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Unwetter
Für die, die schon so viel verloren haben

Große Teile seines Hab und Guts wurden zerstört. Thorsten Begon aus Bleialf vor dem Berg mit dem, was er verloren hat.
Große Teile seines Hab und Guts wurden zerstört. Thorsten Begon aus Bleialf vor dem Berg mit dem, was er verloren hat. FOTO: Fritz-Peter Linden
BITBURG. Das Spendenkonto des Eifelkreises bietet finanzielle Soforthilfe für Unwetter-Opfer. Und es geht um mehr. Von Uwe Hentschel und Dagmar Schommer

Diese Bilder gehen ans Herz. Berge zerstörter Möbel, zertrümmerte Reste von dem, das, was einst zum Leben der Menschen gehörte. Ihr Haus, ihr Sicherheitsgefühl. Bei den Unwettern der vergangenen Tage ist mehr kaputt gegangen, als ein Teil des Besitzes.

Nach der Flut bleibt der Schock, wie schnell und unvorhersehbar ein Großteil von dem zerbrechen kann, was man sich aufgebaut hat. Ein Großteil von dem, was man als sicher glaubte. Und es bleibt die Angst. Kinder, die weinen, wenn es zu regnen beginnt. Menschen die bange gen Himmel schauen. Es gibt keine Garantie, das nicht noch mehr Wasser kommen könnte. Aber inmitten der Katastrophe gibt es auch diese Erfahrungen, die ans Herz rühren. Die Hilfsbereitschaft der Menschen gehört dazu.

Landrat Joachim Streit hat sich bei einer Rundfahrt durch die betroffenen Orte, einen Eindruck vom Ausmaß der Schäden und den Sorgen der Bevölkerung gemacht. Später schreibt er auf Facebook: „Ich habe heute geweint, als ich nach Hause kam: von dem Leid, das mir erzählt wurde, den Schäden, die ich gesehen habe, aber auch dem Lebenswillen weiterzumachen. Es ist schön zu wissen, dass die Menschen im Eifelkreis zusammenstehen.“

Natürlich hilft auch der Eifelkreis. Während im großen Saal der Kreisverwaltung die Sitzung des Kreistags beginnt, kündigt sich draußen bereits der nächste Starkregen an. Das war am Montag (der TV berichtete). Kurz darauf ist die Sirene der Feuerwache zu hören. Wie so oft in den vergangenen Tagen. Allein die Bitburger Wehr hatte in den ersten zehn Juni-Tagen insgesamt 78 unwetterbedingte Einsätze. Und auch die freiwilligen Helfer der umliegenden Verbandsgemeinden haben harte Tage hinter sich. Hunderte von Wehrleuten sind im Dauereinsatz. Pause haben sie für ein paar Stunden Schlaf – gerade so lange, bis die Klamotten wieder trocken sind.

Das Wasser kam plötzlich, völlig unverhofft, aus allen Richtungen und es hinterlässt gewaltige Spuren. Wie hoch der Schaden im Eifelkreis insgesamt ist, lässt sich derzeit noch gar nicht sagen. Fest steht aber: Das Unwetter hat viele Existenzen bedroht und droht manche sogar zu vernichten.

Aus diesem Grund haben der Eifelkreis und das DRK Bitburg-Prüm bei der Volksbank Eifel und der Kreisparkasse Bitburg-Prüm zwei Spendenkonten eingerichtet (siehe Info). „Hier soll schnell und unkompliziert geholfen werden“, sagt Landrat Joachim Streit, der auf diesen Konten bereits erste Einzahlungen verbuchen kann: 25 000 Euro hat das Land als Soforthilfe zur Verfügung gestellt und weitere 25 000 Euro die Kreissparkasse. Und auch der Eifelkreis möchte 50 000 Euro beisteuern, was dann auch beschlossen wird.

Hans Jürgen Götte (FDP) äußert Zweifel daran, dass 50 000 Euro ausreichen und spricht von „einer eher symbolischen Maßnahme“. „Wir können hier keine Versicherung ersetzen“, stellt dazu Kreisbeigeordneter Michael Billen (CDU) klar. Wenn es sich allerdings zeige, dass diese Summe nicht ausreicht, so könne man den Betrag immer noch aufstocken. Dem schließt sich auch Nico Steinbach (SPD) an: „Ich denke, das ist ein guter Start.“

So beschließt der Kreistag einstimmig, 50 000 Euro für die Soforthilfe zur Verfügung zu stellen. Die Verwaltung wurde beauftragt, Richtlinien zu erarbeiten, nach denen das Geld verteilt werden kann.

Unabhängig davon regt Ratsmitglied Helmut Fink (Grüne) an, sich nicht nur mit den Folgen, sondern auch mit den Ursachen der Schäden zu befassen. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, woher das Wasser kommt“, sagt Fink. So sei ein Teil des Schadens zweifelsohne auf die Zunahme an Maisfeldern zurückzuführen, da dort der Boden ungebremst weggespült werde.

Unterdessen gibt es weitere Hilfsinitiativen, die die Unwetteropfer unterstützen. Etwa die Tierarztpraxis Metterich, die auf Facebook angekündigt hat, zehn Prozent ihrer Einnahmen vom heutigen Donnerstag und morgigen Freitag auf das Spendenkonto des Kreises zu überweisen. Die Landfleischerei Schmitz kündigt an, von jedem verkauften Ring Fleischwurst einen Euro zu spenden. Und unter der Internetadresse https://forum.theis.link bieten Menschen Stühle, Kinderbegleidung oder Kaffeemaschinen für Unwetter-Opfer an.

Alles nur kleine Bausteine. Aber so wie viele Tropfen einen reißenden Bach ergeben, ergeben viele kleine Initiativen eine Welle der Hilfsbereitschaft. Und genau die brauchen die Menschen, die so viel verloren haben. Nicht nur finanziell, auch emotional. Nach dem selbstlosen Einsatz der ehrenamtlichen Rettungsdienstleute kann nun jeder das geben, zu dem er in der Lage ist. Jeder Beitrag zählt.