Sprengung der Sprachbarriere

HERMESKEIL. Manche Städtepartnerschaften werden nach einiger Zeit zur lästigen Verpflichtung, die von trägen Arbeitskreisen insgeheim verwünscht wird. Doch im Fall von Hermeskeil und St. Fargeau liegt die Sache anders. Obwohl bereits das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft unmittelbar bevorsteht, gibt es keine Spur von Trägheit.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen der Stadt im Hochwald und dem französischen St. Fargeau. Vielmehr war es eine Muss-Ehe zwischen den beiden Partnern. Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund, die auf Landesebene bereits bestand, sollte damals auch auf Städteebene gefördert werden. "Wir hatten die Wahl zwischen drei Gemeinden", erinnert sich Herrmann Speicher, Vorsitzender des Arbeitskreises St. Fargeau-Hermeskeil. Die damaligen Bürgermeister von Hermeskeil und St. Fargeau verstanden sich auf Anhieb - so war die Partnerwahl schnell entschieden. Es gibt bundesweit einige Präzedenzfälle dafür, dass Partnerschaften mit einem solchen Hintergrund zum Scheitern verurteilt sind. Doch dieser Fall liegt anders. Nach ersten gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Feiern und Freizeitaktivitäten ist, um bei der Wortwahl des Arbeitskreises zu bleiben, aus der "Muss-Ehe" eine "wahre Liebe" geworden. "Wir sind Freunde", sagt Beate Gales. "Wir sind eine große Familie", schwärmt Elke Heck. Selbst der offizielle Teil der gegenseitigen Besuche läuft locker ab, "denn Freunde verstehen sich ohne viele Worte", sagt Hermeskeils Stadtbürgermeisterin Ilona König. Diese Herzlichkeit ist zu spüren. Begeistert wurde jetzt eine 50-köpfige Delegation aus St. Fargeau im Hochwald aufgenommen. Im Hermeskeiler Johanneshaus lassen die französischen Gäste ihre vier Tage im Hochwald Revue passieren.Schmuggler und Burgherren

Ob die Schmugglertour in Gusenburg, der Besuch der Grimburg oder des Hermeskeiler Freibads - Spaß war immer mit von der Partie. Die Beständigkeit der Partnerschaft zeigt sich nicht nur in den gegenseitigen Besuchen. Jugendaustauschprogramme über die Schulen und Kontakte zwischen den Vereinen sorgen dafür, dass die Jugend sich begegnet. Die Sprachbarriere wurde gesprengt. Beide Seiten werden immer besser in der Beherrschung der jeweils anderen Landessprache. "Und wenn die Worte fehlen, sind Wörterbücher, Hände und Füße unsere zusätzlichen Hilfsmittel", sagt Elke Heck. "Nach zwei Gläsern Rotwein werden die Sprachschwierigkeiten immer geringer." Einer war von Anfang an dabei: Michel Dureux kommt seit 29 Jahren nach Hermeskeil. Der Mann besteht nur aus Superlativen: Er liebt die deutsche Sprache, die grüne schöne Landschaft in und um Hermeskeil, und er mag die Gastfreundlichkeit der Hochwälder. Während des Treffens der beiden Arbeitskreise drehten sich die Gespräche um die Feier des 30-jährigen Bestehens der Partnerschaft im nächsten Jahr. Die Franzosen kommen während der Stadtwoche in den Hochwald, und die Hermeskeiler starten Ende August zum Gegenbesuch.

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