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Ein Schlüsselmoment der Kulturgeschichte: "1913"

Daun. Während sich das gegenwärtige Interesse auf 1914 und den Beginn des Ersten Weltkriegs konzentriert, hat sich Florian Illies, Autor von "Generation Golf", mit dem Jahr davor beschäftigt. In "1913" verdichtet er, welch kulturelle Blüte- und Umbruchzeit dem Krieg vorausging. Mit dem Buch kommt er im September zum Eifel-Literatur-Festival. ae Florian Illies, 1913 - Der Sommer des Jahrhunderts, 320 Seiten, Verlag S. Fischer, 17,99 Euro.

Daun. Florian Illies Buch "1913" trägt den Untertitel "Der Sommer des Jahrhunderts". Das bezieht sich nicht wörtlich auf den im Buch betrachteten Zeitraum, denn tatsächlich lässt Illies in zwölf Monatskapiteln das ganze Jahr 1913 Revue passieren. Sommer steht hier für Blütezeit, für einen Stand der kulturgeschichtlichen Entwicklung, der Weichen bis in unsere Moderne gestellt hat.eifel-Literatur-Festival 2014


Und so, wie sich viele Sommerblüten zum Farbenspiel ergänzen, verknüpft auch Illies die Ereignisse des Jahres zu einem lebhaften Panorama. Er reiht Episoden und Anekdoten aneinander, die manchmal nur einen Satz und nur selten mehr als zwei Seiten umfassen. Sie zu lesen ist, als schalte man mit der Fernbedienung von einem Fernsehkanal zum nächsten. Mal ist der Schauplatz Wien, mal Berlin, Paris oder München. Immer jedoch sind die Hauptdarsteller illustre oder geschichtlich bedeutsame Persönlichkeiten.
Illies hat teils überraschende, teils bekannte Details aus ihrem Leben zutage gefördert und setzt diese zu plastischen Charakterisierungen zusammen. Hitler und Stalin begegnen sich beim Spaziergang, George Grosz zeichnet die Abgründe der Großstadt. Sigmund Freud verdient sich eine goldene Nase mit Psychotherapie, und Thomas Mann schreibt jeden Tag von 9 bis 12 Uhr Weltliteratur.
Die splitterhafte Erzählweise ist nicht nur kurzweilig und sehr vergnüglich. Leicht und locker verdeutlicht sie Zusammenhänge bestimmter Entwicklungen und vergegenwärtigt Beziehungen zwischen denen, die sie vorantrieben. Vor allem aber vermittelt sie auch das Lebensgefühl einer Zeit, die mit Neuerungen in Kunst, Musik oder Technik derart rasant in die Moderne aufbrach, dass es schon erste Burn-out-Opfer gab, etwa Robert Musil und Franz Kafka. Komprimiert und dennoch äußerst vielfarbig gestaltet sich in "1913" das Bild eines Jahres voller bahnbrechender Höhenflüge, in denen der nahende Abgrund schon spürbar wird. ae

Florian Illies, 1913 - Der Sommer des Jahrhunderts, 320 Seiten, Verlag S. Fischer, 17,99 Euro.

volksfreund.de/eifelliteraturfestival2014Extra

Florian Illies liest als Gast des Eifel-Literatur-Festivals 2014 am Dienstag, 9. September, im Forum Daun aus "1913". Karten gibt es im TV-Service-Center in Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter der Internet-Adresse www.volksfreund.de/tickets. Informationen über das Festival unter www.eifel-literatur-festival.de. ae