Hilfloses Geschwätz

Was ist nur in die Politiker gefahren? Offenbar verlieren sie im Chaos der Berliner Koalition immer mehr den Überblick und die Bodenhaftung. Sie tun so, als lebten die Deutschen in Saus und Braus und würden ihr Geld mit beiden Händen aus dem Fenster werfen.

Erst fordert Finanzminister Steinbrück, die Deutschen sollen doch bitte schön auf den Urlaub verzichten. Und das in Zeiten, in denen eine Reise für immer mehr zum Luxus wird. Dann fühlt sich auch noch Ex-Arbeitsminister Riester zu einem überflüssigen Spar-Appell berufen. Die Deutschen sollten zu Gunsten der Altersvorsorge auf ein Auto verzichten. Und nun auch noch CSU-General Söder: Arbeitslosen sollte der Urlaub gestrichen werden. Wie hilflos muss die große Koalition sein, dass den Spitzenpolitikern nichts anderes mehr als ein derart unsinniges Geschwätz einfällt? Mal abgesehen, dass Arbeitslose gar keinen rechtlichen Anspruch auf Urlaub haben, und es folglich auch gar nichts zu streichen gibt, zeigt Söders abstruse Idee, dass die Arbeitsmarktpolitik gescheitert ist. Es geht nur noch darum, den Druck zu erhöhen, nur noch zu fordern statt zu fördern. Vielleicht sollten die Spitzenpolitiker mal - statt wochenlangen Urlaub zu machen - ein paar Tage bei ihren Wählern verbringen, um zu wissen, wo die wirklichen Probleme des Landes liegen. b.wientjes@volksfreund.de