"Wir sind schon hart am Limit"

GEROLSTEIN/DAUN/PRÜM. Seit Monaten gibt es deutschlandweit Streit um die Ausbildungsplatzabgabe. Auch in der Eifel ist die Umlage umstritten. Der TV hörte sich bei Unternehmen, der Caritas und in der Verwaltung um.

Noch weiß niemand ob der rot-grüne Gesetzentwurf, der die Lücke auf dem Lehrstellenmarkt schließen soll, tatsächlich umgesetzt wird, und ob es für einige Ausbildungsbereiche Ausnahmen geben wird. Doch wenn SPD-Chef Franz Müntefering sein Projekt durchboxen würde und die Ausbildungsplatzabgabe Ende September käme, müssten viele öffentliche und private Arbeitgeber in der Eifel zahlen. Winfried Wülferath, Geschäftsführer des Caritasverbands für die Region Westeifel hält nichts von "dieser Rasenmähermethode": "Die Sozialstationen und Pflegedienste sind schon hart am Limit." Der Verband beschäftigt in den fünf Sozialstationen in Daun, Gerolstein, Bitburg, Arzfeld und Speicher drei Azubis in der Verwaltung und fünf Azubis als Altenpfleger. Mindestens sechs weitere junge Menschen müsste der Verband mit mehr als 200 Mitarbeitern bei einer Quote von sieben Prozent einstellen. "Wir haben in den vergangenen Jahren deutlich mehr ausgebildet, für mehr Ausbildungsplätze fehlen einfach die finanziellen Mittel", sagt Wülferath. "Wir könnten die Quote erfüllen, wenn alle jungen Menschen angerechnet würden, die auf Diözesan-Ebene in Schulen und Ausbildungsgängen ausgebildet werden, aber das wird wohl nicht der Fall sein", bemängelt er. Auch in der Privatwirtschaft ist die Umlage umstritten. "Insgesamt finde ich die Unterstützung der Jugendlichen gut, aber eine Abgabeverordnung finde ich ganz schwach", sagt Wolfgang Roden, Geschäftsführer der Landbäckerei Roden in Gerolstein. In seinem Betrieb arbeiten 97 Mitarbeiter. Er hat zwei Azubis. Er müsste aber, wenn das neue Gesetz käme, sieben haben. "Das Problem ist, dass ich die Jugendlichen gar nicht zu unserer Hauptarbeitszeit, nämlich nachts, einsetzen darf." Außerdem fehlten sie während der Berufsschultage. "Wenn man Blockunterricht einführen würde, ginge das alles vielleicht, aber so nicht." Gegen gesetzliche Vorschriften ist auch Lothar Bormann, Geschäftsinhaber einer Schreinerei in Prüm. Er wäre zwar von dem neuen Gesetz nicht betroffen, da in seinem Unternehmen nur sechs Mitarbeiter beschäftigt sind und er ständig zwei Auszubildende hat, bemängelt aber: "Das ist doch wieder nur eine Abgabe, die letztendlich auf die Produkte umgelegt wird", sagt er. Seit Jahrzehnten engagiert sich die Bitburger Brauerei auf breiter Basis im Bereich Ausbildung. "In den vergangenen 20 Jahren erhielten mehr als 400 Jugendliche bei uns eine Ausbildung. Das ist eine Quote, die weit über den eigenen Bedarf hinaus geht. Sollte die Ausbildungsplatzabgabe kommen, würde dennoch auch die Bitburger Brauerei eine Abgabe entrichten müssen. Das halten wir für ungerecht", sagt Siegfried Miska, Bereichsleiter Personal/Zentrale Dienste. Für die öffentlichen Arbeitgeber wie Städte und Kommunen würde die Ausbildungsplatzabgabe ein besonderes Problem darstellen, denn die sind ohnehin größtenteils überschuldet. Bei der Stadt Bitburg sind, so rechnet Klaus Schneider vor, 128 Beschäftigte tätig, "die voll angerechnet würden". Derzeit werden drei junge Menschen bei der Stadt, zwei in der Verwaltung und einer als Gärtner ausgebildet. Gemäß der Quote müsste die Stadt aber neun Azubis haben. "Wir haben bisher immer für den Eigenbedarf ausgebildet. Mehr könnte sich die Stadt nicht leisten", sagt Klaus Schneider. Die jungen Menschen würden außerdem so spezifisch nur für die Verwaltung ausgebildet, dass sie anschließend keine Chancen in anderen Bereichen des Arbeitsmarkt hätten. In den Verbandsgemeindeverwaltungen in Daun und in Gerolstein geht man davon aus, dass die Auszubildendenquote erfüllt werden kann, auch wenn genaue Zahlen noch nicht ermittelt wurden. "Wir bilden über Bedarf aus. Wir haben fünf Auszubildende in der Verwaltung und drei weitere in Kläranlage, Wasserwerk und Bauhof. Damit dürften wir im Schnitt liegen", sagt Hans-Josef Hunz, Sachbereichsleiter im Gerolsteiner Rathaus. Auch aus Daun heißt es: "Wir bilden regelmäßig deutlich mehr aus, als unser Eigenbedarf ist. Damit wird bewusst seit Jahren ein Beitrag zu Entschärfung der Ausbildungsplatz-Situation geleistet", sagt Gerd Becker, Pressereferent der Verbandsgemeindeverwaltung. Die Abgabe stößt in Daun auf Kritik: "Der Staat will hier mit einem hohen Verwaltungsaufwand in einen Bereich eingreifen, der sich selbst zu regulieren in der Lage ist." Liebe Leserin, lieber Leser, wir sind an Ihrer Meinung interessiert. Halten Sie die Ausbildungsabgabe für gerecht? Glauben Sie, dass sich durch die Abgabe die Lage für Jugendliche am Ausbildungsmarkt verbessert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung kurz und prägnant in 30 Zeilen à 30 Anschlägen und mailen Sie Ihren Beitrag an eifel-echo@volksfreund.de