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Gescheiterte Gangster und Sadisten in Ballonseide

Gescheiterte Gangster und Sadisten in Ballonseide

Nicht immer ist der erhobene Zeigefinger nötig, auch mit Humor kann man gegen Intoleranz und Vorurteile etwas ausrichten. Das haben die vier Künstler der Toleranz-Comedyshow in Hermeskeil bewiesen. Die Veranstaltung war der Schluss- und Höhepunkt eines Aktionstags am Gymnasium.

Hermeskeil. Der betrunkene Russe, die unterdrückte Türkin, der kriminelle Schwarze, der grausame Sportlehrer - an dieser Palette gesellschaftlicher Klischees und Vorurteile arbeiten sich die Künstler der Toleranz-Comedy-show in Hermeskeil genüsslich ab. Vor etwa 500 Gästen, darunter viele Vertreter der Lokalpolitik, liefern sie am Montagabend in der Hochwaldhalle den krönenden Abschluss des Toleranztages am Gymnasium Hermeskeil. Den Aktionstag hatten Schülervertreter organisiert (siehe Text oben), um an ihrer Schule Werte wie Toleranz und Respekt zu stärken.
Die vier Komiker widmen sich dem Thema auf ihre ganz eigene Weise. "Dass Ausbilder Schmidt eine Toleranzshow moderieren darf, ist schon mal sehr tolerant", verkündet Kabarettist Holger Müller aus Idar-Oberstein, der in seiner Rolle als Bundeswehr-Ausbilder die Show moderiert. Er hat das Publikum voll im Griff - dank Sprüchen wie "Was haben eine Frau und eine Handgranate gemeinsam? Ziehst du den Ring ab, ist das Haus weg!"
Gewohnt politisch unkorrekt brüllt er seine Kommandos, droht Zuschauern mit Liegestützen und treibt seinen Spaß mit Schulleiter Arno Ranft, den er den Ruf eines Waldkäuzchens imitieren lässt.
Der Star des Abends ist allerdings Bastian Bielendorfer. Der Autor von "Lebenslänglich Pausenhof" schildert in urkomischen Episoden sein Leben als Kind zweier Lehrer, das "im taubenkotgrauen Pädagogen-Passat" mit zur Arbeit fahren musste. Beim Bericht über den Auftritt in Günther Jauchs Quizshow - "Mein Vater, der unfreundlichste Telefonjoker aller Zeiten" - wischen sich viele Zuschauer die Lachtränen aus den Augen. Den Gipfel der Situationskomik erklimmt Bielendorfer, als er von seinem Versagen bei den Bundesjugendspielen erzählt - gedemütigt durch den Sportlehrer, "diesen Sadisten in Ballonseide".
Gleich in drei Rollen schlüpft Liza Kos. Als Deutsche, Russin und Türkin erklärt sie, was Deutschland beim Thema Integration "falsch verstanden" habe: "Kopftuch ist keine Unterdrückung. Das ist Stringtanga."
Simon Pearce macht einen Ausflug zu den "nicht so toleranten" Bayern, deren "politische Gesinnung" er "schon auf der Haut" trage. Mit vollem Körpereinsatz lässt er die Zuschauer an seinen vergeblichen Versuchen teilhaben, zu beweisen, dass er "ein richtiger Neger und Gangster" ist.
Nach fast drei Stunden treten die Schüler auf die Bühne und bedanken sich bei den Künstlern und Helfern des Toleranztags. Das Publikum applaudiert begeistert. "Klasse, ein perfekter Start in die Woche", bringt der Hermeskeiler Stadtbeigeordnete Willi Auler die Stimmung auf den Punkt. Viele Besucher verlassen die Halle mit einem Lächeln im Gesicht. cweb