"Bikini-Französisch" ist zu wenig

"Bikini-Französisch" ist zu wenig

BITBURG. "Französich in unseren Kindergärten – und danach?" hieß das Thema der Diskussionsveranstaltung im Hotel Eifelbräu in Bitburg. Eingeladen hatte der Vorsitzende des Kreisverbandes Bitburg-Prüm der Europa-Union, Jürgen Backes.

"Bikini-Französisch?" Da war selbst Fachfrau Margret Meier von der Schulabteilung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier überfragt. Ein Diskussionsteilnehmer warf den erheiternden Ausdruck in die Runde und sorgte damit für Erheiterung. Doch hinter dem Begriff versteckt sich ein wichtiges Thema: "Unten etwas, in der Mitte nichts und oben wieder etwas". Genauso verhalte es sich mit dem Französisch-Unterrricht in den Schulen. Kinder hätten die Möglichkeit, im Kindergarten Französisch zu lernen. In der Grundschule werde zunächst aber nur Englisch angeboten und erst später wieder Französisch. Dass das die aktuelle Situation in der Region ist, konnte keiner der Podiumsteilnehmer widerlegen. "Ein Fehler im Bildungssystem", nannte Michael Billen, MdL und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses Bitburg-Prüm den jetzigen Zustand - nicht ohne die ADD zu ermahnen, den im Kindergarten begonnenen Französisch-Unterricht auch in der Grundschule fortzuführen. Aber das kostet Geld, und Fachkräfte stehen auch nicht genügend zur Verfügung. "Die Lehrer dürfen nur die Sprache unterrichten, die sie auch gelernt haben", sagte Margret Meier. Und das ist meistens Englisch. Dennoch habe der Kreis Bitburg-Prüm die meisten Kindergärten, in denen spielerisch Französisch gelernt werde, sagte Billen. Wie das geht, erklärte die muttersprachliche Fachkraft Marie Josée Thiriot, die im Kindergarten Wißmannsdorf, einem von 25 mit Französischangebot im Kreis, eingesetzt ist. Das Kindergartenalter sei ideal, um die Fremdsprache "mit allen Sinnen" zu erlernen, Lieder, Rollenspiele und viele andere Methoden vermitteln den Kleinen die fremde Sprache. "Es gibt keine Grenzen mehr in Europa, aber sprachliche Barrieren", sagte Thiriot. Dass Französisch im Hinblick auf die Nachbarländer für die Region auch von wirtschaftlicher Bedeutung ist, bestätigte Alexandra Lossjew von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Trier. In der Grenzregion müsse man sich der zentralen Bedeutung der Sprache bewusst sein. Frankreich sei der größte Handelspartner und "über 20 000 Arbeitnehmer pendeln täglich nach Luxemburg, wir verlieren so viel Geld, da der Markt in den angrenzenden Ländern nicht ausgenutzt wird". Mehrsprachigkeit in der Region sei sehr wichtig. Ein Staat müsse es ermöglichen, Kontinuität im Erlernen einer Sprache anzubieten. Französisch sei nach wie vor die zweite Weltsprache und die Amtssprache in der EU. Hier sei in der Tat die Bildungspolitik gefragt, ermahnte Lossjew. "Fremdsprachenkenntnisse zählen heute zu den Kernqualifikationen", legte Margret Meier dar. Das Erlernen einer Fremdsprache habe eine große Bedeutung für die Entwicklung der Kinder in mehrfacher Hinsicht: die Kommunikationskompetenz werde vermittelt, fremde Kulturen und Bräuche kennen und achten gelernt. Was die Grundschulen betrifft, legte die Regierungsschuldirektorin eine Statistik vor: 34 Grundschulen im Kreis Bitburg-Prüm bieten Fremdsprachenunterricht an, davon 17 Französisch und Englisch, 4 Schulen nur Französisch und 13 nur Englisch. 3189 Schüler in 154 Klassen und AGen lernen Englisch (70 Prozent) und 1369 Schüler (30 Prozent) Französisch, sagte Meier. "Wir sind erst ein paar Jahre dabei, aber wir sind auf dem Weg", stellte Margret Meier fest. "Wenn ein Kind mehrere Sprachen spricht, verhindert das Vieles in der Auseinandersetzung und bringt Frieden", betonte Billen. Fazit der Veranstaltung: Englisch ist nach wie vor die Weltsprache, Französisch in der Region von besonderer Bedeutung.