Der Ausbau geht voran

Berlin. Immer mehr Kleinkinder erhalten eine Tagesbetreuung, das entsprechende Angebot hat sich deutlich verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Bericht der schwarz-roten Bundesregierung über den "Stand des Ausbaus für ein bedarfsgerechtes Angebot an Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren".

2005 hatten im Bundesschnitt bereits knapp 14 Prozent der unter Dreijährigen, also jedes siebte Kind, die Möglichkeit, bei Tagesmüttern oder in Kindertagesstätten betreut zu werden. Im Vergleich zu 2002, als nur jedes zehnte Kind betreut werden konnte, ist damit das Angebot um immerhin 25 Prozent gestiegen. Das geht aus dem Bericht hervor, den Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestern auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte. "Es tut sich endlich etwas beim Ausbau der Kinderbetreuung. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte die Ministerin. Viele Kommunen hätten jedoch verstanden, dass Kinderbetreuung ein wichtiger Standortfaktor sei. Zuvor war der Bericht im Bundeskabinett beschlossen worden. Künftig soll er jährlich vorgelegt werden. Von der Leyen führt die insgesamt positive Entwicklung vor allem auf das so genannte Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) zurück, das noch von der rot-grünen Koalition im Zusammenhang mit der Hartz-Reform zum 1. Januar 2005 in Kraft gesetzt worden war. Die Kommunen sind gehalten, mindestens für diejenigen Kinder im Alter unter drei Jahren ein Betreuungsangebot vorzuhalten, "deren Wohl nicht gesichert ist oder deren Eltern erwerbstätig sind, eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder sich in einer beruflichen Bildungsmaßnahme befinden". Dafür stellt der Bund den Kommunen pro Jahr 1,5 Milliarden Euro aus Hartz-IV-Einsparungen zur Verfügung. "Das Ziel, bis 2010 rund 230 000 neue Plätze zu schaffen, scheint erreichbar", sagte die Familienministerin gestern. Die vorliegenden Zahlen, die auf einer repräsentativen Befragung von 120 der bundesweit insgesamt 600 Jugendämter basieren, zeigten aber auch, dass noch ein langer Weg zurückgelegt werden müsse. 90 Prozent der Kommunen wollen dem Bericht zufolge mehr Plätze bei Tagesmüttern schaffen. Ein Drittel investiert vorrangig in die klassische Krippenbetreuung, zwei Drittel nehmen Kleinkinder vor allem in altersgemischten Gruppen auf. Von der Leyen kündigte gestern an, sie wolle noch in diesem Jahr mindestens zehn Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds für die Qualifizierung von Tagesmüttern bereitstellen. Im Herbst soll zudem Kommunen und Ländern die Internet-Software für eine "Kinderbetreuungsbörse" vorgestellt werden. Eltern können sich dann über jede Form der Kinderbetreuung online informieren.

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