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So schön war die Theatersaison

So schön war die Theatersaison

Eine besondere Theatersaison geht zu Ende. Besonders, weil sie ungewöhnliche Höhen und Tiefen hatte. Höhen wie die sensationell erfolgreiche West Side Story in der Bobinet-Halle, das permanent ausverkaufte Schauspiel "Maria Stuart" oder die künstlerisch her ausragende Oper "Peter Grimes". Tiefen wie die halbleeren Ränge in vielen Musiktheater-Aufführungen, der Publikums-Flop bei der Studio-Produktion "Der kalte Kuss von warmem Bier", die städtischen Zuschusskürzungen im laufenden Betrieb.

Der Start hätte nicht furioser sein können. Dabei war die Idee aus blanker Not entstanden: Im Theater gab es in der Sommerpause größere Umbauarbeiten, und auf der Suche nach einer Ersatz-Location kamen das Theater und die Projektentwickler der EGP auf den gleichen Ort: die alte Bobinet-Fabrik in Trier-West. Die EGP wollte einen kräftigen Startschuss für ihr Bauvorhaben, das Theater bekam eine wilde Spielfläche und eine ordentliche Werbekampagne. Am Ende strömten 17 000 Besucher in Sven Grützmachers alles andere als brave Inszenierung. Dafür dümpelte der originelle "Barbier von Sevilla" im großen Haus zuschauermäßig vor sich hin. Und selbst eine bejubelte "Bohème" und ein hochgelobter "Don Giovanni" schafften es nicht immer, das Theater richtig zu füllen.
Anfangs sehr schwer hatte es auch die Fischer-Oper "Peter Grimes" des Briten Benjamin Britten. Doch vorzügliche Sänger, eine starke Inszenierung und eine Glanzleistung des Orchesters sprachen sich irgendwann doch herum. Beim Musical "The King and I", zuvor in Kaiserslautern ein Publikumserfolg, blieb dieser Effekt aus.
Gut gefüllt war das Haus bei "Keinohrhasen", "Die Physiker" oder dem Königinnen-Drama "Maria Stuart", das die beiden großen Damen des Hauses vereinte: Barbara Ullmann und Sabine Brandauer. Beide auch sonst Anwärterinnen auf Fleißkärtchen aufgrund massenhafter Präsenz und kontinuierlicher Qualität- so wie ihre Sänger-Kollegin Joana Caspar, die gleich in drei Produktionen Hauptrollen übernahm. Vom unermüdlichen Michael Ophelders samt seinen Solo-Ausflügen nicht zu reden.
Viele Mitglieder des Trierer Ensembles machten auf sich aufmerksam, aber auch einige Gäste. Gianluca Zampieri als stimmgewaltiger Peter Grimes an der Seite von Susanne Schimmack. Amadeu Tasca als Don Giovanni. Nadine Eisenhard als "My Fair Lady", die erstmals seit Jahren bewies, dass Wiederaufnahmen im großen Haus in Trier nicht zwangsläufig beim Publikum durchfallen müssen.
Das Tanztheater tat sich schwer mit der modernen Version von Tschaikowskys "Dornröschen", wo der Choreograph kurz vor der Premiere kapitulierte. Dafür durfte das Ensemble sein "Chagall"-Ballett sogar in Triers chinesischer Partnerstadt Xiamen vorstellen.
Pünktlich zum Saisonfinale steht auch wieder die Wahl für den Preisträger der "Trierer Theatermaske" 2012 an. Bis zum 23. Juli können alle Theaterbesucher ihre Nominierung einreichen - gefragt sind der Name des nominierten Künstlers und eine kurze Begründung oder der Name der erfolgreichen Produktion.
Es spielt keine Rolle, ob jemand Gast oder Ensemble-Mitglied ist. Nominiert werden können nicht nur die Akteure auf der Bühne, sondern auch Regisseure, Bühnenbildner oder Dirigenten.
Stimmkarten gibt es im Theater sowie an vielen Stellen in der Stadt. Es reicht aber auch eine normale Postkarte an die Gesellschaft der Theaterfreunde, Hiltrud Zock, Agenturhaus, An der Meerkatz 3, 54290 Trier. Auch per Mail können Vorschläge eingereicht werden an theatergesellschaft-trier@agenturhaus.de. Der Zuschauer-Favorit kommt auf jeden Fall in die Endauswahl, aus der eine Jury am Ende den Preisträger nominiert.