Verkehrsverein will Zeichen setzen

Verkehrsverein will Zeichen setzen

Zu Wanderkarten, Broschüren und Eifelführern gesellen sich von jetzt an Briefmarken, Pakete und Spielscheine: Am heutigen Montag eröffnet der Verkehrsverein Kyllburger Waldeifel die neue Postagentur und Lotto-Annahmestelle in den Räumen des "Haus des Gastes" in Kyllburg - und hofft damit auf eine Wende im seit Jahren schwelenden Tourismus-Streit.

Kyllburg. "Wir sind immer noch da, immer noch am Leben! Wir sind immer noch da, immer noch durch nichts und niemand stumm zu kriegen." Es sind Zeilen aus einem Refrain der beliebten deutschen Band Pur, die der Verkehrsverein Kyllburger Waldeifel seiner Einladung zur Eröffnung der neuen Postagentur mit Postbank und Lotto-Annahmestelle am heutigen Montag vorangestellt hat. Natürlich sind sie kein Zufall, diese Zeilen. Sie spiegeln die Gefühlslage der Mitglieder eines Vereins wider, der in den vergangenen Jahren immer wieder Rückschläge erlitten hatte.

Ein Urteil und die Folgen: Tourist-Info geschlossen



Schon seit Jahren liegt die Tourismus-Förderung in der Kyllburger Waldeifel brach. Eine Zäsur für die Fremdenverkehrsbetriebe in der Waldeifel war das Urteil des Koblenzer Oberlandesgerichts im August 2008: Die Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg dürfe die Aufgabe der Tourismus-Förderung erst dann übernehmen, wenn alle 21 Ortsgemeinden dem zustimmen (der TV berichtete mehrfach). Erfolgt ist das bis heute nicht, und so darf die VG derzeit kein Geld für den Tourismus in die Hand nehmen.

Die früher von der VG betriebene Tourist-Information im "Haus des Gastes" musste kurz nach dem Urteil dichtgemacht werden.

"Wir sind immer noch da…": Die Gästezahlen gehen seitdem zurück, auch wenn der Verkehrsverein sich im Rahmen seiner Möglichkeiten müht, trotz der widrigen Umstände Touristen in die Waldeifel zu locken. Im vergangenen Sommer stellte er ein Konzept vor (siehe Extra), mit dem er glaubte, den Tourismus-Streit in der VG beilegen zu können. Vergebens. Denn im Oktober 2009 kam erneut ein Rückschlag: Der VG-Rat versagte dem Verein seine Unterstützung, befand das Konzept für zu teuer und sprach sich dafür aus, nach kostengünstigeren Möglichkeiten zur Tourismus-Förderung zu suchen, beispielsweise durch einen Anschluss an den Zweckverband Feriengebiet Bitburger und Speicherer Land.

"Wir sind immer noch da…": Nichtsdestotrotz machte der Verein Anfang des Jahres die Tourist-Info im "Haus des Gastes" wieder auf - mit einer 400-Euro-Kraft, die an vier Wochentagen zumindest halbtags Gäste beriet, mehr kann der Verein nicht finanzieren. Ein Coup gelang dem Verein im Frühjahr, als er den Zuschlag für die Nachfolge der Postagentur und der Lotto-Annahmestelle bekam, nachdem der bisherige Betreiber sein Engagement zum 31. Juli gekündigt hatte.

Dank der Postagentur ist es möglich, die Öffnungszeiten des "Hauses des Gastes" ab heute deutlich auszuweiten: Montags bis freitags von 9 bis 12 sowie von 15 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Davon profitieren auch die Gäste, zwar sind spezielle Buchungen weiterhin nur während der Öffnungszeiten der Tourist-Information möglich, aber Broschüren und Wanderführer werden auch während der Öffnungszeiten der Post ausgegeben. "Das zarte Pflänzchen Tourismus ist zu einer deutschen Eiche geworden", sagt Vereinsvorsitzender Willi Müller. Eine deutsche Eiche, die allen Widrigkeiten trotzt: Denn der Verkehrsverein hofft weiter darauf, dass sein im vergangenen Jahr vorgestelltes Konzept doch noch Zustimmung findet - auch wenn VG-Bürgermeister Bernd Spindler klarstellt: "Wir reden momentan weiterhin mit dem Zweckverband in Bitburg." Extra Tourismus-Konzept: Der Verkehrsverein will die Tourismus-Förderung für die Waldeifel übernehmen. Für die dafür notwendige Finanzausstattung sollen neben den Beherbergungsbetrieben möglichst alle Ortsgemeinden und die Verbandsgemeinde (VG) Mitglied im Verein werden und einen Betrag bezahlen, der sich pro Einwohner und Bett bemisst. Zudem soll die VG dem Verkehrsverein einen ihrer Mitarbeiter kostenlos für die Tourist-Info zur Verfügung stellen. Vielen Ortsgemeinden war das zu teuer, sodass längst nicht alle Gemeinden Mitglied im Verein sind. In der VG-Verwaltung herrscht darüber hinaus die Überzeugung, dass der Verein erst dann die Förderung übernehmen darf, wenn sämtliche 21 Ortsgemeinden diese Aufgabe auf die VG übertragen haben und der VG-Rat anschließend seinerseits diese Aufgabe per Beschluss an den Verkehrsverein abgibt. (neb)