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Klimaschutz
Wärme aus Sonne und Biomüll

Die untergehende Sonne färbt  den Abendhimmel  orangerot.
Die untergehende Sonne färbt den Abendhimmel orangerot. FOTO: Jens Büttner / dpa
Trier. Die Region ist in Sachen sauberer Strom Vorreiter: Rein rechnerisch wird hier etwa die Hälfte der benötigten Strommenge mit Hilfe erneuerbarer Energien, wie Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse gewonnen. Damit liege die Region im bundesweiten Vergleich deutlich über dem Durchschnitt von rund 16 Prozent, heißt es bei der Energieagentur Region Trier. Weniger vorbildlich ist die Gegend zwischen Hunsrück und Eifel was die Erzeugung von Wärme angeht. Die wird nämlich gerade mal zu elf Prozent aus alternativen Energiequellen gewonnen. Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent, der für Privathaushalte und Industrie benötigte Wärme wird mit Öl oder Gas erzeugt. Von Bernd Wientjes

Die Region ist in Sachen sauberer Strom Vorreiter: Rein rechnerisch wird hier etwa die Hälfte der benötigten Strommenge mit Hilfe erneuerbarer Energien, wie Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse gewonnen. Damit liege die Region im bundesweiten Vergleich deutlich über dem Durchschnitt von rund 16 Prozent, heißt es bei der Energieagentur Region Trier. Weniger vorbildlich ist die Gegend zwischen Hunsrück und Eifel was die Erzeugung von Wärme angeht. Die wird nämlich gerade mal zu elf Prozent aus alternativen Energiequellen gewonnen. Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent, der für Privathaushalte und Industrie benötigte Wärme wird mit Öl oder Gas erzeugt.

Es bestehe ein „erheblicher Handlungsbedarf“ Wärmegewinnung durch erneuerbare Energien in der Region Trier weiter auszubauen, sagte der rheinland-pfälzische Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne) gestern in Trier. Dort wurde die Wärmestudie für die Region vorgestellt. Und die zeigt: Wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist, kann die hier benötigte Wärme im Jahr 2050 gerade mal zu 45 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Vor allem die Industrie in der Eifel (allen voran die Bitburger Brauerei) und in Trier hätten einen hohen Wärmeverbrauch, sagte Bernhard Wern vom Institut für Zukunftsenergie und Stoffsysteme. Diese hat die Studie im Auftrag des Landes gemeinsam mit der Energieagentur und unter anderem den Stadtwerken Trier verfasst. Mit rund 4200 Gigawattstunden beträgt der Wärmebedarf der Industrie in der Region bei fast der Hälfte des hiesigen Gesamtbedarfs.

Es sei ernüchternd, sagte Werm, dass bis 2050 rund 800 Gigawattstunden zusätzlicher Strom aus erneuerbaren Quellen notwendig sei, um den Wärmebedarf in der Region zu decken. Selbst wenn statt wie bisher ein dann zwei Prozent alter Häuser saniert und Wärme gedämmt würden, könne der Bedarf nicht gesenkt werden. Daher appelliert Griese an die Bürger, die Energieversorung selbst in die Hand zu nehmen. Etwa durch die Erneuerung alter Heizungen durch Solarthermianlagen, die mit Hilfe von Sonnenergie für Wärme sorgen. Im Gegensatz zu Gas oder Öl, für die regelmäßig gezahlt werden müsse, erfordere die Installation einer solchen Solaranlage eine einmalige Investition. „Danach scheint die Sonne umsonst“, wirbt der Staatssekretär für diese Art der Energiewende. Für die Jahreszeiten, in denen weniger häufig die Sonne scheine, könne Wärme durch Wärmepumpen erzeugt werden. Auch wenn sich mehrere Haushalte oder ganze Dörfer zu einem Wärmenetz zusammenschließen und die benötigte Wärme etwa durch Solaranlagen oder zentrale Holzhackschnitzel-Heizkraftwerke erzeugt würden und dann entsprechend verteilt werde, könne Energie gespart werden, sagte Wern. 150 Gemeinden in der Region eigenen sich laut der Studie für solche Nahwärme-Systeme. Dabei könnte auch die Industrie eine bedeutende Rolle spielen, wenn etwa die Abwärme der Firmen für solche Wärmenetze benutzt würde.

Die Trierer Stadtwerke (SWT) setzen mit ihrem Regionalen Verbundsystem Westeifel, bei dem unter anderem eine 80 Kilometer lange Versorgungsleitung für Wasser, Strom, Gas und schnelle Internetverbindung, darauf, dass die Landwirte, die derzeit mit den insgesamt 48 Biogasanlagen in der Region Strom erzeugen, stattdessen künftig den Stadtwerken das Gas liefern, sagte SWT-Vorstand Arndt Müller. Mit diesem Gas sollen dann Blockheizkraftwerke etwa in Trier betrieben werden, die den Wärmebedarf unter anderen in Kliniken decken sollen. Noch seien nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft aus alternativen Quellen Energie zu erzeugen, sagt der Staatssekretär. Als Beispiele nennt er Klärschlamm und auch derzeit in der Region ungenutzte Bioabfälle, die in Biogasanlagen in Gas und damit in Strom und Wärme umgewandelt werden könnten.