200 Bürger bei Informationsveranstaltung zum Medizinischen Versorgungszentrum in Zerf

200 Bürger bei Informationsveranstaltung zum Medizinischen Versorgungszentrum in Zerf

Vier in Zerf ansässige Ärzte haben bei einer Informationsveranstaltung im Pfarrheim vor 200 Zuhörern Perspektiven für ein mögliches Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Ort aufgezeigt. Investor Gerd Beiling stellte dabei das bauliche Konzept eines Mehrzweckhauses vor.

Planungsskizze zum Umbau des Anwesens Schneider zum Medizinischen Versorgungszentrum. Zeichnung: Investor. Foto: Hans Muth (hm) ("TV-Upload Muth"

Zerf. Die medizinische Versorgung zu sichern, das haben sich die Zerfer Ärzte Drs. Barbara Adenauer, Klaus Roth, Volker Hartmann und Gerhard Nieswandt auf ihre Fahnen geschrieben. Um den Bürgern ihre Vorschläge zu unterbreiten, hatte der Verein "Gemeinsam für Zerf" zu einer Infoveranstaltung ins Pfarrheim eingeladen, deren Moderation Theo Hasse übernommen hatte. Dr. Adenauer erläuterte das Konzept, das sie auch bereits dem Gemeinderat vorgelegt hatte (der TV berichtete). "Wir denken an die Schaffung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Zerf, in welchem Ärzte in einem Angestelltenverhältnis arbeiten", erklärte die Ärztin. Wie die Erfahrung in anderen Versorgungszentren zeige, sei es dann wesentlich leichter, junge Ärzte für eine Landpraxis zu gewinnen. Die Gründung eines MVZ könne funktionieren, wenn sich ein Träger finde, der die Logistik und die Praxiseinrichtung beisteuere, sowie ein Investor, der eine Immobilie zu moderatem Preis vermiete. Mit Gerd Beiling (er betreibt in Mandern eine Schreinerei) habe man einen Investor gefunden, der bereits Eigentümer der ehemaligen Gaststätte Schneider in Zerf sei. Dieses Anwesen sei auch das Wunschprojekt der Ärzte für das angestrebte MVZ. Die Entscheidung müsse allerding noch in diesem Jahr fallen. Als Träger des MVZ solle auf jeden Fall ein Krankenhaus gewonnen werden.
Dr. Hartmann: "Gespräche sind anberaumt und werden demnächst geführt. " Darüber hinaus bedürfe es eines Finanzgebers für die Anschubfinanzierung, man habe hier bereits einen Antrag an die Ortsgemeinde gestellt. Dr. Hartmann: "Die Träger stellen uns die Frage: Bringen die Gemeinden einen entscheidungsrelevanten Anteil ein?" Dr. Adenauer machte den gemeinsamen Erfolg an vier Säulen fest. "Ärzteschaft, Träger, Investor und Gemeinde müssen verlässlich gemeinsam mit dem Projekt wachsen. Dazu müssen verbindliche Zusagen vorliegen."
Beiling stellte seinen Entwurf des Umbaus der ehemaligen Gaststätte Schneider vor. "Es wird ein barrierefreies Gebäude mit verschiedenen Funktionen. Darunter wird im Erdgeschoss ein Dienstleister, wie beispielsweise die Post, ansässig, ein Café mit Gaststättenräumen wird integriert. In den Obergeschossen werden barrierefreie Wohnungen mit der Möglichkeit der häuslichen Betreuung, mit Mahlzeiten und Putzdiensten errichtet. Eine komplette Etage ist für das MVZ vorgesehen." Der Bauantrag werde noch in diesem Jahr gestellt.
Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt steht mit der Gemeinde voll hinter dem Projekt, wie er betonte. "Aber, was machen wir, wenn es keinen Träger geben wird? Dann sprechen wir nicht mehr von 100 000 Euro." Theo Hasse antwortete: "Wenn alle Stränge reißen, müsste man vielleicht über die Trägerschaft als Gemeinde nachdenken". Der Vorschlag, eine Genossenschaft zu gründen, kam aus dem Zuhörerbereich. Die Ärzte in Kell am See zeigten ebenfalls ein großes Interesse an einem MVZ, sagte Dr. Hartmann. Beide Standorte blieben dabei erhalten, das sei ein wichtiger Punkt.
Das 200-köpfige Auditorium stand dem Projekt positiv gegenüber. "Wir brauchen die Ärzte", hieß es, "was gibt es da noch zu überlegen?", oder: "Es werden doch auch andere Projekte finanziert, wenn sie entfielen, nicht solche Konsequenzen beinhalten wie der Verzicht auf die Einrichtung eines MVZ".

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