Ein Abend der Unzulänglichkeiten

Ein Abend der Unzulänglichkeiten

A-cappella-Musik steht auch in der Unterhaltung hoch im Kurs. Da muss man schon wirklich erstklassig sein, um in diesem Genre zu punkten. Six Pack in Echternach konnte es nicht.

Man kann der A-cappella-Gruppe Six Pack aus Bayreuth nicht vorwerfen, dass sie ihrem Publikum etwas vormacht. Im Vorspann zu ihrer imaginären Castingshow "Williams Christ Superstar" singt sie zur Melodie von Jesus Christ Superstar: "Wir haben kein Talent und sind trotzdem da. Wir machen Quatsch und ihr zahlt bar."

Johannes W. Betz, Lars Kienle, Markus Burucker, Bernd Esser, Christian Strobler und Andreas Sack wollen mit ihrem Abend die allgegenwärtigen Castingshows im Fernsehen auf den Arm nehmen. Dabei kann man aber nicht so ganz genau einordnen, ob die musikalischen Unzulänglichkeiten, die den Abend durchgängig prägten, Absicht oder tatsächlich mangelndes Talent waren. Die Unsauberkeiten in Titeln wie "Rain in May", "El Cóndor Pasa" oder "Kisses for me" waren jedenfalls nicht zu überhören.

Die stimmlich überzeugendste Leistung erbrachte noch Esser, den man fast als einen Countertenor durchgehen lassen kann. Äußerst beeindruckend war insbesondere seine Leistung in der Zugabe, als er sich beinahe in Sopranlage als Carmen präsentierte.

Die geschätzten 400 Besucher erlebten eine Mischung aus Musicshow und Kabarett, bei dem die Witze nicht fehlen durften. Allerdings waren auch diese für manchen Geschmack grenzwertig. So fragten die Protagonisten einen Konzertbesucher, ob er einen Schulabschluss besitze, und hakten nach dessen Bestätigung nach: "Warum sind Sie dann hier?" Und die Frage, wie eine Frau am besten ihren Ehemann los wird, beantworteten sie mit der Feststellung, dass Yoko Ono (die Witwe des Ermordeten John Lennon) es allen vorgemacht hat - das ließ schon die Frage nach dem guten Geschmack aufkommen. Trotzdem gab es begeisterten Applaus.

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