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Gästezahlen brechen weg

Handlungsbedarf gibt es auch beim Thema Radfahren. Heute gibt es zwar gute Routen wie den 207 Kilometer langen Nahe-Hunsrück-Mosel-Radweg, aber die Vernetzung ist noch ausbaufähig. Foto: Hermann Bohn
Handlungsbedarf gibt es auch beim Thema Radfahren. Heute gibt es zwar gute Routen wie den 207 Kilometer langen Nahe-Hunsrück-Mosel-Radweg, aber die Vernetzung ist noch ausbaufähig. Foto: Hermann Bohn
Von MORBACH. Die Zahlen sind alarmierend: Der Tourismus in der Einheitsgemeinde Morbach ist deutlich rückläufig. An die Traummarke von 80 000 Übernachtungen von 2002 ist derzeit nicht zu denken. Diesem Abwärtstrend will man im Rathaus gemeinsam mit den Leistungsträgern entgegensteuern. ARRAY(0x2a3d27888)

Auch wenn die Dezember-Zahlen offiziell noch nicht vorliegen, die Entwicklung ist eindeutig: Nach 76 515 Übernachtungen 2004 sind es im Jahr drauf nur rund 67 000 gewesen. 23 200 Gästen (2204) standen 2005 21 250 gegenüber. Schließlich fehlen durch die Jugendherberge bis zu 13 000 Übernachtungen. Doch weder Tourismus-Chef Karl-Heinz Erz, noch Bürgermeister Gregor Eibes wollen die derzeitige Situation allein auf die Ende 2003 geschlossene Einrichtung schieben. Rückläufig sind teilweise auch die Belegungszahlen von Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.Gemeinde will eigene Pakete schnüren

Bei manch anderer Gemeinde sieht es deutlich schlechter aus. Allerdings findet Eibes das wenig tröstlich. "Wir müssen unsere Situation analysieren und sie verbessern", macht er die Zielrichtung klar. Und da gibt es viel zu tun. Im Bereich der Pauschal-Angebote sieht Eibes dringenden Handlungsbedarf. Zwar habe die Hunsrück Touristik einige Pakete entwickelt, doch für die örtlichen Leistungsträger seien sie nicht sonderlich attraktiv. Meist falle dabei nur eine Übernachtung in Morbach an. Das will der Bürgermeister allerdings nicht als Kritik an der Regionalagentur verstanden wissen. Dennoch müsse die Gemeinde eigene mehrtägige Angebote stricken. Ihm schweben vor allem Projekte im Zusammenhang mit Wandern, Radfahren und Nordic Walking vor. In allen genannten Bereichen müsse sich etwas tun. Zum Beispiel Wandern: Von einer "fast inflationären Ausweisung und Beschilderung von Wanderwegen" spricht der Fremdenverkehrsfachmann Erz. Eine bessere Koordination sei vonnöten. Auch vom neuen Premiumwanderweg, dem Saar-Hunsrück-Steig, der quer durch die Gemeinde verläuft (der TV berichtete) verspricht man sich einiges. Auch der Bereich Rad fahren soll einen deutlichen Schub bekommen. "Stiefmütterlich" sei dieser Bereich in der Vergangenheit behandelt worden, glaubt auch der Bürgermeister. Wegen der topografischen Lage sei der Hunsrück nur etwas für Hochleistungssportler, beschreibt Eibes den Irrtum vergangener Jahre. Mittlerweile gibt es zwar gute Radrouten, aber sie können nach Ansicht von Eibes deutlich besser ausgebaut, vernetzt und vermarktet werden. Wichtig ist den Morbachern beispielsweise eine Verbindung zwischen dem Nahe-Hunsrück-Mosel- und dem Hochwald-Ruwer-Radweg. Eine Radkarte für den gesamten südwestlichen Hunsrück werde derzeit von der Hunsrück Touristik vorbereitet und soll 2007 vorliegen. Auch Nordic-Walking-Trails werden derzeit in Morbach erarbeitet. Auf die Tube drücken will Eibes auch in Sachen Draisinenbahn. Bis Ende des Jahres müsse endlich eine Grundsatzentscheidung über die Nutzung der Hunsrück-Bahnstrecke getroffen sein. Defizit bei der regionalen Identität

Der Bürgermeister will allerdings nicht bei der Verbesserung der touristischen Infrastruktur bleiben. "Wir haben unsere regionale Identität noch nicht gefunden", spricht er ein weiteres Problemfeld an. Die Eifel mache das vorbildhaft vor. Nachholbedarf gebe es zum Beispiel bei regionaler Küche auf den Speiseplänen in der Gastronomie. Auch die Vermarktung soll sich, geht es nach ihm, erheblich ändern. Die Priorität für den Tourismus müsse bereits im Internet-Auftritt sichtbar sein. Das bedeutet eine deutlich veränderte Homepage der Gemeinde, "inklusive der Darstellung unserer Leistungsträger". Auch die Themen Buchbarkeit per Internet und Klassifizierung will Eibes angehen. Dass dies eine "harte Nuss" für viele Betriebe wird, ist Eibes klar. Ein erstes Gespräch mit Vertretern des Gewerbe- und Verkehrsvereins findet im kleinen Kreis bereit morgen, Mittwoch, statt.