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Der weite Weg zu vollen Häusern

Der weite Weg zu vollen Häusern

Weg von den Eifel-Autoren, hin zur Prominenz: Das Eifel-Literatur-Festival unter der Regie von Josef Zierden hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Angefangen hat es 1994 ganz bescheiden. Damals erstreckte es sich über eine Woche, heute gibt es ein Frühjahrs- und ein Herbstprogramm mit mehr als zwei Dutzend Lesungen.

Ehrgeiziger Planer: Josef Zierden organisiert jedes Eifel-Literatur-Festival so, als wäre es sein letztes. Seine Devise lautet: aus Fehlern lernen und immer besser werden. Und das scheint zu funktionieren. 15 000 Besucher kamen zum neunten Eifel-Literatur- Festival. Von 1994 bis 2010 kamen mehr als 200 Autoren in die Eifel. Der Vorverkauf für die Lesungen in diesem Jahr brummt auf hohem Niveau. Schon weit vor Beginn sind die ersten Lesungen ausverkauft.

Die Anfänge des Eifel-Literatur-Festivals 1994 waren bescheiden. Damals dauerte es eine Woche und präsentierte ausschließlich Autoren, die in der Eifel lebten oder über die Eifel geschrieben haben. "Irgendwann endet diese Perspektive. Eifelliteratur in allen Facetten - das kann man nicht ewig fortführen", sagt Festivalvater Josef Zierden, der damals froh war, wenn er wenigstens einen "Promi" präsentieren konnte.

1996, als Zierden Leiter der Volkshochschule in Trier war, organisierte er die Trierer Literaturtage. In Zusammenarbeit mit dem Bertelsmann- Verlag bekam er quasi Stars umsonst und konnte unter anderem Ephraim Kishon in der Europahalle präsentieren. Ab da hatte der Bücherfreund Blut geleckt: "Das hat mich auf Dauer verdorben." Da das Organisationstalent Zierden sich rein ehrenamtlich um das Eifel-Literatur- Festival kümmert, überlegt er genau, wie und wofür er seine knappe (Frei-)Zeit verwenden möchte. Deshalb muss er so manchem ambitionierten Autor auch absagen. "Ich kann nicht die ganze Welt glücklich machen", sagt er.

Der Erfolg hat sich seit 2001 mit einem neuen Festival-Profil eingestellt. Seit Zierden sein Programm weg von der Eifel-Schiene hin zugunsten lesender Fernseh-Prominenz und Bestsellerautoren umgestellt hat. Um in Zierdens Beuteschema zu passen, muss der Autor so bedeutend sein, "dass er eine Anziehungskraft von 200 Kilometern ausübt, die dazu führt, dass sich jemand ins Auto schmeißt und zur Lesung kommt."

Hinter der Idee steckt kein gewiefter Geschäftsmann, der sich bei Erfolg den Ertrag aufs eigene Konto schaufelt. Im Gegenteil: Josef Zierden und Familie arbeiten ehrenamtlich und stoßen damit häufig an die Grenzen des Erträglichen. Dennoch treibt ihn der Ehrgeiz an, immer besser zu werden.

Schlechte Ausgangslage

Bekannte Namen sorgten für eine immer größere Bekanntheit der Literatur- Veranstaltung: Es kamen unter anderem Mario Adorf (2004), Senta Berger (2006), Elke Heidenreich, Frank Schätzing, Daniel Kehlmann, Iris Berben (2008), Martin Walser, Herta Müller, Simon Beckett, Roger Willemsen (2010) und Günter Grass (2011).

Dabei war die Ausgangslage, um ein Literatur-Festival in der Eifel anzusiedeln, äußerst schlecht. "In einem dünn besiedelten Raum ohne akademisches Publikum sind Lesungen eher Saalkiller", sagt Zierden. "Viele denken, in der Eifel ist es so langweilig, da muss man nur die Tür aufhalten und dann kommen die Leute." Doch das sei falsch. Er habe sich seit 1994 den Boden Schritt für Schritt bereitet, es sei ein weiter Weg gewesen, um manche Autoren in die Eifel zu locken.

Wie lange Zierden noch weitermachen möchte, lässt er offen. Der 57-Jährige hat über eine Nachfolgeregelung nicht nachgedacht. "Ich baue kein Familienimperium auf." Die Frage, womit er seine freie Zeit verwende, werde aber für ihn "immer dramatischer".

Sein Ziel hat er längst erreicht. Die Eifel braucht den Vergleich mit anderen Autorenforen nicht zu scheuen. Selbst als es eigentlich als unmöglich galt, hat Zierden Hochkaräter in seine Heimatstadt Prüm locken können, wie zum Beispiel Herta Müller kurz nach Verleihung des Literaturnobelpreises oder Günter Grass.

Also sind alle Wünsche erfüllt? Zierden: "Patrick Süßkind in die Eifel zu locken wäre für mich mindestens so toll wie Günter Grass. Für Süskind würde ich mich sogar reaktivieren, selbst wenn ich im Ruhestand wäre."