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Umfrage des Vatikans: 1000 Seiten Lektüre für den Papst

Umfrage des Vatikans: 1000 Seiten Lektüre für den Papst

Alle 27 deutschen Bistümer sowie circa 20 Verbände und Institutionen haben Stellung zu der Fragebogenaktion bezogen, die der Vatikan weltweit an die Gläubigen richtet. Laut Daniela Elpers, Pressereferentin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), werden zurzeit rund 1000 Seiten Papier "behandelt". Die Resonanz auf die Meinungsumfrage zum Thema Familie ist unterschiedlich.

Trier. In Deutschland ist die vatikanische Fragebogenaktion fast abgeschlossen: "Im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz sind die Stellungnahmen von 27 Diözesen und circa 20 Verbänden und Institutionen eingegangen", sagte DBK-Pressereferentin Daniela Elpers auf TV-Anfrage. Derzeit würden rund 1000 Seiten Papier "behandelt".Debatte im Ständigen Rat


Das Ergebnis wird Elpers zufolge eine Gesamtstellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz sein, die Ende Januar im Ständigen Rat besprochen wird. Die Frage, ob die für Papst Franziskus bestimmte Zusammenfassung veröffentlicht wird, ließ die Pressereferentin offen. Auch wie viele Fragebögen deutschlandweit ausgefüllt wurden, stand am Wochenende nicht fest.
Wie denken Katholiken über Familie, und wie leben sie? Darauf möchte Papst Franziskus Antworten haben, die zur Vorbereitung auf die Sonderbischofskonferenz zum Thema Familie im Oktober dienen sollen. Deshalb hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche eine weltweite Meinungsumfrage unter Gläubigen veranlasst.
Im Bistum Trier hatten von annähernd 1,4 Millionen Katholiken 208 Gläubige an der Umfrage teilgenommen (der TV berichtete). 6000 Mal war der Vatikan-Fragebogen im Internet aufgerufen worden. "Da der Rücklauf der Fragebogenaktion keinerlei statistische Aussagekraft hat, nimmt das Bistum Trier keine weitergehende Bewertung der Ergebnisse vor", sagte Bistumssprecher André Uzulis auf Anfrage unserer Zeitung. Eine Aussage darüber, warum nur wenige Gläubige den Fragebogen ausgefüllt haben, wäre reine Spekulation.Keine zusätzlichen Kosten


"Die rund 6000 Aufrufe sind aus unserer Sicht erfreulich und zeugen davon, dass viele Gläubige sich für die Initiative interessiert haben", sagte Uzulis. Gekostet habe die Fragebogenaktion das Bistum nichts, sie sei im Regelgeschäft der beteiligten Abteilungen bearbeitet worden. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart (an die 1,9 Millionen Katholiken) waren circa 1400 Einsendungen ausgewertet worden. "Die meisten Katholiken wünschen sich dort eine lebensnähere, barmherzigere und in schwierigen Situationen hilfreichere Kirche", heißt es in der Auswertung dazu.
In Triers Nachbarbistum Mainz (etwa 750 000 Katholiken) gingen laut dessen Homepage 900 Rückmeldungen ein.
Den vom Bund der deutschen katholischen Jugend (DBJK) speziell für Jugendliche aufbereitete vatikanische Fragebogen hatten knapp 10 000 Menschen ausgefüllt. Das teilte der DBJK mit. Aus den bisher veröffentlichten Umfrageergebnissen in Deutschland lässt sich ein Trend ablesen: Es gibt eine Kluft zwischen Kirchenlehre und Lebenswirklichkeit.Extra

Ausgehend vom Wunsch des Papstes, Informationen dar-über zu sammeln, wie Katholiken auf der ganzen Welt über Familie denken und wie sie leben, hatte auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann im November die 1,4 Millionen Gläubigen im Bistum Trier gebeten, den Vatikanbogen auszufüllen. 208 Rückmeldungen verzeichnet das Bistum Trier. "Mehr als die Hälfte der Antwortenden empfinden eine Diskrepanz zwischen der Lebenswirklichkeit von Paaren und der Lehre der Kirche zu den vielfältigen Formen des Zusammenlebens", heißt es in einer Pressemitteilung des Bistums vom Donnerstag voriger Woche. Die meisten Umfrageteilnehmer schätzten das Zusammenleben von Paaren vor der Ehe als Regelfall ein. Besonders unter jungen Christen gelte das Zusammenleben ohne Trauschein quasi als normal. Als diskriminierend empfinden laut Bistum Trier viele den im Fragebogen verwendeten Begriff "irreguläre Situation" für geschiedene Wiederverheiratete. 50-mal hieß es demnach, Wiederverheiratete empfänden sich als zur Kirche zugehörig; 36-mal, sie empfingen trotz Verbots die Sakramente; 18-mal, sie erlebten ihre Situation nicht als "irregulär". Diejenigen Betroffenen, die sich der Umfrage zufolge zur Kirche zugehörig fühlen, wünschen sich eine offizielle Zulassung zu den Sakramenten. Sie erleben die gegenwärtige Situation als sehr belastend. Laut Bistum ist das Ergebnis - 208 Rückmeldungen unter 1,45 Millionen Katholiken - nicht repräsentativ. dpa