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STELLUNGNAHME: In Wittlich ist auch das Emil-Frank-Institut angesiedelt. Der TV hat deshalb Professor Dr. Reinhold Bohlen, Direktor des Emil-Frank-Instituts, Rektor der Theologischen Fakultät Trier um eine Stellungnahme gebeten.

"Die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 stellt sich als Höhepunkt und Abschluss einer ersten Unterdrückungsphase der Juden dar, mit dem Ziel, sie zum Verlassen Deutschlands zu bewegen", sagt Reinhold Bohlen und erinnert an die unmittelbaren Folgen: Damals wurden wenigstens 91 Juden ermordet, mindestens 267 Synagogen in Brand gesteckt und/oder zerstört, fast alle jüdischen Friedhöfe verwüstet, 7500 Geschäfte und Kaufhäuser beschädigt oder zerstört, zehntausende Wohnungen demoliert, ungezählte Fensterscheiben eingeschlagen und etwa 30 000 jüdische Männer verhaftet und zu Konzentrationslagern transportiert. "Vielerorts war die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November gleichbedeutend mit dem faktischen Ende des jüdischen Gottesdienstes und Gemeindelebens, so auch in Wittlich", sagt der Direktor des Emil-Frank-Instituts und erinnert: "Goebbels bekräftigte am 13. November: ,Die Judenfrage wird in kürzester Frist einer das deutsche Volksempfinden befriedigenden Lösung zugeführt.´ Was sich dahinter verbarg, steht uns heute grausam vor Augen. Das gilt es wach zu halten, um Zukunft zu gestalten! Daher ziehe ich für den 9. November Formen des Gedenkens vor, die die konkreten Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Erinnerung rufen." Reinhold Bohlen sagt weiter: "Ich respektiere jedoch auch die Entscheidung des Kulturamtes, dieses Gedenken durch eine Veranstaltung auszuweiten, die den Nationalsozialismus und den Führerkult kritisch hinterfragen will, zumal auch geübte Formen des Gedenkens immer wieder einer Überprüfung bedürfen. Ich persönlich tue mich allerdings schwer mit dem Gedanken, dass gerade in einer ehemaligen Synagoge, die auf mittelbare Weisung Hitlers geschändet wurde, just an diesem Tag Briefe voller Bewunderung an eben diesen Führer zum Vortrag kommen, auch wenn dem eine Einführung durch den Intendanten vorausgeht und eine Aussprache mit dem Publikum angeboten wird. Doch halte ich dies eher für eine Frage des persönlichen Ermessens; daher werden auch Juden hier unterschiedlich urteilen."bre

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