch wie sieht das im Blick auf die Auseinandersetzungen im Umfeld des Kirchbauvereins St. Martin in Köllerbach aus? Der mutmaßliche Fall sexualisierter Gewalt, den der im Artikel genannte Pfarrer Ittmann zur Anzeige gebracht hat, ist komplex. Es kann weder - und das hat Offizial Dr. Holkenbrink auf der Pressekonferenz deutlich gemacht - mit letzter Klarheit festgestellt werden, ob es sich in diesem Fall überhaupt um sexualisierte Gewalt gehandelt hat noch ob die betroffene Person minderjährig oder erwachsen war. Und wie sieht es mit der "Vertuschung" aus, von der Frau Bernardy in der Überschrift (ohne Zitatzeichen oder Fragezeichen) spricht? Der Artikel liefert nicht einen einzigen Beleg für diesen massiven Vorwurf, nennt kein einziges Faktum, das den Begriff rechtfertigen würde. Und das, was der Offizial dazu gesagt hat und was er auch belegt hat, nämlich, dass es keine Vertuschung durch die Bistumsleitung und auch nicht durch den im Artikel genannten Pfarrer Leist gegeben hat, ignoriert Frau Bernardy einfach. Sie hat sich, um noch einmal Wolf Schneider zu zitieren, im besten Fall "keine Mühe gegeben", hat journalistisch schlecht gearbeitet und rennt Klischees hinterher, die auch dadurch nicht richtiger werden, dass man sie ständig wiederholt. Dr. Stephan Kronenburg, Pressesprecher des Bistums Trier