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Mit dem Shetland-Pony durch die Natur in der Eifel

Ausflüge für Mensch und Vierbeiner : Mit dem Shetland-Pony durch die Natur in der Eifel

Der Philippshof in Bitburg-Masholder bietet  Touren für Spaziergänger und Vierbeiner an. Das ist gerade in der Corona-Krise eine Möglichkeit der Freizeitbeschäftigung für Familien und ein Rettungsanker für die Betreiber.

Als Corona letztlich auch den Shetty-Club des Philippshof in Bitburg-Masholder in die Knie zwingt, müssen schnell neue Lösungen und Wege her. Denn die Kosten für die Unterhaltung der Shetlandponys, wie zum Beispiel Futter, Tierarzt und Hufschmied, fallen nach wie vor an. Inhaberin Birgit Böer-Weicker erinnert sich: „Nach der für uns so wichtigen Lockerungen haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und ,Shetty to go’ ins Leben gerufen.“

Unter diesem Namen stellt der Reitbetrieb seine Ponyherde Eltern und Kindern für Spaziergänge zur Verfügung. So können Reitsportfreunde dem Traum vom eigenen Pferd ein Stück näher kommen. Fertig rausgeputzt und bereits am Führstrick, erwarten die Vierbeiner ihre Kunden. Nach einer mündlichen Wegbeschreibung kann es so losgehen. „Wir haben in unmittelbarer Nähe zur Reitanlage verkehrsarme Wanderwege durch die Natur und den Wald“, erzählt die Inhaberin Birgit Böer-Weicker. Für den Spaziergang könne man je nach Route etwa zwei Stunden einplanen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf neun Euro pro Pony.

Sowohl Eltern als auch Kinder seien begeistert. Böer-Weicker: „Die Meisten kommen öfters und genießen die schöne Zeit in der Natur mit den Ponys.“ Die Resonanz sei so gut, dass die Familie Böer bereits mit dem Gedanken spielt, ihre Ponyherde zu vergrößern. „Zurzeit können wir etwa 95 Prozent Neukunden verzeichnen“, weiß Böer-Weicker.

Und über Facebook und Mundpropaganda reißt der Strom an Kunden nicht ab. Auch Angi Stritz, die mit ihren zwei Söhnen Luca und Levi gerade eine dreistündige Wanderung mit Pausen-Picknick auf einer Waldlichtung hinter sich hat, plant bereits ihren nächsten Besuch auf dem Philippshof: „In zwei Wochen steht bei uns der nächste Ponyspaziergang auf der Tagesordnung. Gerade für kleine Kinder ist das Angebot perfekt und eine willkommene Abwechslung.“ Sie hatte ein Shetty in Reitmontur gemietet. So konnten ihre drei- und fünfjährigen Söhne sich abwechselnd auf dem Rücken des Ponys ausruhen und durch die Natur tragen lassen.  „Die Jungs  waren vollauf begeistert“, erzählt Stritz. Nach Corona wolle sich die Familie um einen Reitkurs bemühen.

Auch aufgrund des starken Interesses beschränkt sich „Shetty to go“ inzwischen nicht mehr nur auf die Jüngsten. Für Erwachsene besteht die Möglichkeit, mit einem Vierbeiner durch die Natur zu wandern. Für romantische Zweisamkeit bietet „Shetty to go – Sunset“ einen Aufhänger für das nächste Date.

Das Spazierengehen mit den Shettys erfolgt nach Aussage von Böer-Weicker rechtlich abgesichert und unter der strikten Einhaltung der Hygienerichtlinien rund um Corona. Dazu habe man den Personenverkehr aus dem Betrieb ausgelagert. Das Pony werde fertiggemacht nach kurzer Einweisung an den Spaziergänger auf einem angrenzenden Bereich übergeben.

Ein Shetty bekommt man zudem nur nach vorheriger Terminabsprache. „Außerdem haben wir einen Hygienebereich mit Desinfektionsmöglichkeiten für die Kunden und Desinfektionsmittel für alle Artikel rund ums Shetty bereitgestellt“, berichtet Böer-Weicker.

Die Idee hatte das Team des Philippshof bereits im letzten Winter, damals noch völlig losgelöst von der Corona-Thematik. „Wir betreiben schon seit etwa 15 Jahren eine Pferdepension“, berichtet Böer-Weicker. Reiten ist hier aber erst ab rund vier Jahren zugelassen. „Wir bekamen immer wieder Anfragen von Familien mit jüngeren Kindern“, so die Inhaberin.

Entsprechend entschied sich der familiengeführte Reitbetrieb zur Gründung eines Shetty-Clubs. Hier können Kinder ab drei Jahren erste Erfahrungen im Umgang und in der Pflege eines Shetlandponys erwerben und sich langsam an eine reiterliche Zukunft herantasten. Neben Putzen, Verwöhnen und ersten Spaziergängen werden Spiele mit den Ponys angeboten.  Böer-Weicker sieht gerade für die Jüngsten einen großen Mehrwert in der Beschäftigung mit den Tieren: „Der Umgang mit den Shettys kann beim Abbau von Ängsten sehr wichtig sein. Er fördert zudem die Selbstständigkeit des Kindes und ermöglicht mal eine Auszeit von der digitalen Welt.“

Mit der Geschäftsidee hat die Familie Böer nicht nur eine neue Beschäftigung für ihre Ponyherde gefunden, sondern trifft sie auch den Zahn der Zeit. Steine bemalen, Schmuck selbst gestalten, Haus und Garten auf Vordermann bringen - gerade Kinder und ihre Eltern müssen beim Kampf gegen die Langeweile in Zeiten von Corona kreativ werden.