Neuerburger streiten über Ganztagsbetreuung

Neuerburger streiten über Ganztagsbetreuung

Die Ganztagsbetreuung in der Kita gibt es für die Neuerburger Grundschüler nicht mehr. Doch die berufstätigen Eltern brauchen eine Lösung. Die Leitung der Grundschule will diese nur in Form einer Ganztagsschule bieten. Da das neue Schuljahr näher rückt, muss die Verbandsgemeinde ein Machtwort sprechen.

Neuerburg. Ab in den Kita-Hort, hieß es bisher am Nachmittag für die Schüler der Neuerburger Grundschule. Das war für berufstätige Eltern eine komfortable Lösung, denn die Nachmittagsbetreuung für die Kinder war von Montag bis Freitag und auch in den Ferien gewährleistet. "Das hat der Kreis jetzt untersagt. Denn die Kita muss eine Platzgarantie für die Ein- bis Zweijährigen geben und darf deshalb keine Grundschüler mehr aufnehmen ", schildert Günter Scheiding, SPD-Fraktionsvorsitzender im Neuerburger Verbandsgemeinderat, das Problem. Bis zum neuen Schuljahr muss eine andere Lösung her, damit die Kinder nahtlos weiterbetreut werden können. Am Zug ist die Leiterin der Grund- und Realschule plus. Als Schulleiterin ist Ute Zehren angehalten, eine alternative Lösung zu finden. "Der Wunsch der Eltern ist eine flexible Nachmittagsbetreuung", sagt Norbert Schneider, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG). Doch die Schulchefin befürwortet eine Ganztagsschule in Angebotsform (siehe Extra), wie sie bereits für die Klassen fünf bis zehn der Realschule plus eingerichtet wurde. Dabei nehmen die angemeldeten Schüler von Montag bis Donnerstag bis 16 Uhr verpflichtend am Nachmittagsangebot teil. Freitags und in den Ferien gibt es keine Betreuung.Zu wenig Anmeldungen

Zehren habe laut Scheiding bei den Eltern der angehenden Grundschüler nur das Interesse für die Ganztagsschule abgefragt und nicht die Möglichkeit einer betreuenden Grundschule. Das Problem: Als Messzahl für die Einrichtung einer Ganztagsschule gelten 36 Anmeldungen. Die Befragung der Eltern ergab laut Scheiding zum damaligen Zeitpunkt nur 17 Anmeldungen. "Zu wenig", sagt die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Scheiding hatte eigentlich auf eine Ausnahmegenehmigung gehofft, schließlich wird die Realschule plus vor Ort bereits als Ganztagsschule geführt. Doch eine Ausnahme macht die ADD nicht. Für Scheiding und viele andere VG-Ratsmitglieder war klar: Dann muss eine Nachmittagsbetreuung geschaffen werden. "Wir haben daraufhin Mitte April mit der Schulleiterin gesprochen. Weil die freiwillige Nachmittagsbetreuung den Ablauf stört, hat die Schulchefin den Vorschlag abgeblockt", sagt Scheiding. Ute Zehren will sich nicht persönlich zum Thema äußern. Klaus Rechin, seit zehn Jahren Vorsitzender des Elternbeirats, sagt: "Das ist ein schwieriges Thema. Ich habe großes Verständnis für die Schulleitung. Zwei unterschiedliche Betreuungssysteme an einem Schulzentrum sind unglücklich." Als Elternsprecher ist er aber der Meinung: Es muss ein Angebot geben. "Hier steht der Elternwunsch dem pädagogischen Ansatz gegenüber", sagt Bürgermeister Schneider. "Ich kann den Wunsch der Schulleiterin nachvollziehen". Deshalb stimmte der VG-Chef in der Ratssitzung als Einziger gegen den Vorschlag, eine betreuende Grundschule einzurichten, wenn die Ganztagsschule nicht zustande kommt. Schneider: "Ich habe mir das Recht genommen, Nein zu sagen. Ich wollte nicht gegen den Willen der Schulleitung votieren." Für die Ganztagsschule spreche ebenfalls, dass deren Kosten vom Land übernommen werden - während die freiwillige Betreuung von der VG finanziert werden müsse. "In Körperich sind das bei 21 Kindern insgesamt rund 10 000 Euro", sagt Schneider. SPD-Mann Scheiding argumentiert: "Die Schulleiterin kann sich nicht weigern zu tun, was der Schulträger wünscht. Schließlich geht es hier nicht um persönliche Interessen, sondern um das der Eltern und Kinder." Er fügt hinzu: "Wir haben als VG-Rat zu spät reagiert. Zum Glück haben wir gerade noch die Kurve gekriegt, um eine Lücke in der Betreuung zu vermeiden." Das sieht der VG-Chef anders: "Zu spät? Das sehe ich nicht so. Wir haben immer die Ganztagsschule favorisiert." Außerdem sei das Problem erst vor einer Weile von der Stadtbürgermeisterin an den Rat herangetragen worden. Von den Eltern habe sich niemand an den Rat gewendet. Eltern suchen andere Lösungen

Nach weiteren Gesprächen hat sich Schulleiterin Zehren bereiterklärt, die Nachmittagsbetreuung auch ohne Ganztagsschule anzubieten. Laut einer erneuten Elternbefragung werden 13 Kinder das Angebot in Anspruch nehmen. Scheiding: "Einige Eltern haben wegen der fehlenden Planungssicherheit in der Zwischenzeit andere Lösungen gefunden." Zurzeit werden Unterbringung, Personalsuche und ein Selbstkostenbeitrag für die Eltern diskutiert. Schließlich sind bis zum Beginn des neuen Schuljahrs nur noch drei Monate Zeit.Meinung

Blockieren bringt nichts!Das pädagogisch wertvollere Konzept zu favorisieren, ist lobenswert. Doch was bringt eine Lösung, die konträr zu den Wünschen der Eltern verläuft? Weniger Anmeldungen. Den Verlust wertvoller Zeit, die für die Planung einer Nachmittagsbetreuung bitter nötig ist. Hätte die Schulleiterin von Beginn an beide Betreuungsmöglichkeiten bei den Eltern abgefragt, wäre allen Beteiligten viel Stress erspart geblieben. Ganz davon abgesehen, dass die Schulleiterin sich sowohl über die Wünsche der Eltern als auch die des Schulträgers hinweggesetzt hat. Zum Glück konnten sich alle Beteiligten noch rechtzeitig einigen, damit Eltern, die berufstätig sind und nicht auf Verwandte als Betreuer zurückgreifen können, ihre Kinder in sicherer Obhut wissen. Offen bleibt trotzdem die Frage nach der Betreuung während der Ferien, denn dann ist die Schule geschlossen. m.radics@volksfreund.de

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