Geschrieben mit Tränen und Blut

Das Theaterstück "Eines langen Tages Reise in die Nacht" eines der bedeutendsten Dramatiker der Vereinigten Staaten, Eugene O'Neill, hat Regisseur Peter Ries für das Trierer Theater inszeniert. Das Kammerspiel bietet eine packende und schonungslose Reise in die innerste Zelle der Gesellschaft, die Familie, und zeigt Ängste und Hoffnungen.

Trier. "Ich schenke Dir das Originalmanuskript dieses Schauspiels, es handelt von altem Leid, geschrieben mit Tränen und Blut." Diese Worte schrieb Eugene O'Neill als Widmung an seine Frau in das Manuskript des Stückes "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (1941). Weil das Stück so autobiografisch war, verfügte der Pulitzer-Preis-Träger, dass es erst lange nach seinem Tod uraufgeführt werden durfte. Verständlich, denn die Biografie von O'Neill hatte ihre Höhen, aber auch tiefste Tiefen und die "Reise" handelt davon. Sein irischer Vater kam 1850 in die Vereinigten Staaten und begann als Schauspieler am Broadway. Er brachte seine Familie mehr schlecht als recht durch, O'Neill selbst wurde in einem Hotel geboren, sein zweiter Bruder Edmund starb früh, sein älterer Bruder wurde, genau wie der Vater, Alkoholiker. Die Mutter wurde drogenabhängig.

Vorwürfe, Lob, Abrechnungen



Und so handelt "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von der fiktiven Familie Tyrone, die eben auch O'Neill heißen könnte.

Die "Reise" beschreibt einen Tag im Sommerhaus der Tyrones. Die Whisky-Flasche ist stets in Greifweite im Tyroneschen Wohnzimmer, in dem die Familie nach dem Frühstück zusammen kommt, sich streitet, sich versöhnt, auseinandergeht und sich wieder trifft. Es hagelt Vorwürfe, Lob, Abrechnungen über enttäuschte Erwartungen, Verletzungen und die Eitelkeiten jedes Einzelnen - vom patriarchischen Vater (Manfred-Paul Hänig), der morphiumsüchtigen Mutter (Johanna Liebeneiner) und der beiden Söhne (Alexander Ourth, Paul Steinbach). Dabei wird natürlich getrunken - und das in großer Menge, denn "Whisky ist die beste Medizin", so Familien-Boss Tyrone. "Die Drogen werden verwendet, um zu betäuben, um das Leben zu bestehen. Die Flasche Whisky macht es wärmer," erläutert Regisseur Peter Ries. Es gehe um die Nicht-Fähigkeit, Realität so einzuordnen, dass sie veränderbar bleibt, zudem habe das Stück eine allgemeine Gültigkeit. "Deshalb lösen wir es aus dem zeitgenössischen Bezug heraus", sagt Ries. Dieses Ziel will er mit einem reduzierten Bühnenbild und einem nicht-naturalistischen Ansatz erreichen: "Wir führen letztlich ein Null-Summen-Spiel vor, so endlos wie eine amerikanische Straße", sagt Ries, der eine Geschichte erzählen will, damit man die eigene Geschichte vielleicht besser verkraften kann.

Premiere ist am 31. Januar, 20 Uhr, im Großen Haus. Tickets gibt es in den Service-Centern des Trierischen Volksfreunds in Trier, Bitburg, Wittlich.

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