Als wär's die Begleitmusik zum Heiligen Rock

Kaiserslautern · Zehn Jahre lang hat der Kaiserslauterner Intendant Johannes Reitmeier bewiesen, dass man mit unkonventionellem, anspruchsvollem Musiktheater auch in der vermeintlichen Provinz das Publikum gewinnen kann - wenn man ein Konzept hat. Zum Abschied hat er nun Wagners "Parsifal" auf die Bühne gestemmt.

 Gralsritter oder Bischof? Guido Jentjens (Zweiter von rechts) als Gurnemanz und Barbara Schneider-Hofstetter als Kundry. Foto: Hans-Jürgen Brehm-Seufert

Gralsritter oder Bischof? Guido Jentjens (Zweiter von rechts) als Gurnemanz und Barbara Schneider-Hofstetter als Kundry. Foto: Hans-Jürgen Brehm-Seufert

Kaiserslautern. Es ist schon kurios: Da wird in Trier der Heilige Rock ausgestellt, und das Pfalztheater liefert die passende thea tralische Begleitung. Denn Johannes Reitmeier, der im Sommer nach Innsbruck wechselt, hat Wagners "Parsifal" als erzkatholische Messfeier inszeniert, vor der Kulisse einer eingesunkenen Kuppel des Petersdoms (Bühnenbild: Thomas Dörfler).
Der aufgrund seines Sündenfalls mit Leiden geschlagene König Amfortas erinnert in Gestik und Mimik an Johannes Paul II. in der Endphase, die Gralsritter wirken wie ein vergreistes Kardinalskollegium, das Leben auf der Gralsburg besteht in katholischen Ritualen.
Als Gegenbild erscheint die Welt des bösen Zauberers Klingsor, der die Ordnung der frommen Ritterschaft durcheinander bringt: Hier blitzen die Computer animationen auf, und die Blumenmädchen sind zu Chefsekretärinnen im Business-Outfit mutiert. Das sieht hübsch und originell aus, aber einen Sinnzusammenhang kann die Regie nur vereinzelt herstellen. Am Ende wird richtig dick aufgetragen, wenn die Sünderin Kundry als Frau feierlich in den Kreis der kirchlichen Amts- und Würdenträger aufgenommen wird - da ertrinkt der womöglich angedachte kritische Ansatz im katholischen Kitsch.
Musikalische Glanzleistung


Auf der Habenseite der Produktion stehen eine sorgfältig gearbeitete Personenregie, viele interessante szenische Details - und eine musikalische Glanzleistung. Das beginnt beim Orchester unter der Leitung von Uwe Sandner, das ein sattes, filigranes Wagner-Klangbild liefert, ohne die Sänger zuzudecken. Guido Jentjens singt einen Gurnemanz der absoluten Weltklasse, Steffen Schantz (Parsifal), Wieland Satter (Klingsor) und Peteris Eglitis (Amfortas) verbinden darstellerische Verve mit sängerischer Ausdruckskraft, Barbara Schneider-Hofstetter beherrscht exzellent die unterschiedlichen Seelenzustände Kundrys, lässt allerdings bei der Wortverständlichkeit zu wünschen übrig.
Langer Jubel bei der Premiere im gut besuchten Haus. Ein Triumph, wenn nicht für den Regisseur Reitmeier, dann doch allemal für den Intendanten.
Weitere Vorstellungen:
11. März, 16. und 22. April.
Infos gibt es im Internet auf www.pfalztheater.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort