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Umwelt
Kahlschlag im Bettinger Neubaugebiet

 Kahl wie ein Pfahl: eine Gruppe von Bettinger Bürgern hat am Mittwoch eine Protestaktion organisiert, weil Anwohner Linden und Ahorn am Wegesrand radikal zurechtgeschnitten hatten. Von den Kronen ist nicht mehr viel übrig (rechts)
Kahl wie ein Pfahl: eine Gruppe von Bettinger Bürgern hat am Mittwoch eine Protestaktion organisiert, weil Anwohner Linden und Ahorn am Wegesrand radikal zurechtgeschnitten hatten. Von den Kronen ist nicht mehr viel übrig (rechts) FOTO: TV / Christian Altmayer
Bettingen. Bettinger Bürger sind verärgert, weil Anwohner sechs Bäume radikal beschnitten haben. Und das ohne Absprache mit der Gemeinde, der die Pflanzen gehörten. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, haben sie protestiert. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Gelbes Band flattert zwischen den Bäumen. „Crime Scene“, steht darauf, auf deutsch: „Tatort“. Man kennt solche Absperrungen aus US-amerikanischen Krimis. Damit sperren die Polizisten Orte ab, an denen ein Verbrechen passiert ist. Und im Bettinger Neubaugebiet ist eines passiert – zumindest nach Meinung einiger Bürger. Die Opfer sind allerdings keine Menschen, sondern Ahornbäume und Linden. Wer die Straße „Auf Liesenberg“ hochspaziert, erkennt die sechs Bäume sofort, oder besser: die sechs Stümpfe. Denn von den Kronen ist kaum etwas übrig. Bis auf den letzten Ast haben Anwohner sie heruntergeschnitten. Und das, obwohl ihnen die Bäume gar nicht gehören, sondern der Gemeinde. Darauf werden sie nun mit einem Transparent hingewiesen.

„Ich bin nicht dein Eigentum“, steht auf dem grünen Pappschild. Auf einem anderen sind die Worte „Erst stirbt der Baum, dann wir“ zu lesen. Angebracht haben sie Bettinger, die sich am Mittwochmorgen „Auf Liesenberg“ versammelt haben. Eingeladen haben zu dem Protest Helmut Fink und Gertrud Schildhauer. Ersterer ist Vorsitzender der Kreistagsfraktion von Bündnis 90’ die Grünen, Letztere sitzt für die FWG im Gemeinderat. Doch um Parteipolitik soll es nicht gehen. „Hier ist alles zusammengewürfelt – schwarz, rot, grün, parteilos“, sagt einer, der mitmacht: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass das so nicht geht.“ Dabei sei es schon lange so gegangen, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie ist eine von den Bürgern, die Linden und Ahorn zurechtgestutzt haben und erklärt das so: „Die Gemeinde macht seit Jahren nichts. Schon zweimal haben wir die Bäume geschnitten, weil die immer größer wurden.“ Äste brachen ab, fielen auf Autos und Garagen. Die Kronen verdeckten Straßenlampen, wucherten über Grundstücke.

„Es ist ganz normal, dass mal ein Ast bricht. Deswegen kann man doch nicht alle Bäume plattmachen“, meint Fink. Seiner Meinung nach hatten die Bäume „Auf Liesenberg“ nichts Bedrohliches an sich. Die Anwohner hätten „Tabularasa gemacht“ und die Pflanzen einer Gefahr ausgesetzt. Denn es sei ja keinesfalls klar, dass aus den Stümpfen wieder etwas wachse. „Bisher sind die immer nachgewachsen“, hält die Anwohnerin dagegen. Ortsbürgermeister Jürgen Holbach hat sich fachlichen Rat bei einem Förster geholt. Der meint: „Die Bäume sind rustikal und im Sommer wieder grün.“

Trotzdem will der Dorfchef das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung Mitte April aufgreifen. Holbach will dann eine Satzung vorschlagen, die das eigenmächtige Schneiden von Gemeindebäumen unter Geldstrafe stellt. „Dann haben wir eine Handhabe“, erklärt der Bürgermeister, der außerdem plant, Baumschnittkure für Interessierte zu finanzieren. Die Stümpfe „Auf dem Liesenberg“ könnten als abschreckendes Beispiel dienen. Was den Radikalschnitt in den Augen des Ortsbürgermeisters noch schlimmer macht: Im Juni wird die Bundeskommision des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ den Ort in Augenschein nehmen. Bei der letzten Runde wurde noch die herrliche Begrünung im Neubaugebiet gelobt.

 Protest Bäume Bettingen
Protest Bäume Bettingen FOTO: TV / Christian Altmayer