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Die Stadt wird ihre Schienen los

Die Stadt wird ihre Schienen los

Bitburg hat einen Interessenten für seine sechs Kilometer lange Bahnstrecke zwischen der Stadt und dem Kylltal gefunden. Der Netzbetreiber Amprion braucht die Gleise, die den Steuerzahler jährlich 70 000 Euro kosten, um bei Bedarf Trafos zum Umspannwerk nach Niederstedem zu transportieren.

Bitburg. Viele Jahre lang haben sie nahezu nutzlos vor sich hingerostet und dabei Steuergeld gekostet. Etwa 70 000 Euro hat die Stadt Bitburg seit 2002 jährlich in die Unterhaltung der Schienen gesteckt, die Bitburg mit dem Kylltal verbinden. Für vielleicht fünf Zugbewegungen im Jahr. Und für die Hoffnung, dass aus Frank Lamparskis Vision von einem Bit-Airport Wahrheit wird und mit dem alten Flugplatz auch die alten Gleise eine neue Bedeutung bekommen. Bis 2015 wollte der luxemburgische Projektentwickler die Strecke so ausgebaut haben, dass asiatische Güter tonnenweise direkt von der Cargohalle des Bit-Airports Richtung Köln rollen können …
Diese Pläne sind bekanntermaßen geplatzt. Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass die Bahnstrecke bis 2015 eine neue Bedeutung bekommt. Denn die Stadt hat einen Käufer gefunden. Wer das ist, will Rolf Heckemanns, Leiter der Stadtwerke Bitburg, nicht verraten - sind die Verhandlungen doch noch nicht abgeschlossen. So viel lässt er sich entlocken: Es handelt sich um ein Unternehmen von außerhalb, das bereits eine deutsche Bahnstrecke betreibt. "Der Käufer hat die Absicht, die Strecke langfristig zu nutzen", sagt Hecke-manns. Auch, wenn die Bahnverbindung Privatbesitz wird, soll sie weiterhin gegen Entgelt für jeden zugelassenen Zug nutzbar sein. Mehr ist von Heckemanns nicht zu erfahren. Selbst die Stadtratsmitglieder haben bisher keine Kenntnis über den Käufer. Nach TV-Informationen handelt es sich um den Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Das Unternehmen bestätigt, dass Verhandlungen laufen. Amprion benötigt die Schienen, da ab und an mal ein Trafo ins Umspannwerk nach Niederstedem transportiert werden müsse. Und weil die Trafos 200 bis 300 Tonnen pro Stück wiegen, sei dies am besten auf der Schiene möglich. Amprion hat daher ein großes Interesse daran, dass die Verbindung bestehen bleibt - und nicht etwa zum Radweg umgebaut wird.
Wenn alles gutgeht, soll der Kaufvertrag laut Heckemanns 2014 unterzeichnet werden. Über den noch nicht vereinbarten Kaufpreis lässt sich derzeit nur so viel sagen: Die Stadt wird weder die knappe Million Euro bekommen, die die Strecke 2002 gekostet hat (siehe Extra), noch die Viertelmillion, die als Buchwert eingetragen ist. Denn der Marktwert rostender Schienen fällt wesentlich geringer aus - zumal der Käufer nach Einschätzung Heckemanns erst einmal drei Millionen Euro investieren muss, um alles wieder in Ordnung zu bringen.
Doch selbst wenn kein guter Verkaufspreis zu erzielen ist, freut sich Heckemanns über die Aussichten: "Wir sind unsere Verluste los, und trotzdem steht die Strecke der Stadt als Infrastruktur zur Verfügung", sagt er. Auch Edgar Bujara, Vorsitzender des Bitburger Gewerbevereins, findet das alles sehr positiv. "Das freut auch den Steuerzahler", sagt er.
Der muss, wenn alles gutgeht, künftig nicht mehr für die rostenden Ausläufer der Flugplatzträume zahlen.Meinung

Hoffentlich klappt das!
Da kann man der Stadt nur die Daumen drücken, dass die Verhandlungen gutlaufen und sie die Schienen tatsächlich bald loswird. Die haben den Steuerzahler dank des Luftschlosses namens Bit-Airport schon viel zu viel Geld gekostet. Und das bei extrem geringen Nutzen. Von einem Verkauf würden trotz eines erwartungsgemäß geringen Verkaufserlöses alle profitieren: der Steuerzahler, der künftig keine 70 000 Euro mehr zahlen muss, das Unternehmen, das eine langfristige Nutzungsperspektive hat, und die Region, die die Infrastruktur bei Bedarf auch weiterhin nutzen könnte. Wenn auch sicher nicht für das Cargogeschäft eines internationalen Flughafens. k.hammermann@volksfreund.deExtra

2002 hat die Stadt Bitburg die rund sechs Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Erdorf und Bitburg gekauft, nachdem die Bahn ihren Güterverkehr nach Bitburg eingestellt hat. Damals transportierte die Brauerei noch Güter über die Schiene zur Braustätte Süd. Hauptgrund für den Kauf aber war, dass die Stadt die Verkehrsströme in Bitburgs Süden neu ordnen wollte: Der Durchbruch von der Saarstraße über die Güterstraße und dann über die Schienen zum Südring sollte ohne teure Schrankenanlage umgesetzt werden. Stattdessen muss die Stadt nun sicherstellen, dass der Bahnübergang bewacht wird, sollte ein Zug dort verkehren. Bei dem Erwerb der Bahnstrecke wurde die Stadt 2002 mit knapp 400 000 Euro vom RWE unterstützt, das dafür im Gegenzug die Garantie bekam, 30 Jahre lang Transformatoren für das Umspannwerk Niederstedem über die Schienen transportieren zu können. Weitere knapp 400 000 Euro kamen als Zuschuss vom Land. Die Stadt selbst hat gut 200 000 Euro gezahlt. scho