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Lockerungen Rheinland-Pfalz Dreyer Schulen Lüftungsgeräte Delta-Variante

Coronavirus : AHA und GGG sollen für einen schönen Sommer sorgen

Warum sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und ihre Corona-Experten trotz der Delta-Variante zuversichtlich zeigen für die nächsten Wochen.

Zuversicht. Das ist es, was Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den Rheinland-Pfälzern mit den am Dienstag in Mainz verkündeten Lockerungen vermitteln will. Den Menschen stünde „ein schöner Sommer“ bevor. Die voranschreitenden Corona-Impfungen führten zu sinkenden Inzidenzen, mehr Freiheiten und zu einem sicheren Urlaub, sagte die Triererin. Zwar müsse man im Hinblick auf die sich ausbreitende Delta-Varian­te des Corona-Virus achtsam sein, aber die Menschen wüssten heute, im Jahr zwei nach Beginn der Pandemie, viel besser, wie sie sich schützen könnten. Die eingeübte AHA-Regel schütze auch vor der Infektion mit der als ansteckender geltenden Mutation des Virus. Zu AHA komme in diesem Sommer noch die Drei-G-Regel hinzu. GGG steht für geimpft, genesen oder getestet. Vor allem dort, wo viele Menschen zusammenkämen, spiele diese Regel eine wichtige Rolle, sagte Dreyer.

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) warb daher erneut für die Corona-Impfungen. „Vollständig Geimpfte brauchen keinen Test“, sagte er. Bislang seien 1,4 Millionen Rheinland-Pfälzer komplett geimpft. Bis August, so rechnet Hoch, habe man allen Impfwilligen ein Angebot gemacht. Er könne sich durchaus vorstellen, dass der Besuch von Diskotheken, die ab Freitag auch wieder öffnen dürfen, künftig nur noch für Geimpfte möglich sein wird.

Die Absicht, die Hoch damit verbindet, ist klar: Es soll mehr Anreize geben fürs Impfen. Die Impfskeptiker sollen überzeugt werden, sich doch noch die Spritze zu setzen zu lassen. Nur wer vollständig geimpft sei, habe einen ausreichend hohen Schutz vor der Delta-Variante, sagte der Mainzer Virologe Bodo Plachter, der die Landesregierung bei der Einschätzung der Corona-Lage berät. Das bedeute nicht, dass Geimpfte sich gar nicht mehr infizieren könnten. Aber die Gefahr, dass sie schwer erkrankten, sei gering, so der Mediziner.

Er riet im Hinblick auf die Mutation zur Besonnenheit. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass diese vermehrt zu schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten führe. Auch bei Kindern führe die Delta-Variante nicht zu schweren Erkrankungen, so Plachter, der sich damit gegen die immer lauter werdenden Forderungen stellt, möglichst alle Schüler ab 12 Jahren – entgegen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission – zu impfen, um so zu verhindern, dass es im Herbst, bei steigenden Infektionszahlen, zu größeren Ausbrüchen in Schulen und damit möglicherweise wieder zu Schulschließungen kommt. „Wenn der Rest der Bevölkerung geschützt ist, können wir die Situation in der Schule entspannt sehen“, sagte Plachter. Von den Kindern gehe auch keine Gefahr für andere aus, wenn Eltern, Erzieher und Erzieherinnen sowie Lehrer und Lehrerinnen geimpft „und damit vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind“.

Trotzdem steht weiter im Raum, wie der Schulbetrieb im Herbst und Winter sicherer gemacht werden kann. Dreyer versicherte, dass oberstes Ziel der Landesregierung sei, erneute Schulschließungen zu verhindern. Es sei aber derzeit noch zu früh, um über die Lage nach den Sommerferien (Stichwort: Reiserückkehrer) und im Herbst zu spekulieren. Eine klare Absage erteilte der Hygieniker der Unimedizin in Mainz, Wolfgang Kohnen, der Installation von Lüftungsgeräten in allen Klassenräumen. Diese würden im Sinne des Infektionsschutzes wenig bringen, da sie die Luft nicht erneuerten.

Der beste Schutz in Innenräumen und damit auch in den Klassenräumen sei frische Luft, sagte Kohnen. Er stellte sich damit auf die Seite der Bildungsministerin, die von Beginn der Pandemie an, gegen Raumlüfter in allen Klassenräumen ist.

„Natürlich ist frische Luft das Beste. Es ist aber dauerhaft vollkommen unzumutbar, unsere Kinder im Winter bei Minustemperaturen
in den Klassenzimmmern Dauerlüften mit Daunenjacke auszusetzen“, sagte CDU-Fraktionschef Christian Baldauf. Er fordert, dass das Land mehr Geld für die Anschaffung von Lüftungsgeräten zur Verfügung stellt. „Nur ein Konzept für gesunde Luft, das aus einer Kombination von Lüften und Luftreinigungsgeräten besteht, wird den tatsächlichen
Anforderungen gerecht“, so Baldauf.

Dreyer betonte, dass mit den ab Freitag in Kraft tretenden Lockerungen vor allem den Kindern und Jugendlichen wieder mehr Freiheiten zurückgegeben werden sollen. „Sie haben in der Pandemie eine große Last für die gesamte Gesellschaft getragen. Sie haben verzichtet und Disziplin geübt, um diejenigen zu schützen, die besonders gefährdet sind.“

Deswegen sei es gut, dass wieder mehr möglich sei. Etwa bei privaten Treffen, im Sport, und auch in Clubs und Diskotheken.