Freilichtmuseum Roscheider Hof eröffnet die neue Saison

Kultur : Roscheider Museum startet ohne Hofschänke in die neue Saison

Die Freiluftsaison im beliebtesten Touristenziel in Konz beginnt am Sonntag, 25. März. Diesmal gibt’s zum Auftakt wieder eine neue Ausstellung, allerdings auch eine schlechte Nachricht.

Die Hofschänke im Freilichtmuseum Roscheider Hof sieht verlassen aus. Der Schaukasten an dem Gebäude im Innenhof ist leer. Normalerweise hängt dort die Speisekarte für das Gasthaus mit 150 Plätzen im Inneren und 140 Plätzen im Biergarten. Doch wer in diesem Jahr versucht hat, in der Schänke einzukehren, wurde enttäuscht. Die derzeitigen Pächter haben laut einer öffentlichen Bekanntmachung des Amtsgerichts Trier am 24. Januar Insolvenz angemeldet. Die Insolvenzverwaltung hat die Trierer Kanzlei Thomas B. Schmidt übernommen. Dort erklärt Pressesprecherin Rebeca Benra auf TV-Anfrage, dass ein vorläufiges Insolvenzverfahren laufe (siehe Info). „Der Geschäftsbetrieb des insolventen Betriebes wurde Anfang Januar 2018 eingestellt“, sagt sie. Die Betreiber hätten nicht vor, die Geschäfte wieder aufzunehmen. Allerdings sei der Pachtvertrag noch nicht gekündigt. Gespräche mit dem Verpächter seien aufgenommen worden. Weil die Kanzlei ihre gutachterliche Stellungnahme gegenüber dem Insolvenzgericht erst in Kürze abgeben will, nennt die Kanzleisprecherin keine weiteren Details.

Roscheider Hof startet Freiluftsaison 2018

Der Vorsitzende des Museumsvereins, Helge Klaus Rieder, ist kurz vor der Eröffnung der Freiluftsaison am Sonntag, 25. März, nicht gerade begeistert von der Situation. Die Pachteinnahmen fehlten dem Verein, deshalb wolle er das Vertragsverhältnis gerne beenden, sagt Rieder. Er hoffe, dass das Verfahren schnell abgeschlossen und ein neuer Pächter gefunden werde. Mehr könne er zurzeit zu dem Verfahren nicht sagen. Aber das Verhältnis der beiden Parteien in dem Verfahren ist schon seit dem vergangenen Sommer zerrüttet (siehe Info).

Den Auftakt in die Freiluftsaison will Rieder sich trotz der Querelen um die Hofschänke nicht vermiesen lassen. Und das Museumsteam hat auch – wie gewohnt – eine neue Ausstellung vorbereitet. Zwar fällt sie diesmal klein aus, aber es gibt aus Sicht von Rieder einige sehenswerte Exponate. Die Ausstellung hat den Titel „In kleinster Weise“. Sie vergleicht Gebrauchsgegenstände in Originalgröße mit entsprechenden Spielzeugexemplaren und wird am Sonntag, 25. März, 15 Uhr, eröffnet.

Rieder führt den TV schon vorher zu den Exponaten: Sie stehen in einem kleinen Bereich im Besucherzentrum: Das sind zum Beispiel alte Verpackungen von Putz- oder Waschmittel, einmal in der normalen Größe, einmal als Spielzeug. Oder kleine Zinnsoldaten stehen direkt neben einem echten Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht. Das alles ist nicht so harmlos, wie es auf den ersten Blick erscheint. Rieder: „Da sieht man, wie die Kinder schon an diese Sachen gewöhnt werden sollten.“ Als Beispiel nennt er Marken wie Maggi oder Persil. Die Spielstube habe die Kinder auf das Wirtschaften, Spülen, Putzen und Ordnunghalten im Erwachsenenleben vorbereitet. Die Rollen von Mann und Frau waren dabei streng getrennt, Jungs sollten zum Militär, Mädchen in die Küche – in der Spielzeugwelt genauso wie in der Realität.

Doch die kleine Ausstellung ist aus Sicht des Museumsvereinsvorsitzenden allenfalls ein Appetithappen für das, was noch kommt. Vor allem die Sonderausstellung „Von der Kuh ins Kühlregal“ preist Rieder an. Sie wird beim Rosenblütenfest am Sonntag, 17. Juni, eröffnet und ist dann bis zum Saisonende 2018 zu sehen. Die Wanderausstellung informiert mit Texten, Fotografien und einer Auswahl an einzigartigen Objekten über etliche Facetten der Milchgewinnung. Es geht um die Milchverarbeitung und den Milchkonsum und deren Entwicklung von 1900 bis heute. Zurzeit ist die Wanderausstellung im Freilichtmuseum Lindlar (Nordrhein-Westfalen) zu sehen.

Neue Exponate hat das Konzer Freilichtmuseum laut Rieder auch. Unter anderem habe der Roscheider Hof den Bestand des Trierer Klosters St. Clara erhalten, nachdem der Schweigeorden der Klarissen-Kapuzinerinnen von der Anlage auf dem Petrisberg nach Mainz umgezogen ist.

Im Besucherzentrum steht jetzt ein Karren, der mit einem Teil des Materials beladen ist. Komplett ausgewertet sei der Klosterbestand aber noch nicht, sagt Rieder. Das Museumsteam sei ausgelastet: „Wir können nicht mehr wesentlich wachsen.“ Personell und finanziell gebe es kaum Entwicklungsspielraum, obwohl theoretisch weitere Flächen zur Verfügung stünden. Das Team bewege sich zudem permanent im Spannungsfeld zwischen kommerzieller Notwendigkeit und wissenschaftlichem Anspruch. Und notwendig wäre aus Sicht des Vereins, dass die Besucher etwas zu trinken und zu essen bekommen. Vorerst muss das Museum dazu improvisieren. Für Sonntag verspricht Rieder eine Grundversorgung mit Wein und Wasser.