Mit 160 durch die Eifel

Drei Bundesstraßen liegen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bitburg, und jede dieser drei Strecken hat ihre Besonderheit: Die B 50 ist der längste Abschnitt, die B 51 ist die Straße, die am stärksten befahren wird, und die B 257 ist die, auf der am meisten gerast wird.

Das Fazit ist ernüchternd, aber nicht wirklich überraschend: "Die Unfallentwicklung und die Kontrollergebnisse lassen den Schluss zu, dass ein verbesserter Ausbauzustand der Straßen nicht zwangsläufig die Unfallzahlen sinken lässt", erklärt Ulrich Müller von der Polizeidirektion Wittlich. Zwar würden auf der einen Seite häufig Unfallursachen wie Verstöße gegen Überholverbote und Vorfahrtsregeln wegfallen, dafür jedoch würden auf der anderen Seite besser ausgebaute Straßen dazu führen, dass Autofahrer oft zu schnell unterwegs seien, fügt Müller hinzu.

Da wäre zum einen die B 50, die auf einer Länge von 50 Kilometern den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Bitburg von Binsfeld bis Roth an der Our durchquert. Hierbei muss man unterscheiden zwischen dem 30 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bitburg und luxemburgischer Grenze, der überwiegend von einheimischen Berufspendlern genutzt wird, und dem 20 Kilometer langen Teilstück zwischen Bitburg und Binsfeld.

Aufgrund der in Spangdahlem stationierten US-Amerikaner ist das Verkehrsaufkommen auf diesem 20 Kilometer langen Abschnitt deutlich höher, was für Müller jedoch eine positive Begleiterscheinung hat.

"Die Streckentopografie in Verbindnung mit dem relativ hohen Verkehrsaufkommen senkt die Geschwindigkeiten, was zu einer Verringerung der Unfallfolgen führt", erklärt der Polizeihauptkommissar, wohingegen der Abschnitt zwischen Bitburg und Luxemburg aufgrund der geringeren Verkehrsdichte gefährlicher sei. Wegen des guten Ausbauzustands der Strecke werde auch schneller gefahren, was dann oft zu den schweren Unfallfolgen führe. Radarkontrollen brächten dort nur wenig, sagt Müller. Denn Unfallursache sei in vielen Fällen nicht etwa das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, sondern das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.
Überholspur verleitet zum Rasen

Zu solchen Fehleinschätzungen kommt es auch auf der B 51. Allerdings wird dort auch oft deutlich schneller gefahren als erlaubt. Nach einer Serie schwerer Unfälle wird die B 51 zwischen der A-60-Anschlussstelle bei Fließem und dem A-64-Anschluss bei Trierweiler-Sirzenich seit 2008 von der Polizei besonders überwacht. Zwar ist die Zahl der Unfälle insgesamt rückläufig, doch hat der Bau zusätzlicher Überholspuren dazu geführt, dass insgesamt mehr gerast wird.

200 Kontrollstunden sind dort (auf dem gesamten Abschnitt zwischen A 60 und A 64) im vergangenen Jahr geleistet worden. 1487 Verkehrsteilnehmer wurden dabei verwarnt, 995 bekamen eine Anzeige, und für 76 endete die Kontrolle mit einem Fahrverbot. Die höchste Geschwindigkeit, die von einem Raser im vergangenen Jahr gemessen wurde, lag bei 179 Kilometern pro Stunde.

Dass ausgebaute Strecken zu einem stärkeren Durchtreten des Gaspedals führen können, zeigt auch die B 257 zwischen Bitburg und Echternach. Kein anderer Streckenabschnitt im Dienstbereich der PI Bitburg werde so intensiv überwacht, sagt Müller, für den die B 257 eine "Hochgeschwindigkeitsstrecke" ist. Obwohl dort mit rund 8000 bis 10 000 Fahrzeugen pro Tag nur halb so viele unterwegs sind wie auf der Bitburger, wurden auch dort 2012 im Rahmen der insgesamt 22 Geschwindigkeitskontrollen 36 Fahrverbote erteilt.

Die sehr hohe Zahl an Fahrverboten überrasche ihn allerdings nicht, sagt Müller. Schließlich würden bei den Kontrollen häufig Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde festgestellt. Um dort langfristig Erfolge zu erzielen, sei ein langer Atem gefragt, fügt der Polizeihauptmeister hinzu und stellt klar: "Die Polizei wird diesen langen Atem haben."

Extra

156 Unfälle wurden im vergangenen Jahr auf der B 50 zwischen Vianden und Binsfeld registriert, davon allein 100 auf dem Abschnitt zwischen Bitburg und Vianden. Gegenüber 2011 ist das ein Rückgang um zehn Unfälle, die Zahl der Verletzten ist ebenfalls gesunken, von 41 im Jahr 2011 auf 32 im Jahr 2012. Ein Mensch wurde getötet - genau wie im Vorjahr. Auf der B 51 ist die Zahl der Unfälle gegenüber 2011 um neun auf 174 gesunken. Drastisch zugenommen hat allerdings die Zahl der schwer Verletzten. Sie stieg von sechs im Jahr 2011 auf 17 (2012), weshalb auch die Zahl der Verletzten insgesamt mit 44 über dem Vorjahreswert (41) liegt. Zwei Verkehrsteilnehmer wurden getötet, einer mehr als 2011. Auf der B 257 hat es 2012 zwischen Bitburg und Echternach 79 Mal gekracht, vier Mal mehr als im Vorjahr. Mit 15 Verletzten (davon drei schwer) liegt der Wert für 2012 auch deutlich über dem von 2011 (6), allerdings auch klar unter dem von 2010 (24). Im Gegensatz zu den Vorjahren ist 2012 kein Verkehrsteilnehmer auf dem B-257-Abschnitt ums Leben gekommen. uhe

Mehr von Volksfreund