Dorfcharakter

WAXWEILER/DALEIDEN/IRRHAUSEN/MALBERG. (js) Sie sind Blickfänge, aber auch seit Jahrhunderten Wohnstätten für die Menschen: Die Dorfmittelpunkte in der Eifel haben ihre eigenen Geschichten und stehen bis heute für ein gewachsenes Ortsbild. Doch es gibt auch "Bausünden".

"Wenn ich mir die Dörfer so anschaue, kann ich nur staunen, was sich in den zurückliegenden Jahrzehnten getan hat", sagt Eifeltourist Jan Meurer aus Oberhausen. Das ist keine Einzelstimme, sondern der "Tenor" vieler Besucher. In einigen Dörfern sind gerade in jüngster Zeit zahllose Kirchen saniert worden, und auch die Bewohner taten viel, um das Ansehen ihrer Wohnhäuser zu verbessern. Mit dem Einzug des Christentums in der Eifel entstanden als erste sichtbare Gebäude Kirchen. Viele Patrone weisen auf diese frühe Begründung hin: Remigius, Martin oder Willibrord. Es dauerte keine Jahrzehnte, bis die ersten Siedler sich um die Kirchen gruppierten, um ihre Häuser möglichst nahe am Gotteshaus zu bauen - das hatte mit tiefer Religiösität, aber auch mit einer Sehnsucht nach "Geborgenheit" zu tun. So entstanden rund um die Pfarrkirche, die meist auf einem Felsen (Beispiel Steffeln) oder einem Hügel (Beispiel Irrhausen) lag, erste "Ensembles", die ständig erweitert wurden. Meist wurde in Kreisform die Kirche "umbaut", erst später entwickelten sich Dorfstraßen, die hinaus ins freie Feld führten. Die alte Dorfstraße wirkte zwar etwas ungeordnet, doch dafür verband sie Haus mit Haus. Ihre Linienführung passte sich den Menschen an. Mit der Bebauung zog ein neues wechselndes Bild in die Dörfer: die Stellung der weiß gekälkten Baukörper zur Straße war unterschiedlich - mal rückte das Haus mit der Giebelseite dicht an die Straße heran, mal lag es traufseitig parallel zur Straße, oder es "versprang" weit zurück, um einer Vorfläche, meist dem Garten, Platz zu machen. Bäume und Baumgruppen, Sträucher und Staketenzäune belebten das Dorfbild - die "Straße" war früher wie der Marktplatz ein Erlebnis- und Begegnungsraum für die Menschen. Leider wurden im vergangenen Jahrhundert auf diesem Gebiet viele "Sünden" begangen: Straßen wurden verbreitert und begradigt, scheinbar "unwichtige" Bauten entwertet und somit Ortskerne zerstört. Die "neue" Bewusstseinsbildung für Tradition, Baukultur und Heimat hat sich in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten positiv auf die Entwicklung der Dorfkerne ausgewirkt. So ist festzustellen, dass die "Dokumente einer dörflichen Identität" wieder den Respekt erhalten, den sie verdienen. Vielerorts wurden Fassaden stilgerecht saniert, Dächer mit eifeltypischen Materialien eingedeckt und Bauerngärten angelegt.Häuser prägen den Dorfcharakter

Ortsbildprägende, umgenutzte Bausubstanz ermöglichte auch den Aufbau eines die Grenzen überschreitenden Kulturwegs unter dem Motto "Architektur ohne Grenzen". Nicht zufällig orientieren sich die Stationen dieses Kulturwegs an Ortsgemeinden. "Dörfliches Bauen" bedeutet bis heute vor allem "regionaltypisches Bauen". Häuser prägen den unverwechselbaren Charakter der Dörfer, besonders der Dorfmitte. Es ist auch ein grundlegendes Merkmal von Lebensqualität geworden, wenn ein Dorf seinen Lebens- und Wohnraum von anderen unterscheiden kann. Die Eifeldörfer haben sich bis heute - von einigen Ausnahmen abgesehen - vielfach ihren Charme bewahrt. Exemplarisch für viele stehen die Ortschaften Malberg, Waxweiler, Daleiden, Irrhausen, Meckel, Rittersdorf oder Holsthum. Einige "Bausünden" sind dagegen nicht mehr reparabel. Jan Meurer: "Der Liebreiz der Eifellandschaft und der Charme der Dörfer sind für mich eine Einheit - deshalb mache ich hier meinen Urlaub."