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Wirtschaft
Straßenstrich in der Eifel: Dürfen die das?

Jetzt hat die Eifel ihren eigenen kleinen Straßenstrich. Am Rastplatz in Fließem buhlt seit Neuestem eine Prostituierte um Freier – wie die Dame auf dem Symbolbild.
Jetzt hat die Eifel ihren eigenen kleinen Straßenstrich. Am Rastplatz in Fließem buhlt seit Neuestem eine Prostituierte um Freier – wie die Dame auf dem Symbolbild. FOTO: dpa
Fließem. Auf einem Rastplatz bei Fließem bieten Prostituierte Sex für Geld. Das ist neu im Bitburger Land, aber ist es denn erlaubt? Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Auf der B 51 herrscht viel Verkehr. Und damit sind nicht nur die vielen Autos gemeint, die täglich zwischen Trier und der Nordeifel hin- und herpendeln. Auch einige Prostituierte bieten entlang der Strecke ihre Dienste an. Solche Damen stehen etwa bei Newel und am Trierer Berg. Aber auch am nordrhein-westfälischen Ende der Bundesstraße brennt Rotlicht – in den Wohnwagen bei Blankenheim.

Nur im Bitburger Land hatten sich keine Sexarbeiterinnen niedergelassen. Bis jetzt.

Seit einigen Wochen dürften Autofahrern, die aus Richtung Gerolstein nach Bitburg unterwegs sind, zwei Frauen aufgefallen sein. Sie flankieren die B 51 rechts und links, auf den Rastplätzen „Kockelsberg“ und „Otrang“.  Dort warten sie in hohen Hacken und kurzen Höschen auf Freier, zu denen sie für ein Schäferstündchen ins Auto steigen. Und das scheint  bislang niemanden zu stören. Das mag daran liegen, dass der erste kleine Straßenstrich im Bitburger Land bislang weitestgehend unbemerkt blieb.

So erfährt der Nattenheimer Ortsbürgermeister erst durch einen Anruf des TV von dem, was an der Grenze seiner Gemeinde vor sich geht. Jetzt, wo er davon weiß, zeigt sich Peter Billen aber empört:  „Wir sind hier in der Eifel. Da gehört sich so etwas nicht!“  Aber ist das, was ungehörig erscheint, auch unerlaubt?

Das weiß auch Anja Esch nicht, wie sie sagt: „Die Rechtslage ist mir nicht bekannt.“ Froh ist die Fließemer Dorfchefin aber nicht über das horizontale Gewerbegebiet auf dem Rastplatz. Denn dieser liegt innerhalb der Gemarkung ihrer Gemeinde. Beschwerden habe es bislang zwar keine gegeben, „aber es ist ja klar, dass niemand so etwas vor der Haustür haben will.“

Doch um Wollen geht es nicht,  sondern um Dürfen. Und die Damen dürfen dort tatsächlich stehen. Das sagt jedenfalls der Bitburger Polizeichef Christian Hamm. Mehrmals hätten die Beamten die Frauen kontrolliert. Und sie hätten stets die nötigen Unterlagen, ein Gesundheitszeugnis und eine Arbeitserlaubnis, vorlegen können.

Damit sei der Fall für die Inspektion fürs Erste abgeschlossen. Denn, so erklärt der Dienststellenleiter: „Prostitution ist überall erlaubt, wo sie nicht verboten ist.“ Sexarbeiterinnen können ihre Dienste daher in jedem Gebiet anbieten, das nicht als Sperrbezirk ausgewiesen wurde.

Den Rastplatz zur Tabuzone, also quasi zum verkehrsberuhigten Bereich, erklären darf nur die Verwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm. So steht es im Prostituiertenschutzgesetz, das im November 2017 geändert wurde. Demnach kann der Kreis für Straßen, Wege, Plätze und andere öffentliche Orte in einer Gemeinde ein Prostitutionsverbot erlassen.

Eine solche Verordnung darf aber nur verhängt werden, wenn der Strich mit dem „öffentlichen Anstand“ oder dem Jugendschutz nicht vereinbar ist. Diese Schwelle sei aber in Fließem nicht erreicht, schreibt ein Sprecher der Verwaltung auf TV-Anfrage.

So sieht es auch Josef Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburger Land, zu der der Rastplatz gehört. Ein Verbot würde die „lieben Mädchen“ nur an andere, womöglich öffentlichere, Orte verdrängen. „Und mir ist es lieber, sie stehen auf dem Parkplatz, etwas abseits, als zum Beispiel auf dem Rasthof Meilbrück“, meint der VG-Chef.

Im Auge behalten wolle die Polizei die Frauen trotzdem, verspricht Dienststellenleiter Hamm.  Einschreiten würden die Beamten aber nur, wenn es Hinweise auf andere Straftaten gebe, die mit Prostitution zusammenhängen – etwa Menschenhandel.

„Wenn sich herausstellt, dass die Frauen sich nicht freiwillig anbieten, müssen wir was tun“, sagt der Polizeichef: „Ansonsten sehen wir das eher entspannt.“