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Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ im Stadtmuseum Trier

Trier : Wie Rom weiterlebt

Corona verschärft den Leihverkehr zwischen Museen. Den Zeitplan für die Landes- ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ gefährdet die Pandemie aber nicht.

„Ein Glück, dass wir so früh angefangen haben“, freut sich Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift in Trier, mit Blick auf die für 2022 geplante Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“. Für die auf mehrere Standorte in Trier verteilte Schau habe sie bereits im Spätsommer 2019 Leihgesuche verschickt, sodass sie nun nicht in coronabedingte Verzögerungen gerate. Die Pandemie erschwere derzeit die gesamte Kommunikation zwischen den Museen. „Wir sind zu 95 Prozent mit dem Leihverkehr durch“, so Dühr.

160 Ausstellungsstücke sollen vom 25. Juni bis 27. November 2022 im Stadtmuseum Simeonstift unter dem Titel „Visionen und Mythen in der Kunst Europas“ zu sehen sein und die gesamte Rezeptionsgeschichte des Römischen Reiches in der abendländischen Geistes- und Kunstgeschichte ausbreiten. Aus 15 Ländern, darunter Russland und Australien, kommen die Leihgaben, die neben Gemälden Buchmalerei, Skulpturen und Kunsthandwerk umfassen.

Gemeinsam ist allen Werken, dass in ihnen eine Idee von Rom weiterlebt – auch lange nach dem Untergang des Reiches, das im Westteil mit dem Datum 476 verbunden ist. So erzählt man sich zu einem der Highlights der Ausstellung, dem Ölgemälde „Die Lieblinge von Kaiser Honorius“ von John William Waterhouse (1849-1917) aus dem Jahr 1883, Kaiser Honorius habe angesichts der Kunde vom Fall Romas zunächst erschrocken reagiert, weil eines seiner Hündchen auf den Namen Roma hörte. Der Bezug zum Weltreich draußen war ihm offensichtlich abhanden gekommen.Für das Sinnbild römischer Dekadenz hat das Stadtmuseum laut Dühr bereits eine Leihzusage von der Art Gallery of South Australia, Adelaide.

Ein anderes Highlight unter dem Exponaten wird ein Dante-Portrait sein, das der  berühmten Botticelli-Werkstatt zugeschrieben wird und den Bezug der Renaissance zur Idee des Römischen Reiches aufgreift.

Ob gut oder schlecht – das Römische Reich gilt bis heute als Maßstab für Macht, Kultur und Zivilisation. So beleuchtet die Ausstellung im Simeonstift das Weiterleben Roms in Legenden und Mythen wie der Artussage, im Selbstverständnis späterer Herrscher wie bei Karl dem Großen oder dem Staufer Friedrich II., in der Ablehnung frühneuzeitlicher Denker wie Martin Luther oder der Identifikation mit römischen Feldherrn wie bei Kaiser Napoleon.

Und jede Nation, so erzählt Dühr, bildet ihren eigenen Antihelden gegen Rom heraus: die Franzosen Vertingetorix, die Deutschen Arminius, die Engländer Boudicca. „Und die Erzählungen um Nibelungen, Dietrich von Bern und Uther Pendragon verarbeiteten das Geschehen auf sagenhafte Weise und trugen so zur Identitätsbildung der modernen, europäischen Völker bei.“ So wird auch die Rolle Roms bei der Bildung der Nationalstaaten ein Thema sein. Zudem arbeiten die Ausstellungsmacher anhand von früheren und heutigen Schulbüchern heraus, welche Bilder von Rom dort vermittelt werden.

Das Ölgemäde „Der Triumph Hermanns nach seinem Sieg über Varus“ von Johann Heinrich Tischbein (1722-1789) stellt die berühmte Hermannschlacht dar. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Insgesamt 1,2 Millionen Euro hat der Trierer Stadtrat laut Dühr  für die Ausstellung bewilligt. Große Hoffnungen setzt das Team des Stadtmuseums nun auf die Ausstellungsarchitektur. Derzeit läuft eine beschränkte Ausschreibung, nach der im Februar der Stadtrat einen Favoriten bestimmt, der der Ausstellung Gestalt geben soll.