Die Rückkehr des tragischen Narren

Die Rückkehr des tragischen Narren

In jedem ordentlichen deutschen Theater gehört Verdis "Rigoletto" mindestens alle 15 Jahre auf den Spielplan. So gesehen war Trier schon leicht im Rückstand. Doch die Produktion, die in diesen Tagen entsteht, wird anders sein als manche, die man kennt.

Trier. Der letzte Trierer "Rigoletto": Das war 1994, zum Ende der Intendanz Petersen. Eine blutjunge Einspringerin namens Kristin Hasselmann riss das Publikum bei der Premiere von den Stühlen, später gastierten Franz Grundheber und Hellen Kwon. Die Inszenierung war brav bis behäbig und ist längst vergessen.
Das kommt bei Bruno Berger-Gorskis Regiearbeiten eher selten vor. Seine Version von Offenbachs "Rheinnixen" war der größte Aufreger der vergangenen Jahre in Trier, in Kaiserslautern debattierte man heftig über seinen "Troubadour", in Bonn über seinen "Rigoletto". Doch mit seiner - durchaus gewagten - "Lakmé" vermochte er die Trierer 2011 für seine Sicht zu gewinnen.
Ein notorischer Provokateur? Unsinn, sagt Globetrotter Berger-Gorski und verweist auf seine vielen erfolgreichen Opernarbeiten zwischen Mexiko, Rumänien und Italien. Da sei das Publikum mit allzu modernen Konzepten keineswegs zu gewinnen.
Aber fordern will er die Leute schon. Und den Blick auf die aktuellen Bezüge lenken. Der Palast des Herzogs als mehrgeschossige Präsidenten-Luxusvilla mit Bunga-Bunga-Partys auf dem Dach? Das darf schon mal sein. Aber viel wichtiger sind dem Regisseur die Bezüge der handelnden Personen untereinander. Der verkrüppelte Hofnarr Rigoletto als überbehütender, autoritärer Vater? Seine Tochter Gilda als renitente Pubertierende, die am Ende bewusst die Freiheit des Todes wählt? Der Herzog, ihr Verführer, als Opfer gesellschaftlicher Konventionen, die ihm seine Macho-Rolle aufzwingen?
Das klingt anders als üblich. Ziemlich unkonventionell sogar. "Es ist trotzdem nah an Verdi", brummt Jacek Strauch. Für den erfahrenen Bariton ist es mindestens die zehnte "Rigoletto"-Produktion, und an ihm hat sich schon mancher Regisseur die Zähne ausgebissen. "Ich bin ein Querulant und werde es auch bleiben", sagt er grinsend - und man braucht einen Moment, bis man sich daran erinnert, dass er trotz des polnisch klingenden Namens in London auf die Welt kam, also im Land der Ironie und des englischen Humors.
Chemie bei den Proben stimmt


Bei dem 59-Jährigen, der schon in Wien, Berlin, London oder München an wichtigen Häusern gearbeitet hat, hält sich die Begeisterung über modernes Regietheater offenbar in Grenzen. Aber die Chemie mit Berger-Gorski scheint dennoch zu stimmen. "Es wäre langweilig, das Stück immer gleich zu spielen", räumt Strauch ein und verweist auf die "Millionen Zwischenfarben", die das Libretto biete.
Letztere lassen sich umso besser ausspielen, als die Gilda kaum passender besetzt sein könnte als mit der 27-jährigen Rollendebütantin Jennifer Riedel. Sie hat gerade ihre Ausbildung beendet, ein paar kleinere Rollen an größeren Häusern gesungen - und jetzt folgt der Sprung ins kalte Wasser einer der kunstvollsten Koloraturpartien der Opernwelt.
Dass die Figur bei Berger-Gorski etwas anders angelegt ist, empfindet sie nicht als Problem, im Gegenteil: "Das übliche naive Ding würde mir gar nicht liegen." Der Regisseur wiederum spricht von einer Idealbesetzung, mit der er "total glücklich" sei. Ebenso wie mit der gleichfalls sehr jung besetzten Maddalena von Kristina Stanek.
Die meisten Bravour-Arien hat in "Rigoletto" freilich immer noch ein Mann: Svetislav Stojanovic gibt den so sanges- wie liebesfreudigen Herzog von Mantua. Den Auftragsmörder Sparafucile singt Pawel Czekala, am Dirigentenpult waltet Generalmusikdirektor Victor Puhl. Für das Bühnenbild zeichnet Thomas Dörfler verantwortlich, in Kaiserslautern seit Jahren Garant für exzellente Ausstattungen.
Premiere am 14. September, es gibt noch Karten. Weitere Termine: 21., 27. September; 2., 6., 27. Oktober, 17., 24., 26. November. Im Dezember sowie im Februar singt Adréana Kraschewski in einigen Vorstellungen die Gilda.