50 Jahre Commerzbank in Saarburg: Mit 99 000 Mark im Auto nach Trier

50 Jahre Commerzbank in Saarburg: Mit 99 000 Mark im Auto nach Trier

Als die Saarburger Commerzbank 1967 eröffnet, gibt es keine Geldtransporter, keine Bankautomaten und erst recht kein Internet. Bei der Jubiläumsfeier der Bank wird der enorme Wandel der Branche deutlich.

Das erste Domizil der Saarburger Commerzbank war das Haus in der Graf-Siegfried-Straße 12 (links), zuvor ein Uhren- und Schmuckladen. Seit 1990 residiert das Geldhaus in dem unter Denkmalschutz stehenden Haus Singer (rechts). Zur Jubiläumsfeier treffen sich mehrere Banker-Generationen (Mitte): Die drei bisherigen Filialleiter der Commerzbank in Saarburg, Kurt Berschens (links), Petra Meier und Erhard Thomas (rechts), feiern mit dem Niederlassungsleiter Trier/Mainz, Jacob Hauptmann. TV-Fotos (3): Marion Maier, Historisches Archiv Commerzbank. Foto: (h_sab )
Foto: (h_sab )
Foto: (h_sab )

Die Filiale bleibt in der Stadt, und außerdem ist die Bank auf vielen weiteren Kanälen zu erreichen: ob per E-Mail, Telefon, Online-Banking, App auf dem Handy oder im Videochat. Multikanalbank heißt das Schlagwort. So hat sich die Saarburger Commerzbank zu ihrem 50. Geburtstag präsentiert. Zum Jubiläumsempfang hatten Filialdirektorin Petra Meier und ihr dreiköpfiges, rein weibliches Team die Kunden eingeladen. Mehr als 50 Gäste feierten im Bankraum.

Auch Mitarbeiter der ersten Stunde waren da. Erhard Thomas war Leiter der ersten Filiale in Saarburg, die 1967 eröffnet wurde. Multikanalbank war damals noch ein Fremdwort. Thomas erinnert sich, was damals zählte: "Aussschließlich Vertrauen war wichtig. Die Commerzbank konnte damals nur Fuß fassen, weil sie mich als Saarburger dorthin geschickt hat. Ich kannte die Leute."
Auch, um an das erste Domizil der Bank zu kommen, setzte der heute 78-Jährige auf vertrauensbildende Maßnahmen: "Jeden Abend bin ich bei dem Inhaber des Schmuck- und Uhrenladens - Rouget hieß er - in der Graf-Siegfried-Straße 12 vorbeigegangen und habe ein Bier mit ihm getrunken." Manchmal gab es auch härtere Getränke.
Die Strategie ging auf. Die Commerzbank zog mit ihren drei Mitarbeitern ein. Der Schmuckhändler war der erste Kunde, Thomas kennt noch heute seine Kontonummer auswendig. Die Geschäfte liefen damals laut dem damaligen Filialleiter gut, besonders das Wertpapiergeschäft, das bis zu zehn Prozent Zinsen abwarf. Die Leute hätten zuvor nur das Sparbuch mit mageren 0,75 Prozent Zinsen gekannt, sagt Thomas. Der Gewinn überzeugte, die anfängliche Skepsis wich. Nach einem Jahr wurde Thomas auf dem Gau gefragt: "Hädd er noch so ebbes?"
Nicht nur die Zinsen waren damals andere, auch die Sicherheitsvorkehrungen. Es gab noch keine Geldtransporterfirmen. Bankangestellte durften Beträge unter 100 000 Mark selbst befördern. Erhard Thomas brachte das in Saarburg erwirtschaftete Geld und die Buchungsunterlagen täglich nach Trier und war dann schon mal mit 99 000 Mark im Auto unterwegs.

Die erste Bleibe der Commerzbank wurde nach einigen Jahren zu eng. 1977 zog das Geldhaus in die 40 Meter entfernte Graf-Siegfried-Straße 13 um. "Dort war vorher ein Edeka-Laden drin", erzählt Thomas. "Unsere Räume waren doppelt so groß, wir waren aber auch sechs Leute."

Privat- und Firmenkundengeschäft expandierten weiter. 1990 stand der dritte Umzug in das sogenannte Haus Singer an, ein imposantes Patriziergebäude am Markt, in dem zuvor Bücher Volk untergebracht war. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde komplett renoviert und umgebaut. Aus Denkmalschutzgründen wurde die Treppe vom vorderen Teil des Hauses in den hinteren verlegt.

1992 ging Erhard Thomas nach Schmalkalden in Ostdeutschland und baute dort eine neue Filiale auf. Sein Nachfolger wurde Kurt Berschens. In seine Zeit fiel die Inbetriebnahme des ersten Geldautomaten 1996. "Am Anfang mussten wir die Leute noch an die Hand nehmen und ihnen zeigen, wie der Automat funktioniert", erinnert sich Berschens. "Manche haben sich gewundert, dass die Klappe aufging und tatsächlich Geld rauskam." Der Automat, der heute noch vor der Tür angebracht ist, erleichterte Kunden und Bankangestellten das Leben. Die Kontoinhaber konnten rund um die Uhr Geld ziehen. In der Filiale musste nicht mehr so viel Geld vorgehalten werden.

Seit April 2006 leitet Petra Meier die Saarburger Filiale. In dem Jahr, in dem sie kam, wurde das Gebäude am Markt wieder umgebaut. Die Kasse wurde entfernt, neue Beraterplätze wurden geschaffen. Meier blickt auf eine erfolgreiche erste Jahreshälfte 2017 zurück: "Wir haben in den ersten fünf Monaten 125 neue Kunden gewonnen." Dies führt sie auf das weiterhin kostenlose Girokonto und das Bekenntnis zu den Filialen zurück. 3130 Kunden betreut die Saarburger Filiale.

Mehr von Volksfreund