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Wie ein Kölner Schuhmacher Konz veränderte

Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Udo Lambert, Josef Schneider, Alibert Schmitt, Martin Nober (Präses), Josef Maximini und Walter Bartel (von links) wollen mit möglichst vielen Menschen 100 Jahre Kolpingsfamilie feiern.
Der Vorstand im Jubiläumsjahr: Udo Lambert, Josef Schneider, Alibert Schmitt, Martin Nober (Präses), Josef Maximini und Walter Bartel (von links) wollen mit möglichst vielen Menschen 100 Jahre Kolpingsfamilie feiern. FOTO: Herbert Thormeyer
Konz-Karthaus. Die Kolpingsfamilie Karthaus folgt seit 100 Jahren dem Vorbild des Reformers Adolph Kolping. Die Geburtstagsfeier dient einem bitter nötigen Zweck.

Adolph Kolping (1813-1865) gilt als Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung. Am 6. Mai gründete der gelernte Schuhmacher und Priester in Köln den Gesellenverein. Diesen stellte er in einer Predigt mit den Worten vor: „Unser Wahlspruch aber ist, Beten und Lernen und Arbeiten, alles mit Ernst und doch mit Fröhlichkeit.“

Dem folgt seit 100 Jahren die Kolpingsfamilie in Konz-Karthaus, die von ihrem Präses Jakob Reif am 11. August 1918 ebenfalls als Gesellenverein gegründet wurde.

„Wandernden Gesellen sollte so eine familiäre Struktur und damit Halt geboten werden“, erklärt der heutige Präses Martin Nober. Für Reif war diese Vereinsgründung aber auch ein Gegengewicht zu einer Entwicklung seiner Zeit, und er begründete das mit den Worten: „Der Gesellenverein wurde ins Leben gerufen, weil im Mai 1918 sozialistische Agitatoren in der Eisenbahnwerkstätte Konz auf die Jugend einwirkten und der bestehende Jünglingsverein nicht genügte.“

Trotz Problemen in den letzten Kriegsmonaten und Nachkriegsjahren entwickelte sich ein reges Vereinsleben. Im „Kaisersaal“ wurde sogar mit eigener Musikkapelle Theater gespielt.

„Heute versteht sich die Kolpingsfamilie als eine Vereinsgemeinschaft, die allen Altersgruppen unserer Gesellschaft Aktivitäten und Gestaltungsmöglichkeiten bietet“, erklärt dazu der Vorsitzende, Alibert Schmitt.

Feste Programmpunkte im Vereinsjahr sind Neujahrsfrühschoppen, Heringsessen an Aschermittwoch, Maibaumfete und Sommerfest sind gut besuchte Traditionsveranstaltungen in Karthaus, Familientag im Sommer, Kolpinggedenktag im Dezember und der Heilig-Abend der offenen Tür.

Die Kolpingsfamilie bietet auch heimische Kleinkunst. Weiter finden Vorträge über verschiedenste Themen im Rahmen der Erwachsenenbildung statt, Gitarrenkurse stehen im Angebot und sportliche Betätigung in einer Fußballsportgruppe, bei geführten Wanderungen und Tischtennisturnieren.


Den Vereinsmitgliedern geben montags der Seniorentreff und freitags ein offener Treff die Möglichkeit des geselligen Beisammenseins. Die Kolpingsfamilie beteiligt sich am öffentlichen Leben mit der Gestaltung eines Altares an Fronleichnam, ist Mitveranstalter der Karthäuser Kirmes mit Kuchenverkauf (Erlös für einen sozialen Zweck, beispielsweise für die beiden Kitas und Bedürftige) und Glühweinständen an den Martinsumzügen in Konz und Kar­thaus, stellt das Vereinshaus monatlich für den Seniorennachmittag, die Sternsinger, Karneval der Frauengemeinschaft, Messdiener der Pfarrei St. Johann und für Vereine zur Verfügung. Ebenfalls können die Vereinsräume für private Feiern angemietet werden (Anfragen an: kolping-konz-karthaus@gmx.de).


Je ein Vereinsmitglied ist gewähltes Mitglied im Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat der Pfarrei St. Johann. Die Kolpingsfamilie freut sich über jeden unverbindlichen Besuch. Eine Mitarbeit bei allen Veranstaltungen ist immer gefragt.

Udo Lambert ist Seniorenbeauftragter. Der 75-Jährige ist seit 60 Jahren Mitglied der Kolpingsfamilie. Sein Anreiz war: „Die hatten damals eine Tischtennisplatte.“ Außerdem wurde einmal im Jahr ein Zeltlager veranstaltet, für den damals 15-Jährigen eine tolle Sache mit Gleichaltrigen in der freien Natur zu campieren. Vier Jungkolpinggruppen gab es damals. „Mit Älteren zusammen haben wir sogar Diskotheken veranstaltet“, kann sich Lambert noch gut erinnern.

Ab 1954 hat die Kolpingsfamilie in einer ehemaligen Reichsarbeitsdienstbaracke ein festes Zuhause. Ab 1961 ist nach dem Genossenschaftsprinzip sogar eine ganze Kolping-Siedlung mit 15 Häusern entstanden.

Doch der Verein kämpft heute ums Überleben. Das Durchschnittsalter stieg kontinuierlich auf mittlerweile weit über 50. Aus der ehemaligen Kolpingjugend wurden gestandene Familienväter, die das Problem allerdings auch nicht lösen konnten, und auch nicht, dass evangelische Christen gerngesehene Gäste sind.

„Die Idee mit dem Zeltlager haben wir wieder aufgegriffen als Vater-Kind-Wochenende, aber die Teilnehmer sind meist keine Mitglieder“, beschreibt Vorsitzender Schmitt die Situation. Das Fest am 11. August soll auch dafür genutzt werden, um Nachwuchs zu werben.