Faszination und Ekel

"Blöder Florida-Rolf, blöder", murmelt Susan Stahnke verbittert. Neben ihr auf dem Arbeitsamts-Flur klimpert Costa Cordalis auf seiner Gitarre, ausnahmsweise mal nicht fröhlich. Ja, seit dem Florida-Rolf-Spektakel mit anschließender Gesetzes-Änderung weht der Wind kälter.

Denn Arbeitslosengeld und Sozialhilfe gibt‘s nur noch in der Heimat, Überweisungen ins sonnige Ausland sind passé. Armer Costa, arme Susan. Denn auch wenn der Selbstbräuner aus der Tube die Haut dunkler macht, die Stimmung hellt er nicht auf. Und die anderen, die ebenfalls zur Gruppenstunde "B-Promis auf Job-Suche" ins Amt gekommen sind, könnten auch ein paar aufmunternde Sonnenstrahlen gebrauchen, um die trüben Gedanken ans Promi-Abseits zu vertreiben. Da kommt der Vorschlag vom Arbeitsvermittler genau richtig: RTL besetzt die Überlebens-Show "Ich war ein Star, holt mich hier raus." "Das ‚war‘ ist doof", entrüstet sich Carlo Tränhardt beleidigt. Und Lisa Fitz und Daniel Küblböck finden "Ich bin ein Star" auch irgendwie viel besser - im Fernsehen wird ja schließlich gern gelogen. Die Hoffnungen von Werner-Wendehals-Böhm und Dustin Semmelrogge auf eine Zuzahlungs-freie Entziehungskur zerschlagen sich zwar schnell - denn RTL will in weiser Voraussicht auch im Dschungel Alkohol ausschenken -, dabei sind sie natürlich trotzdem. Auch diese Mut-Probe kann sie nicht schocken, sieht man ihnen doch an, dass sie schon so manches mitgemacht haben. Und während Caroline Beil die Show nutzen will, um als Deutschlands Läster-Queen Nummer Eins groß raus zu kommen, plant Costa, der sein Schlager-Fuzzi-Image satt hat, lebenden Tieren publikumswirksam den Kopf abzubeißen. Denn Ekel fasziniert - selbst wenn einem dabei übel wird. c.wolff@volksfreund.de

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