Bedroht, beleidigt, beschuldigt

Justiz : Bedroht, beleidigt, beschuldigt

Jahrelang soll ein psychisch kranker Mann seine Nachbarn terrorisiert haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Der Luxemburger muss sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Bitburg verantworten.

Streitigkeiten zwischen Nachbarn landen oft vor dem Amtsgericht Bitburg. Doch einen Fall wie der, der am Dienstag in Saal 124 verhandelt wird, gehört sicher nicht zum Alltag der Eifeler Richter. Die Liste der Dinge, die einem psychisch kranken Mann aus Luxemburg vorgeworfen wird, ist lang. Er soll von Juni 2015 bis November 2017 verschiedene Personen beleidigt, bedroht und verletzt haben. Außerdem wird er beschuldigt, sich der Polizei widersetzt und ein Auto beschädigt zu haben.

Es sei kaum ein Tag vergangen, an dem der Mann nicht für Unruhe gesorgt habe. So fasst seine ehemalige Nachbarin Natalie Drauden zusammen, was sie erlebt hat, seit der Luxemburger in das Haus neben ihr zog. Unter anderem habe er seine Fäkalien auf die Straße geleitet, sei nachts hupend durch den Ort gefahren und habe die Mutter der Südeifelerin wüst beschimpft (der TV berichtete).

Im März beklagte sie sich in unserer Zeitung darüber, dass Verfahren gegen den Mann aus dem Großherzogtum immer wieder eingestellt wurden, niemand folglich etwas gegen den Mann unternehme.

Doch nun hat offenbar doch jemand etwas unternommen. Die Staatsanwaltschaft Trier erhob im Mai Anklage gegen den Luxemburger. Seit Ende des vergangenen Monats sitzt er in Untersuchungshaft. Denn laut Staatsanwaltschaft bestehe Fluchtgefahr. Kein Wunder: Nur unter lautem Protest habe sich der Luxemburger bei seiner Festnahme abführen lassen, erzählt Drauden von diesem „Spektakel“.

Sie ist nicht die einzige, die in den vergangenen Jahren Probleme mit dem Angeklagten hatte. So erzählten zwei Ortsbürgermeister aus der Südeifel unserem Reporter seinerzeit, dass der Luxemburger offenbar auch in ihren Gemeinden für Unruhe gesorgt hatte.

Ob er sich auch für diese Taten verantworten muss, lässt Claudia Stadler, Direktorin des Amtsgerichts Bitburg, offen. Detaillierte Informationen gibt sie aus Datenschutzgründen nicht an den TV heraus, da es sich bei dem psychisch Kranken „nicht um eine Person des öffentlichen Interesses handelt“ und er zudem „vermindert schuldfähig“ sei.

Oberstaatsanwalt Peter Fritzen sagt auf TV-Anfrage, dass es Dienstag ab 9.15 Uhr jedenfalls nicht um die Fäkalien auf der Straße gehe. In diesem einzigen anderen Verfahren, was derzeit gegen den Mann laufe, seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Es könnte aber sein, dass dem Luxemburger bald ein zweiter Prozess wegen dieser „umweltgefährdenden Abfallbeseitigung“ bevorsteht.

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