Eltern machen mobil

BICKENDORF. Der Tag danach ist der Tag davor: Acht Wochen ist es her, als ein Linienbus mit einem Müllwagen in Oberweiler kollidierte. Nach wie vor werden nicht nur die Kinder des Kindergartens Bickendorf mit zum Teil veralteten großen Bussen Tag für Tag nach Hause gefahren. Am Dienstag lädt der Elternbeirat zu einer Infoveranstaltung ein.

Bald zwei Monate ist es her, da verunglückte ein Linienbus im Eifelörtchen Oberweiler (der TV berichtete). Bei der Kollision mit einem Müllwagen wurden fünf Menschen verletzt, darunter drei Kindergartenkinder. Diese waren auf dem Weg vom Kindergarten Bickendorf nach Hause. Der Schrecken von damals ist bei vielen Eltern noch nicht vergessen. Aus diesem Anlass lädt der Elternbeirat der Kindertagesstätte St. Martin in Bickendorf Eltern und Interessierte zu einem Informationsabend am heutigen Dienstag, 26. April, um 20 Uhr in die Kindertagesstätte St. Martin ein. Agnes Tillmann-Steinbuß vom Verein Eltern für Kinder, Rechtsanwalt Franz Josef Weber und Suzanne Köhl-Gessner, Vorsitzende des Kreiselternausschusses, werden anwesend sein. Neben einer kurzen Vorstellung des Vereins Eltern für Kinder, sollen rechtliche Fragen geklärt und die Problematik "Sicherheit bei der Beförderung von Kindern mit Bussen" diskutiert werden. Außerdem wird eine Unterschriftenaktion gestartet, die dem Ministerpräsidenten Kurt Beck und Landrat Roger Graef vorgelegt werden soll. Seit 15 Jahren ist es möglich, Kindergartenkinder in Linienbussen zu befördern. Nach einer Unterschriftenaktion wurde 1997 im Kreistag Bitburg-Prüm eine Sitzplatzgarantie für Kindergarten-Kinder beschlossen. "Doch die Realität sieht oft anders aus. Zeigen sie mir mal ein Kind, dass eine halbe Stunde lang ruhig auf seinem Platz sitzen bleibt", sagt Agnes Tillmann-Steinbuß, Vorsitzende des Vereins Eltern für Kinder. Weil sie den Umgang zwischen Verwaltung, Kreistagsmitgliedern und Eltern als nicht fair empfand, gründete sie zusammen mit anderen engagierten Eltern den Verein Eltern für Kinder. Seitdem setzt sich der Verein für eine Verbesserung der Situation der Buskinder ein.Kinder haben immer noch Angst vorm Bus

Die Vertreter des Elternbeirats Bickendorf haben nun hautnah miterleben müssen, was es bedeuten kann, wenn ein Linienbus einen Unfall hat. Deshalb fordern sie zusammen mit Kinderschutzbund und Verein Eltern für Kinder eine Aufsicht für Kindergartenkinder in Bussen, Kindersitze mit Gurten oder moderne Kleinbusse, die nicht mehr im Linienverkehr eingesetzt werden. "Wir hoffen, dass wir das durchkriegen", sagt Melanie Teske vom Elternbeirat St. Martin. Sie schätzt die Chancen allerdings als gering ein. Dennoch: "Ein Besuch vom Landrat an der Unfallstelle reicht einfach nicht aus", empört sie sich. "Wir wollen, dass dieser Unfall nicht in Vergessenheit gerät. Das Thema muss im Auge bleiben." Der damals schwer verletzte Junge könne immer noch nicht den Kindergarten besuchen. Ein dreijähriges leicht verletztes Mädchen weigert sich seitdem standhaft, nochmal in einen Bus zu steigen. Auch beim Besuch des Kindergartens brach sie in Tränen aus. Zu tief sitzt noch der Schock. An dem Abend zeigt Agnes Tillmann-Steinbuß mehrere Filmausschnitte von Crash-Tests mit Bussen, aber auch ein positives Beispiel einer Busfahrt, wo eine Sozialpädagogin Schüler bei der Heimfahrt begleitet. Doch was in Bayern bereits geltendes Recht ist, davon ist Rheinland-Pfalz weit entfernt. So dürfen in Bayern Kindergartenkinder nur dann ohne Begleitpersonen befördert werden, wenn es sich um einen Kleinbus mit höchstens acht Sitzen handelt und der Fahrer willens ist, auf die Kinder zu achten. Auch im Nachbarkreis Bernkastel-Wittlich gibt es einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Dort erreichten Eltern mit der Aktion "Prokids" und Landrätin Beate Läsch-Weber, dass ein Verkehrsunternehmen mit erheblichen Landesmitteln einen kindgerechten Kleinbus anschaffte, der die Kinder von Schladt und Karl zum Kindergarten Großlittgen fährt. Agnes Tillmann-Steinbuß lässt sich von der aussichtslos erscheinenen Situation im Kreis Bitburg-Prüm nicht entmutigen. "Kennen Sie die?", fragt sie und zitiert eine chinesische Weisheit: "Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen." Der Informationsabend "Beförderung unserer Kinder in Bussen" ist am heutigen Dienstag, 26. April, um 20 Uhr in der Kindertagesstätte St. Martin in Bickendorf.

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