Der Neue übernimmt das Ruder

Mit einer Zustimmungsquote von knapp 89 Prozent hat die Trierer CDU am Freitagabend Maximilian Monzel zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 45-jährige machte deutlich, die Partei neu aufstellen zu wollen.

Trier Ein Wahlergebnis um die 75 Prozent, darauf hatte Maximilian Monzel noch am Tag vor dem Parteitag der CDU gehofft. Das war eine bescheidene Ansage. Oder der 45-Jährige hatte tatsächlich Angst, dass die Basis in ihm nicht den Hoffnungsträger sehen könnte, den die Trierer Christdemokraten so dringend brauchen.
Schließlich hatte der promovierte Betriebswirtschaftler im Vorfeld mehr als deutlich gemacht, was die Partei unter seinem Vorsitz zu erwarten habe. Bei der CDU gebe es ein falsches Verständnis davon, was "innerparteiliche Demokratie" bedeute, hatte er im Gespräch mit dem TV kritisiert. Und damit gemeint, dass einige ambitionierte Parteimitglieder der Meinung seien, am Vorstand vorbei regieren zu können. Etwa, indem sie ihre eigenen Meinungen mit starker Präsenz in sozialen Netzwerken wir Facebook kund taten - häufig vorbei an der Parteispitze.
Auch intern hatte Monzel klar gemacht, dass er an seine Kandidatur Bedingungen knüpft. Dass er den Ton angeben will. Und dass die Stadtratsfraktionen der verlängerte Arm der Partei im Stadtrat ist - und dort kein eigenes Süppchen zu kochen hat.
In seiner Vorstellungsrede beim Kreisparteitag am Freitagabend im IAT-Tower in Trier-Nord schlug Monzel zuerst sanfte Töne an und milderte so die angespannte Erwartungshaltung ab. "Wir machen hier keine Bundespolitik und keine Landespolitik. Wir wollen nicht die Welt retten, sondern uns um unsere Stadt, um Trier kümmern", sagte er. Dafür müsse man zusammenhalten, man dürfe sich nicht gegenseitig die "Stelzen wegschlagen" und sich nicht "gegenseitig ans Zeug flicken", warb Monzel für mehr Geschlossenheit.
Das große Ziel sei die Kommunalwahl 2019. "Wenn der Bürger in eineinhalb Jahren sein Kreuzchen macht, dann muss er sich die Frage beantworten können, wofür die Trierer CDU steht. Das müssen wir herausarbeiten. Wir können nicht hoffen, dass die Wähler sagen: Naja, die haben sich ja gut durchlaviert, das ist schon in Ordnung gewesen. Der Bürger will Klarheit über unser Programm."
Die Kritik an seinem Vorgänger Udo Köhler, der nicht mehr zur Wahl als Parteivorsitzender antrat, verpackte Monzel weich. Köhler habe "auf seine Weise gute Arbeit" geleistet und dabei "Dinge gemacht, die andere vorher anders gemacht haben", sagte Monzel. "Udo Köhler war von Ihnen gewählt, um genau dies zu tun."
Von den 107 Wahlberechtigten stimmten bei den anschließenden Neuwahlen 95 CDUler für Monzel als neuen Kreisvorsitzenden. Bei neun Nein-Stimmen und drei Enthaltungen konnte der Neue damit eine Zustimmungsquote von knapp 89 Prozent für sich verbuchen.
Doch nicht alle hatten bei dem Parteitag den Spaß, den Monzel sich in seiner Rede für das gemeinsame Politikmachen wünschte. Zumindest Jutta Albrecht war anzusehen, dass ihr der Umbruch in der Partei zusetzt. Die 56-Jährige hatte bei der Vorstandssitzung am Freitag vorvergangener Woche darauf gehofft, dass der Vorstand sie als neue Parteivize installieren wolle. Schließlich ist die Stadträtin und Vorsitzende der Frauenunion eine der engagiertesten und wohl auch bekanntesten CDU-Mitglieder im Stadtverband.
Aber Monzel - und die Mehrheit des alten Vorstands - entschieden sich dagegen, die Mariahoferin für den engeren CDU-Führungskreis zu nominieren. Stattdessen schlug der Parteivorstand für die drei Stellvertreterposten Udo Köhler, Elisabeth Tressel und Thorsten Wollscheid vor. Tressel und Wollscheid hatten diese Ämter bereits im alten Vorstand besetzt. Dass Udo Köhler als Parteivize antritt - obwohl er als Fraktionsvorsitzender ohnehin einen Platz im engeren Parteivorstand hat - hatte Monzel sich ausdrücklich so gewünscht.
In einer kurzen Ansprache erklärte Jutta Albrecht: "Der Kreisvorstand ist meinen Argumenten, warum ich besser als andere als Vizevorsitzende geeignet bin, nicht gefolgt. Nun bin ich von der Frauenunion für diesen Posten allerdings vorgeschlagen worden. Aber ich will nicht als Gegenkandidatin zu einem vom Vorstand nominierten Bewerber antreten. Es ist das Recht des neuen Vorsitzenden, sich seinen engeren Kreis auszuwählen."
Die Mariahoferin trat dann auch nicht für einen der zehn Beisitzerposten an.
24 andere Bewerber stellten sich dafür zur Wahl. Und noch einmal ergriff der frisch gewählte Vorsitzende Monzel das Wort und bat die Basis um ihr Votum für speziell drei neue Beisitzerkandidaten. Er wünsche sich Markus Leineweber, Hausoberer des Brüderkrankenhauses, Stadtplaner und Architekt Monty Klepzig und Karl-John Ringelmann, Leiter der Pax-Bank Trier, als Beisitzer, appellierte Monzel an die Partei. Alle drei könnten ihm mit ihrer großen fachlichen Kompetenz in verschiedenen Bereichen beistehen.
Monzels Werben erhörte die Basis nur teilweise. Lediglich Markus Leineweber wurde als Beisitzer gewählt - dafür aber mit dem besten Ergebnis (siehe Extra).Extra: VORSTANDSWAHLEN BEI DER CDU


Parteivorsitzender: Max Monzel (95 Ja-Stimmen, 12 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung) Vize-Vorsitzende: Udo Köhler (99 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen), Elisabeth Tressel (88 Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung), Thorsten Wollscheid (97 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung). Schatzmeister: Jörg Reifenberg (101 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen). Beisitzer: Markus Leineweber (74 Stimmen), Dorothee Bohr (72 Stimmen), Matthias Melchisedech (70), Bernd Kettern (61), Güllü Temizsoy (60), Charlotte Thul (58), Sarah Rau (48), Hesham M-Said (47), Eva-Maria Jeibmann (46). Robert Mäling (38). Hiltrud Zock, die dem alten Vorstand als Beisitzerin angehörte, trat erneut an, wurde aber nicht gewählt. Auch Markus Römer, CDU-Vorsitzender in Mitte-Gartenfeld und Initiator des Bürgerbegehrens für den Erhalt der Tankstelle in der Ostallee, sammelte zu wenige Stimmen, um als Beisitzer gewählt zu sein.