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Trier
Tag der Entscheidung: Trier reist heute zu Spiel fünf

So sieht Playoff-Jubel aus: Gladiators-Geschäftsführer Achim Schmitz (links) und Trainer Marco van den Berg.
So sieht Playoff-Jubel aus: Gladiators-Geschäftsführer Achim Schmitz (links) und Trainer Marco van den Berg. FOTO: Willy Speicher
Trier. Basketball: Schmitz fit, Liga äußert sich zu Protest.

Stille. Schweigen. Nichts. Es dauert ewige Sekunden, bis Branislav Ignjatovic doch etwas sagt, bis er den Kopf ein wenig anhebt, in die Menge vor ihm schaut. Montagabend gegen 22.15 Uhr, Pressekonferenz nach dem vierten Playoff-Viertelfinal-Duell zwischen den Römerstrom Gladiators Trier und den MLP Academics Heidelberg. Die Partie ist vor wenigen Minuten zu Ende gegangen. Ein Wahnsinns-Spiel, mit einem Wahnsinns-Finale und einem Wahnsinns-Ergebnis – 89:88 (44:48), Trier erzwingt damit das alles entscheidende Spiel fünf heute Abend in Heidelberg (19.30 Uhr/www.airtango.live). Dabei sehen die Gäste bis Mitte des letzten Viertels wie der absolut sichere Sieger aus. Spielen es clever und eiskalt, führen mit zehn Punkten. Shy Ely, Jaleen Smith und Evan McGaughey sind von den Gladiatoren nur selten zu stoppen. Offensiv zeigen die Herren aus der Neckarstadt feinsten ProA-Basketball.

Doch gerade als die ersten Zuschauer sich bereits auf den Weg in Richtung Ausgang machen, beginnt Trier damit, das nächste Kapitel aus der beliebten Reihe „Spiele drehen in den Schlussminuten“ zu schreiben. Angeführt von ihren Stärksten Simon Schmitz, Jermaine Bucknor und Justin Alston kämpfen sich die Gladiatoren in den letzten drei Minuten zurück ins Spiel. Heidelberg schaut zu, wie das Team von Trainer Marco van den Berg Stück für Stück herankommt und Simon Schmitz schließlich 5,5 Sekunden die entscheidenden beiden Freiwürfe trifft und Heimsieg somit perfekt macht. Nach der Schlusssirene rasten die 2957 Zuschauer in der Arena aus.

Geschockt sitzt Heidelbergs Trainer nach der Partie vorne am Pult im Pressekonferenz-Raum. Als Gladiators-Pressesprecher Vincenzo Sarnelli ihn um ein Statement zum Spiel bittet, starrt der Serbe erst mal nur auf sein Handy, kriegt kein Wort heraus. Nach Sekunden dann: „Es gehört zu unserem Job, auch solche Spiele zu verlieren. Aber obwohl ich schon ordentlich Erfahrung habe, muss ich zugeben: Auf diese Weise habe ich noch keine Partie verloren.“ Eigentlich, so gesteht er, könne er seinem Team nicht viel vorwerfen. „Wir haben es gegen Trier richtig gut gemacht, nur in den letzten drei, vier Minuten haben wir unseren Plan nicht mehr verfolgt. Vielleicht ist das mit Müdigkeit und Energieverlust zu erklären.“

Ganz anders ist die Gefühlslage bei Triers Coach Marco van den Berg. Nach Spielende herzt er Geschäftsführer Achim Schmitz ausgelassen. Van den Berg betont nach Spielende: „Ich bin sehr, sehr stolz auf unsere Mannschaft. Keiner hat den Kopf hängen gelassen. Obwohl Heidelberg unglaublich gut gespielt hat, besonders in der Offensive.“ Sein Team habe sehr lange warten müssen,  bis es diese Mini-Chance auf den Sieg bekommen habe, „aber als sie da war, haben wir sie genutzt“.

Tatsächlich kommt es nun heute Abend zum alles entscheidenden fünften Viertelfinal-Duell in Heidelberg. Wer das gewinnt, steht im Halbfinale und trifft dort auf die Crailsheim Merlins mit dem früheren Trierer Sebastian Herrera. Triers Trainer verspricht: „Jetzt wird’s sehr interessant in Heidelberg, das wollten wir. Wir sind vorbereitet.“

Gute Nachrichten gibt’s von Simon Schmitz. Der Kapitän musste am Montag in Halbzeit eins nach einem Zusammenprall mit einem Heidelberger Spieler auf dem Feld behandelt werden, hatte Nackenprobleme. Am Dienstag gibt er Entwarnung: „Alles okay, mein Einsatz in Spiel fünf geht klar.“

Dort wird eine packende und absolut ausgeglichene Serie – addiert man die Punkte beider Teams aus den vier Spielen steht’s 335:335 – dann ihren Sieger finden. Feststeht schon jetzt: die vier bisherigen Spiele waren beste Werbung für den Basketballsport.

Punkte Trier: Alston 22, Dranginis 2, Smit 4, Bucknor 24, Schmikale 5, Schmitz 19, Grün 7, Joos 4, Shoutvin 2 - Bester Schütze HD: Ely 24 - Viertelstände: 27:26/44:48/67:76/89:88 - ZS: 2957