Wie eine Zeitreise in die Vergangenheit

Wie eine Zeitreise in die Vergangenheit

1000 Besucher sind am Wochenende in die Geschichte vor mehr als 100 Jahren eingetaucht. Soldaten übten beim Manöver in dem Hunsrückweiler. Zivilisten versorgten die Truppe des Kaisers. Das sonst menschenleere Dorf wurde lebendig und erlebbar.

Foto: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"

Konz-Roscheid. Zum 6. Mal haben sich am Wochenende Soldaten im historischen Hunsrückdorf des Freilichtmuseums Roscheider Hof einquartiert und den Ernstfall im Manöver geübt.
Mario Zutt ist Feldwebel und Chef der Darstellergruppe des Infanterieregiments 30 aus der Region, der Fußartillerie 9 aus Koblenz und der Alten Armee, deren Mitglieder aus ganz Deutschland kommen. Zutt lässt zum Manöver antreten. "Wir verrichten hier Patrouillendienst und üben das Meldeverfahren mit damals modernster Fernmeldetechnik", erklärt der Freizeitsoldat aus Kaisers Zeiten. Auf Kampfdarstellungen werde verzichtet, schließlich gehe es um das Jahr 1912, das Jahr, in dem die Titanic im Atlantik versank.
Gut für die "Wirtschaft", das Gasthaus des Dorfes, war der Aufenthalt der Soldaten für die Dorfbewohner, dargestellt von zusammen 50 Leuten, die das Leben der guten alten Zeit zeigten. "Auch der Kaufmannsladen und der Schuster können etwas an den Soldaten verdienen", meint Zutt. Der Nachteil ist, wenn Soldaten einquartiert werden, müssen die Dorfbewohner halt zusammenrücken.
Die Soldaten bringen auch Neuigkeiten mit ins Dorf, dessen Bewohner in früherer Zeit im ganzen Leben kaum 20 Kilometer weit ins Umfeld kamen. "Soldat zu sein hatte viele Vorteile. Es gab regelmäßige Mahlzeiten und ein eigenes Bett", erklärt der Feldwebel den Besuchern, die sich für die Umstände und die Ausrüstung der Vaterlandsverteidiger interessierten. Rund 1000 von ihnen tauchten an zwei Tagen in die Geschichte ein.
Horst Mertens lebt ganz in der Nähe und ist dennoch immer wieder vom Museumsdorf fasziniert: "Das ist einfach einmalig hier, wie die Geschichte lebendig wird. Das ist gerade für uns Roscheider wichtig."
Steffen und Theresa staunen, was ihnen Puppenmacherin Melitta Wasniewski erzählt: "Mit solch einer Puppe haben Kinder vor mehr als 100 Jahren gespielt." Alle Produktionsschritte für eine Puppe kann sie zeigen.
Bianca Lombardo freut sich im Kolonialwarenladen von Angela Schwender: "Das ist so gemütlich hier. Da ist man als Kunde noch etwas Besonderes."
Derweil brät Angela Becker in der historischen Küche Frikadellen für die Soldaten. Ihr Mann Frank stellt einen Schuster dar, der die Stiefel der Soldaten mit neuen Nägeln beschlägt.
Der Verkaufsschlager des Wochenendes kommt aus dem Steinbackofen von Jochen Schwender von der Historischen Darstellergemeinschaft Infanterieregiment 30, Graf Werder. Der Diplom-Biologe schlüpft in die Bäcker-Montur und backt Brot, das kaum Zeit hat zu erkalten, so schnell verkauft es sich bei den Besuchern.
Eingepackt wird es in Papiertüten, versteht sich, denn Plastik gab es vor 100 Jahren noch nicht. "Früher hatte die einfache Landbevölkerung ja nichts zu melden", erklärt Museumsleiter Ulrich Haas einen besonderen Aspekt. "Die mussten sich der Obrigkeit beugen."
Nicht nur Werner Pütz aus Könen ist voll des Lobes. Alles sehe authentisch aus. "Da steckt bestimmt viel Arbeit dahinter." doth
Mehr Informationen über das Freilichtmuseum und das Museumsdorf finden Interessierte im Internet unter der Adresse
www.roscheiderhof.de